
Stell dir vor, du stehst in einer Ebene in Süditalien. Es ist der 2. August 216 v. Chr., kurz nach Sonnenaufgang. Die Hitze flirrt bereits über dem staubigen Boden. Vor dir: 80.000 römische Soldaten, die größte Armee, die die Republik jemals aufgestellt hat. Hinter dir: ein Fluss, der jeden Rückzug unmöglich macht. Und irgendwo da draußen, hinter einer Staubwolke, wartet Hannibal Barkas – der Mann, der in den vergangenen zwei Jahren jede römische Armee vernichtet hat, die ihm entgegengetreten ist.
Was in den nächsten acht Stunden geschehen wird, ist kein gewöhnliches Gefecht. Es ist ein Massaker von solchen Ausmaßen, dass antike Historiker nach Worten ringen werden, es zu beschreiben. Zwischen 50.000 und 70.000 Menschen werden an diesem Tag sterben – mehr als an jedem anderen einzelnen Tag der westlichen Militärgeschichte bis zum Ersten Weltkrieg. Und doch wird Rom nicht kapitulieren. Das Rätsel von Cannae ist nicht nur, wie Hannibal gewann, sondern warum dieser perfekte Sieg letztlich zur Niederlage führte.



