
Die meisten Leute nutzen KI für Zusammenfassungen und einfache Fragen. Dabei kann sie viel mehr – besonders wenn es um echte Recherche geht. Um das Zerlegen von Argumenten, das Finden von Lücken, das Verstehen von Strukturen.
Die folgenden Prompts haben auf Reddit, X und in Forschungs-Communities Verbreitung gefunden. Sie verwandeln eine Chat-KI in ein Analyse-Werkzeug, das Arbeit erledigt, für die man sonst Stunden braucht.
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Für den ist das gedacht? Für alle, die mit komplexen Texten arbeiten – Studenten, Wissenschaftler, Journalisten, Analysten. Oder einfach so aus Spaß an der Sache.
1. Der Widerspruchs-Finder
Perfekt für Papers, Berichte oder lange Dokumente. Die KI findet Inkonsistenzen, die Menschen überlesen – besonders bei eigenen Texten, bei denen man längst betriebsblind ist.
Liste alle internen Widersprüche, ungelösten Spannungen oder Behauptungen auf, die nicht vollständig aus den Belegen folgen.
2. Der Reviewer #2
Ja, genau der. Der gefürchtete Gutachter, der jeden Schwachpunkt findet. Wer in der Wissenschaft arbeitet, kennt ihn. Dieser Prompt simuliert den härtesten Kritiker, den ein Paper haben kann. Brutal, aber notwendig – besser, du findest die Schwächen selbst, bevor es jemand anderes tut.
Kritisiere das wie ein skeptischer Peer-Reviewer. Sei hart. Konzentriere dich auf Methodik-Fehler, fehlende Kontrollen und überzogene Behauptungen.
3. Der Strukturierer
Für den Moment, wenn du rohe Notizen, Links oder halbgare Ideen hast und nicht weißt, wo anfangen. Der Prompt zwingt die KI, nicht nur zu sortieren, sondern auch zu bewerten. Aus Chaos wird Ordnung – mit Qualitätskontrolle.
Verwandle das folgende Material in ein strukturiertes Research-Briefing. Enthält: Kernaussagen, Belege, Annahmen, Gegenargumente und offene Fragen. Markiere alles, was schwach oder unvollständig ist.
4. Der Rückwärts-Erklärer
Ein schneller Test, ob ein Argument wirklich trägt. Die Logik wird umgekehrt: Erst das Ergebnis, dann der Weg dorthin. Wenn die Kette zusammenbricht, siehst du sofort, wo das Problem liegt.
Erkläre zuerst die Schlussfolgerung, dann arbeite Schritt für Schritt rückwärts zu den Annahmen.
5. Der wissenschaftliche Vergleicher
Keine Feature-Listen, keine oberflächlichen Aufzählungen. Dieser Prompt zwingt zu substanziellen Unterschieden auf den Ebenen, die wirklich zählen: Theorie, Fehlerquellen, Praxistauglichkeit.
Vergleiche diese beiden Ansätze hinsichtlich: theoretischer Grundlage, Fehlerquellen, Skalierbarkeit und praktischer Einschränkungen.
6. Der Crash-Test
Gold für Prognosen und Strategien. Die meisten Leute fragen nie, was schiefgehen könnte – sie optimieren nur für den Erfolgsfall. Dieser Prompt dreht das um. Keine hypothetischen Randfälle, sondern realistische Szenarien des Scheiterns.
Beschreibe Szenarien, in denen dieser Ansatz katastrophal scheitert. Keine Randfälle. Realistische Fehlerszenarien.
7. Der Meinungs-Änderer
So denken echte Forscher. Nicht: Was habe ich gelernt? Sondern: Was muss ich jetzt anders sehen? Der Prompt zwingt zu einer ehrlichen Bilanz – und verhindert, dass man nur bestätigt, was man vorher schon glaubte.
Nach der Analyse all dessen: Was sollte meine bisherige Überzeugung ändern?
8. Das mentale Modell
Kompression auf das Wesentliche. Ein ganzes Thema in ein Bild, eine Analogie, eine Struktur packen, die im Kopf bleibt. Wenn es sich nicht komprimieren lässt, hast du es noch nicht verstanden.
Komprimiere dieses gesamte Thema in ein einziges mentales Modell, das ich mir merken kann.
9. Der Domänen-Übersetzer
Wer ein Konzept in eine völlig andere Domäne übersetzen kann, hat es wirklich begriffen. Der Prompt testet und vertieft gleichzeitig – und liefert oft überraschende Einsichten, die beim direkten Erklären verborgen bleiben.
Erkläre dieses Konzept mit Analogien aus einem völlig anderen Fachgebiet.
10. Der Struktur-Dieb
Unterbewertet, aber mächtig. Anwenden auf gute Papers, Essays, Artikel. Du lernst nicht was jemand geschrieben hat, sondern wie – und kannst es dann selbst anwenden. Reverse Engineering für Texte.
Ignoriere den Inhalt. Analysiere Struktur, Aufbau und Argumentationsmuster. Warum funktioniert das so gut?
11. Der Annahmen-Prüfer
Jedes Argument steht auf Annahmen. Die meisten davon sind unsichtbar – der Autor selbst bemerkt sie oft nicht. Die schwächste Annahme ist häufig der Punkt, an dem ein ganzes Argument zusammenbricht. Dieser Prompt macht sie sichtbar.
Liste alle impliziten Annahmen auf, die dieses Argument voraussetzt. Welche davon sind am wackeligsten?
Wann welchen Prompt?
- Eigene Texte prüfen → Widerspruchs-Finder (#1), Reviewer #2 (#2)
- Fremde Texte analysieren → Rückwärts-Erklärer (#4), Annahmen-Prüfer (#11)
- Rohmaterial ordnen → Strukturierer (#3)
- Optionen bewerten → Wissenschaftlicher Vergleicher (#5), Crash-Test (#6)
- Wirklich verstehen → Mentales Modell (#8), Domänen-Übersetzer (#9)
- Schreiben verbessern → Struktur-Dieb (#10)
- Bilanz ziehen → Meinungs-Änderer (#7)
Das Prinzip dahinter
Alle diese Prompts haben etwas gemeinsam: Sie fragen nicht nach Informationen, sondern nach Analyse. Sie zwingen die KI, nicht nur zu antworten, sondern zu denken – oder zumindest etwas zu tun, das wie Denken aussieht.
Der Unterschied ist enorm. Eine Zusammenfassung gibt dir eine Zusammenfassung. Die Frage nach der schwächsten Annahme gibt dir Einsicht.
Die KI kann nicht wirklich kritisch denken. Aber sie kann die Schritte durchführen, die kritisches Denken ausmachen – wenn du sie darum bittest. Die Prompts sind die Anweisungen.
Die Prompt-Ideen basieren auf einem viralen Thread von Chris Laub auf X. Ich habe sie übersetzt, ergänzt und kommentiert. Sie funktionieren mit Claude, ChatGPT, Gemini und anderen KIs.