
Adjektive können Texte lebendig machen – oder fad, wenn man die falschen wählt oder zu viele davon nimmt. Die meisten Schreibprobleme mit Eigenschaftswörtern lassen sich mit ein paar Kniffen lösen. Hier sind 21 davon.
Grundregeln für den Umgang mit Adjektiven
- Weniger ist mehr. Setze Adjektive sparsam und gezielt ein. Ein präzises Adjektiv wirkt stärker als drei beliebige.
- Thesaurus nutzen. Ein Blick ins Synonymwörterbuch bringt oft überraschende Alternativen. Das OpenThesaurus ist kostenlos und hilfreich.
- Situation, Stimmung, Adjektiv. Drei Schritte für die richtige Wahl: Zuerst die Situation analysieren, dann die passende Stimmung identifizieren, dann das Adjektiv wählen.
- Vorsicht mit Superlativen. Wörter wie »einzigartig« oder »geschmackvoll« verlieren ihre Wirkung, wenn sie inflationär eingesetzt werden.
- In wissenschaftlichen Texten sparsamer sein. Akademisches Schreiben verlangt Präzision statt Ausschmückung. Es gibt bildungssprachliche Adjektive, die sich hier bewährt haben.
Adjektive aufwerten
- Ausgefallene Wörter wagen. Ungewöhnliche Adjektive machen Texte interessanter. Statt »schön« vielleicht »anmutig« oder »erlesen«.
- Eine Sprachebene höher. Statt 0815-Wörtern wie »gut« oder »nett« Synonyme wie »vorzüglich« oder »erlesen« verwenden. Das hebt den Text sofort an.
- Komparative und Superlative bewusst einsetzen. Mit Vergleichsformen lassen sich Dinge wunderbar hervorheben und in Beziehung setzen.
- Sinneswahrnehmungen ansprechen. Adjektive wie »knusprig«, »samtweich« oder »schrill« erzeugen unmittelbare Bilder im Kopf.
- Nicht aneinanderreihen. Ein oder zwei starke Adjektive schlagen fünf schwache. Die Aneinanderreihung ist ein typischer Anfängerfehler.
Fortgeschrittene Techniken
- Adjektive zur Charakterisierung. Bei Personenbeschreibungen die Adjektive passend zur Stimmung und Situation wählen. Ein »mürrischer« Blick erzählt mehr als ein »böser«.
- Bildungssprachlich schreiben. Wer einen anspruchsvollen Text verfasst, sollte einige gehobene Adjektive einstreuen. Aber nicht übertreiben.
- Lautmalerei nutzen. Adjektive wie »knisternd« oder »scheppernd« wecken nicht nur Bilder, sondern auch Geräusche.
- Ungewöhnliche Kombinationen. Adjektiv-Nomen-Verbindungen wie »flüsterndes Grün« oder »träge Hitze« erzeugen poetische Wirkung.
- Laut lesen. Der beste Test: Den Text laut vorlesen. Wenn es holpert oder gestelzt klingt, anpassen.
- Aktiv lesen. Durch bewusstes Beobachten beim Lesen anderer Texte den eigenen Adjektiv-Wortschatz kontinuierlich ausbauen. Was funktioniert? Was nicht?
Wer seinen Wortschatz gezielt erweitern will, findet bei den Sternenvogelreisen umfangreiche Listen mit zusammengesetzten, schaurigen und jahreszeitlichen Adjektiven.
Wie hilft KI bei der Adjektivwahl?
Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude können beim Umgang mit Adjektiven unterstützen. Hier sind fünf Ansätze:
- Alternativen vorschlagen lassen. Wenn dir selbst nichts Passendes einfällt, liefert die KI oft überraschende Ideen. Auch wenn du schon ein Adjektiv hast, aber nicht ganz zufrieden bist, lohnt sich die Nachfrage.
- Texte analysieren lassen. Die KI kann auf Adjektiv-Wiederholungen und -Schwächen hinweisen. So lässt sich gezielt verbessern.
- Kombinationen finden. Gib der KI zwei zufällige Nomen und lass sie passende Adjektive vorschlagen. Das führt oft zu neuartigen Formulierungen.
- Stimmung prüfen. KI-Tools können einschätzen, ob die gewählten Adjektive zur gewünschten Stimmung im Text passen.
- Neue Wörter erfinden. KIs können sich passende neue Adjektive ausdenken, die es noch nicht gibt. Das geschieht meist durch Kombination vorhandener Wörter. Ein Weg, etwas wirklich Frisches in den Text zu bringen.
Prompts zum Ausprobieren
Hier sind ein paar Prompts, die du direkt in ChatGPT, Claude oder ein anderes Sprachmodell kopieren kannst:
Bessere Alternativen finden:
Ich suche ein präziseres Adjektiv für [WORT]. Der Kontext: [SATZ ODER BESCHREIBUNG]. Gib mir 5 Alternativen mit kurzer Erklärung, warum sie passen könnten.
Text auf Adjektive prüfen:
Analysiere diesen Text auf Adjektiv-Schwächen: Wiederholungen, abgenutzte Formulierungen, überflüssige Adjektive. Mach konkrete Verbesserungsvorschläge.
[DEIN TEXT]
Stimmung treffen:
Ich beschreibe [SZENE/SITUATION]. Die Stimmung soll [GEWÜNSCHTE STIMMUNG] sein. Welche Adjektive passen dazu? Gib mir 10 Vorschläge, sortiert von subtil bis intensiv.
Ungewöhnliche Kombinationen:
Erfinde 10 ungewöhnliche Adjektiv-Nomen-Kombinationen zum Thema [THEMA]. Sie sollen poetisch klingen, aber noch verständlich sein. Erkläre kurz die Wirkung jeder Kombination.
Bildungssprachlich aufwerten:
Ersetze die Alltagsadjektive in diesem Text durch bildungssprachliche Alternativen. Der Text soll anspruchsvoller klingen, aber nicht gestelzt.
[DEIN TEXT]
Viele KI-Systeme sind mittlerweile so weit, dass man mit ihnen über die Wirkung und Angemessenheit von Adjektiven diskutieren kann. Sie werden zu einem Sparringspartner, der das eigene Schreiben voranbringt.