111 kluge Adjektive aus der Bildungssprache

111 kluge Adjektive aus der Bildungssprache

Bildungssprache findet man außer in Schule und Universität vor allem in der Literatur, in Sachbüchern, in der Politik. Es gibt sie in Debatten, sogar im TV. Ihr angestammtes Biotop ist der Journalismus. Kaum ein Artikel, der auch nur halbwegs anspruchsvoll sein will, kommt ohne sie aus.

Bildungssprache wirkt

Deshalb geistern Begriffe aus der Bildungssprache täglich um uns herum. Manche werden sogar aktiv benutzt, ohne dass die jeweiligen Bedeutungen jedem wirklich klar sind. Hier kannst du dein Wissen auffrischen oder erweitern.

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Hier kommt eine stattliche Auswahl von über 110 wichtigen Eigenschaftswörtern aus der Bildungssprache und was sie bedeuten. Begriffe, die du sofort verwenden kannst. Kennst du sie alle?

Auf diese Weise kann man Leser überraschen und sie glauben lassen, man hätte eine ex­t­ra­or­di­näre und exquisite Bildung genossen. Jemand aus bestem Hause sozusagen (und selbstverständlich mit Dativ “e”).

Definition: Bildungssprache ist eine Zusammenstellung kluger Wörter, die sich über mehrere Jahrhunderte hinweg herausgebildet hat, es ist ein so genannter Kanon. Bei Weitem nicht alles, was nach Fremdwort oder Anspruch klingt, gehört dazu. Das ist wichtig zu wissen.

Wörter aus der Bildungssprache wirken dabei mehr oder weniger gescheit, gelehrt, prätentiös, distinguiert, extravagant, kultiviert, bewandert, kenntnisreich, beschlagen, zivilisiert, gepflegt, gewählt, ausgesucht, geschliffen, eloquent oder belesen. Nicht schlecht, oder?

So sollte sich aber niemand dauerhaft und schon gar nicht in jeder Situation ausdrücken. Das überfordert den Leser oder Zuhörer, man könnte sich sogar lächerlich machen, wenn man es übertreibt. Es reicht, sich ein bisschen was abzugucken, um Texte und mündliche Rede interessanter und variantenreicher zu machen. Sprachliche Würze sozusagen.

Setze die folgenden Eigenschaftswörter an geeigneter Stelle im Fließtext, aber nicht in Überschriften ein. Sie würden deine Leser wahrscheinlich eher erschrecken und sie vom Klicken abhalten. Siehe auch:

Bildungssprachliche Adjektive, die du sofort ausprobieren kannst

Es handelt sich nicht um Fach- oder Fremdwörter. Auch wenn sie ursprünglich aus anderen Sprachen zu uns kamen, sie sind allesamt in Gebrauch. Da die Liste inzwischen eminent gewachsen ist, habe ich einen Teil der Wörter abgetrennt, nämlich die Wörter, die weniger oft im Gebrauch sind.

  1. ad­äquat — angemessen, entsprechend
  2. af­fek­tiert — gekünstelt, geziert
  3. agil — beweglich, wendig
  4. akribisch — höchst sorgfältig, äußerst gründlich
  5. antagonistisch — gegensätzlich, widerstreitend
  6. apathisch — teilnahmslos, abgestumpft, gleichgültig
  7. arriviert — angesehen, etabliert
  8. autokratisch — selbstherrlich
  9. banal — nichts Besonderes, alltäglich, gewöhnlich
  10. brachial — handgreiflich, mit roher Körperkraft
  11. Contenance — Haltung, Fassung
  12. de­si­g­niert — für etwas (Aufgabe, Amt) vorgesehen
  13. desolat — trostlos, traurig, miserabel
  14. dediziert — jemandem gewidmet, zugeeignet
  15. definitiv — endgültig, abschließend, unumstößlich
  16. dezidiert — auf eindeutige und bestimmte Weise, entschieden, energisch
  17. diabolisch — teuflisch
  18. diametral — entgegengesetzt, gegensätzlich
  19. differenziert — fein abgestuft, nuanciert
  20. dif­fi­zil — schwierig, kompliziert
  21. diffus — unklar, ungeordnet, verschwommen
  22. diskutabel — erörterungswert, annehmbar
  23. di­s­tin­guiert — betont vornehm
  24. effektiv — wirksam
  25. ef­fi­zi­ent — viel Leistung in Relation zum Aufwand zu erbringen
  26. elanvoll — mit Schwung und Begeisterung
  27. elo­quent — redegewandt, wortreich
  28. eminent — sehr, außerordentlich, äußerst
  29. essenziell (essentiell) — wesentlich
  30. evident — einleuchtend, augenfällig, offenkundig
  31. exorbitant — gewaltig, außerhalb der Maßstäbe, außergewöhnlich, enorm
  32. explizit — ausdrücklich, deutlich
  33. ex­pres­siv — ausdrucksvoll, ausdrucksstark
  34. fulminant — ausgezeichnet, toll, großartig
  35. ge­ne­rös — großzügig
  36. gra­vie­rend — schwerwiegend
  37. heterogen — uneinheitlich, aus Ungleichartigem zusammengesetzt
  38. homogen — einheitlich oder gleichmäßig beschaffen
  39. ikonisch — bildhaft, anschaulich
  40. il­lus­t­ra­tiv — veranschaulichend, erläuternd
  41. im­prak­ti­ka­bel — undurchführbar, unrealisierbar
  42. in­ad­äquat — unangemessen, unpassend
  43. in­ak­zep­ta­bel — nicht akzeptierbar, unannehmbar, untolerierbar
  44. in­dis­ku­ta­bel — nicht erwägenswert, unannehmbar
  45. infernalisch — höllisch, teuflisch, unerträglich
  46. informell — lässig, locker, leger
  47. initial — anfänglich, beginnend
  48. ir­re­le­vant — unerheblich, ohne Bedeutung
  49. komplex — verflochten, zusammenhängend, umfassend, vielschichtig
  50. kon­ge­ni­al — einem Genie ebenbürtig
  51. kon­sis­tent — stabil, beständig
  52. kon­s­ter­niert — bestürzt, fassungslos
  53. kon­ti­nu­ier­lich — ununterbrochen
  54. konträr — entgegengesetzt, gegensätzlich
  55. kurios — merkwürdig, skurril
  56. lapidar — kurz und knapp, pointiert
  57. legitim — gesetzlich anerkannt, rechtmäßig
  58. le­thar­gisch — antriebslos, stumpfsinnig, desinteressiert, apathisch
  59. loyal — vertragstreu, redlich,
  60. lu­k­ra­tiv — einträglich, gewinnbringend
  61. ma­li­zi­ös — boshaft
  62. maniriert — affektiert, geziert
  63. marginal — geringfügig, unwichtig
  64. martialisch — kriegerisch
  65. me­di­o­ker — mittelmäßig
  66. me­lo­dra­ma­tisch — theatralisch, pathetisch
  67. morbid — kränklich, angekränkelt, brüchig
  68. nebulös — verschwommen, unklar
  69. neu­r­al­gisch — besonders empfindlich, anfällig für Störungen
  70. normativ — eine Norm setzend, einen Maßstab darstellend
  71. ob­li­ga­to­risch — bindend, vorgeschrieben, verbindlich
  72. obsolet — überflüssig, nicht mehr üblich
  73. om­ni­po­tent — allmächtig
  74. opportun — gelegen kommend, von Vorteil
  75. opulent — üppig, verschwenderisch
  76. pe­ku­ni­är — geldlich, finanziell
  77. penibel — kleinlich
  78. perfide — verschlagen, hinterhältig, gemein
  79. pittoresk — malerisch
  80. pointiert — gezielt, scharf zugespitzt
  81. prä­de­s­ti­niert — in hohem Maße geeignet
  82. prägnant — etwas in knapper Form genau treffend
  83. präsent — anwesend, gegenwärtig
  84. prätentiös — Eindruck machen wollend, sich wichtig machen
  85. prekär — schwierig, heikel, misslich
  86. prosaisch — nüchtern, sachlich, trocken
  87. re­d­un­dant — mehrfach vorhanden, wiederholt
  88. relevant — bedeutsam, wichtig
  89. renitent — widersetzlich, bockig
  90. re­nom­miert — angesehen, geschätzt
  91. respektabel — Respekt verdienend, achtbar
  92. restriktiv — einschränkend, beschränkend
  93. ru­di­men­tär — unvollständig, nur noch in Ansätzen vorhanden
  94. sa­k­ro­sankt — unantastbar
  95. satanisch — böse, boshaft, teuflisch
  96. saturiert — satt
  97. servil — kriecherisch, untertänig
  98. skurril — seltsam, befremdlich
  99. stringent — logisch, schlüssig, überzeugend
  100. sub­si­di­är — behelfsmäßig
  101. subtil — mit Feingefühl, mit Sorgfalt
  102. substanziell (substantiell) — der wesentliche Kern oder die grundlegende Bedeutung einer Sache und von äußerster Wichtigkeit für den Kontext
  103. superb — ausgezeichnet, vorzüglich
  104. the­a­t­ra­lisch — übertrieben in Gestik, Mimik und Verhalten
  105. titanisch — gewaltig
  106. to­le­ra­bel — annehmbar, erträglich
  107. tradiert — überliefert, traditionell
  108. trist — trostlos, freudlos
  109. trivial — durchschnittlich, alltäglich, gewöhnlich
  110. vakant — im Augenblick frei, nicht besetzt, offen
  111. ve­he­ment — heftig, ungestüm
  112. versiert — Bescheid wissend, geschickt

Praktische Beispiele gefällig? Hier sind 111 Beispielsätze mit allen bildungssprachlichen Adjektiven aus diesem Beitrag. Und hier ist ein zweiter Teil. Dieselben bildungssprachlichen Wörter, aber andere Beispiele und andere Themen: Noch Einmal 111 Beispielsätze mit den wichtigsten Bildungssprachlichen Adjektiven

Oder wie wäre es mit Bildungssprache in 25 Zitaten aus der klassischen Literatur

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