Gedächtnis trainieren – 19 Tricks, die ich ausprobiert habe

Gedächtnis trainieren mit 19 Tricks

Gedächtnis trainieren klingt nach Disziplin und Karteikarten. In Wirklichkeit reichen ein paar Gewohnheiten, die man ohne großen Aufwand in den Alltag einbauen kann.

Ich vergesse Namen. Einkaufslisten. Und manchmal, warum ich überhaupt ins Zimmer kam. Also habe ich getestet, ob man den Verfall aufhalten kann. Keine Wundermethoden, aber 19 kleine Übungen, Tricks und Denkstützen, die zumindest meinem Gehirn wieder etwas Leben eingehaucht haben.

Was davon funktioniert hat (und was nicht), steht hier.

Eselsbrücken bauen

Eselsbrücken sind die älteste Gedächtnisstütze der Welt und funktionieren immer noch besser als die meisten Apps. Das Prinzip: Verknüpfe das, was du dir merken möchtest, mit einem Bild, einer kleinen Geschichte oder einer absurden Szene. Je seltsamer, desto haltbarer.

Wer sich den Unterschied zwischen stalaktit und stalagmit merken will, braucht nur: Die Titten hängen von der Decke. Grob, aber unvergesslich.

Gehirnjogging für zwischendurch

Sudoku, Kreuzworträtsel, Logikrätsel. Such dir aus, was dir Spaß macht. Zehn Minuten täglich reichen, um die grauen Zellen in Bewegung zu halten. Ob das messbar etwas bringt, ist wissenschaftlich umstritten. Schaden tut es jedenfalls nicht, und die meisten berichten, dass sie sich danach wacher fühlen.

Visualisierung

Stell dir vor, was du dir merken möchtest. Nicht abstrakt, sondern als Bild: mit Farben, Formen, Bewegung. Je lebendiger die Vorstellung, desto besser bleibt sie hängen. Das ist keine Esoterik, sondern ein Grundprinzip der Gedächtnisforschung. Unser Gehirn speichert Bilder erheblich besser als Wörter.

Namen merken in drei Schritten

Erstens: Genau hinhören, wenn jemand seinen Namen sagt. Zweitens: Den Namen laut wiederholen, direkt bei der Begrüßung. Drittens: Den Namen mit einem Merkmal der Person verknüpfen. »Torsten mit den Tattoos« bleibt eher hängen als Torsten allein.

Klingt simpel. Ist es auch. Das Problem ist nicht die Methode, sondern dass man im Gespräch selten daran denkt, sie anzuwenden.

Chunking

Große Informationsmengen in kleinere Einheiten zerlegen. Statt eine zehnstellige Nummer am Stück zu merken, teilt man sie in Dreier- oder Vierergruppen auf. Telefonnummern sind so aufgebaut, Bankleitzahlen auch. Das Prinzip funktioniert bei allem, was man sich merken muss: Vokabeln, Fakten, Aufgabenlisten.

Die Loci-Methode

Erstelle in Gedanken eine Route mit markanten Punkten, zum Beispiel durch deine Wohnung. Ordne nun jedem Punkt eine Information zu, die du dir merken möchtest. Gehe die Route immer wieder gedanklich ab. Das funktioniert mit Einkaufslisten genauso gut wie mit Vokabeln oder Prüfungsstoff.

Die Methode ist uralt. Antike Redner haben ihre Reden so strukturiert. Und sie funktioniert, weil das Gehirn räumliche Informationen besonders gut speichert.

Geschichten erzählen

Trockene Fakten in kleine Geschichten verpacken. Je ausgefallener und emotionaler, desto besser. Unser Gehirn ist auf Narrative programmiert, nicht auf Listen. Wer sich eine Geschichte merkt, merkt sich automatisch die Fakten darin.

Karteikarten

Altmodisch, aber wirksam. Vorderseite: Frage oder Begriff. Rückseite: Erklärung oder Antwort. In regelmäßigen Abständen wiederholen, bis es sitzt. Wer gute Zusammenfassungen schreiben kann, hat hier einen Vorteil, denn die Karten zwingen dazu, Inhalte auf das Wesentliche zu reduzieren.

Das Prinzip dahinter heißt Spaced Repetition: Anfangs häufiger wiederholen, dann in größeren Abständen. Apps wie Anki automatisieren das.

Rhythmus und Reime

Merksätze aus der Schulzeit kennt jeder noch. »Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich.« Das Prinzip funktioniert auch für Erwachsene. Rhythmus und Reim erzeugen eine Art akustische Eselsbrücke. Nicht für alles geeignet, aber für Grundregeln, Formeln oder Reihenfolgen erstaunlich effektiv.

Wiederholung

Das Geheimrezept, das keines ist. Wiederhole in regelmäßigen Abständen, was du gelernt hast. Anfangs öfter, dann seltener. Das Gehirn braucht mehrere Anläufe, um Informationen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis zu übertragen. Ohne Wiederholung zerfällt das meiste innerhalb weniger Tage. Die sogenannte Vergessenskurve zeigt das eindrücklich.

Wie hilft KI beim Gedächtnis trainieren?

Mit einem KI-Chatbot wie ChatGPT oder Claude lassen sich Lernmaterialien erzeugen, die genau auf dein Thema zugeschnitten sind: Zusammenfassungen, Analogien, Quizfragen, Merkreime. Du gibst das Thema vor und sagst der KI, wie du lernst. Sie liefert das Material.

Das ersetzt kein eigenes Denken. Aber es beschleunigt die Vorbereitung, und wer die richtigen Fragen stellt, bekommt Ergebnisse, die man sich tatsächlich merken kann.

Lernen in Bewegung

Spazieren gehen und sich dabei den Stoff selbst erzählen. Oder kleine Gesten zu den Inhalten erfinden. Die Kombination aus geistiger und körperlicher Aktivität schafft zusätzliche Verknüpfungen im Gehirn und erleichtert das Erinnern. Studien bestätigen das: Wer sich beim Lernen bewegt, behält mehr.

Die Körperliste

Eine Variante der Loci-Methode. Statt einer Route durch die Wohnung nutzt du deinen eigenen Körper als Speicher. Ordne die Dinge, die du dir merken willst, einzelnen Körperteilen zu. Füße, Knie, Hüfte, Hände, Schultern, Kopf. Wer die Punkte später abrufen will, geht gedanklich am Körper entlang.

Funktioniert besonders gut für kurze Listen, etwa für einen Vortrag ohne Notizen.

Achtsamkeit beim Lernen

Konzentriere dich voll auf das, was du dir einprägen möchtest. Kein Nebenbei-Scrollen, kein zweiter Tab, kein Podcast im Hintergrund. Multitasking ist der natürliche Feind des Gedächtnisses. Wer fünf Minuten aufmerksam lernt, behält mehr als jemand, der dreißig Minuten abgelenkt vor sich hin liest.

Weniger naheliegende Tricks …

Die folgenden Methoden klingen erst mal ungewöhnlich. Sie haben aber alle einen nachvollziehbaren Hintergrund.

Fremdsprachige Filme mit Untertiteln

Filme in einer Fremdsprache schauen, mit Untertiteln mitlesen. Das fordert das Gehirn auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Hörverständnis, Lesen, visuelle Verarbeitung. Ich denke an Truffaut, Chabrol, Godard … Hart, oder? Aber diese Mehrfachbelastung ist ein echtes Workout für die grauen Zellen. Allerdings sollte der Film auch inhaltlich interessieren, sonst verpufft der Effekt.

Fisch essen

Fettreiche Kaltwasserfische wie Lachs oder Makrele enthalten viele Omega-3-Fettsäuren. Die sind wichtig für die Funktion der Nervenzellen und können laut mehreren Studien die Gedächtnisleistung verbessern. Regelmäßiger Fischgenuss schadet also nicht. Die besten Fischbrötchen gibt es übrigens in Lübeck.

Gedichte lesen

Die besondere Sprache und der Rhythmus von Gedichten aktivieren andere Hirnregionen als Prosa. Durch wiederholtes Lesen prägen sich die Verse ein und bleiben lange im Gedächtnis. Nebenbei schult man Konzentration und Vorstellungskraft. Beides hilft beim Erinnern. Wer Lyrik mit KI-Unterstützung analysieren will, findet dafür gute Prompts.

Sex

Tatsächlich kein Witz. Beim Sex werden Dopamin und Oxytocin ausgeschüttet, beides Botenstoffe, die auch die Merkfähigkeit verbessern. Regelmäßiger Sex kann die Neurogenese anregen, also die Bildung neuer Nervenzellen. Das kommt dem Gedächtnis zugute. Allerdings gilt wie immer: Die Dosis macht das Gift.

Was am Ende zählt

Nicht jeder Trick funktioniert für jeden gleich. Entscheidend ist, was dir persönlich liegt und was du regelmäßig machst. Eine Methode, die du tatsächlich anwendest, schlägt zehn, die du nur gelesen hast. Probiere ein paar davon aus und behalte, was funktioniert. Das Gedächtnis ist kein Muskel, aber es lässt sich trainieren. Zumindest ein bisschen.

Woher die Eselsbrücke kommt

Der Begriff leitet sich von der Annahme ab, dass Esel als besonders stur gelten und ungern Wasser durchqueren. Eine Brücke bietet eine einfache und sichere Überquerungsmöglichkeit. Übertragen auf das menschliche Gedächtnis symbolisiert die Eselsbrücke eine vereinfachte, leicht zu merkende Hilfe, um schwierige Informationen zu überbrücken. Sozusagen eine sichere Überquerung für unser Gehirn, um von einem Gedanken zum nächsten zu gelangen, ohne dabei ins Wasser zu fallen.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage

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