Was ist KI? Künstliche Intelligenz verstehen

Was ist KI? Künstliche Intelligenz verstehen

Künstliche Intelligenz. Drei Silben, ein Kürzel, tausend Meinungen. Kaum ein Begriff hat in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommen – und wird gleichzeitig so unscharf benutzt. KI steckt im Smartphone, in der Suchmaschine, in der Rechtschreibprüfung. Und seit ChatGPT Ende 2022 aufgetaucht ist, redet plötzlich jeder davon.

Aber was genau ist das eigentlich? Was kann KI, was kann sie nicht – und warum sollte man sich damit auskennen? Dieser Artikel erklärt es von Grund auf: verständlich für alle, die noch nie eine KI benutzt haben, und mit genug Tiefe für alle, die es genauer wissen wollen.

Was ist KI in einem Satz

Künstliche Intelligenz bedeutet, dass ein Computer Aufgaben erledigt, für die man normalerweise menschliches Denken braucht. Sprache verstehen, Bilder erkennen, Texte schreiben, Muster finden, Entscheidungen treffen. Nicht weil jemand für jeden Fall eine Regel programmiert hat, sondern weil das System aus Daten gelernt hat, wie es solche Aufgaben lösen kann.

Das Kürzel KI steht für Künstliche Intelligenz, auf Englisch AI – Artificial Intelligence. Geprägt wurde der Begriff 1956 auf einer Wissenschaftskonferenz am Dartmouth College in den USA. Die Idee war damals schon klar: Maschinen sollen denken lernen. Nur gedauert hat es etwas länger als erwartet.

Warum jetzt alle darüber reden

KI gibt es seit den 1950er Jahren. Sie war lange ein Nischenthema für Informatiker und Science-Fiction-Fans. Was sich geändert hat: die Rechenleistung, die Datenmenge und vor allem die Art, wie KI funktioniert.

Bis vor einigen Jahren konnte KI vor allem sortieren, filtern und klassifizieren – Spamfilter, Empfehlungsalgorithmen bei Netflix, Gesichtserkennung am Smartphone. Nützlich, aber unsichtbar. Seit Ende 2022 gibt es eine neue Kategorie: generative KI. Das sind Systeme, die Texte, Bilder, Musik oder Code erzeugen können. ChatGPT war das erste, das Millionen Menschen gleichzeitig ausprobiert haben. Danach kamen Claude, Gemini, Grok und viele andere.

Seitdem ist KI kein Technikthema mehr. Es ist ein Alltagsthema.

Wie funktioniert das?

Die meisten KI-Systeme, mit denen wir heute arbeiten, basieren auf maschinellem Lernen. Das Prinzip: Statt Regeln einzuprogrammieren, füttert man das System mit riesigen Mengen an Daten und lässt es selbst herausfinden, welche Muster darin stecken.

Ein einfaches Beispiel: Zeig einem System zehntausend Fotos von Katzen und zehntausend Fotos von Hunden, jeweils beschriftet. Nach dem Training kann es bei neuen Fotos sagen, ob Katze oder Hund. Niemand hat ihm erklärt, was eine Katze ist. Es hat die Merkmale selbst gelernt.

Chatbots wie ChatGPT oder Claude funktionieren nach einem ähnlichen, aber viel komplexeren Prinzip. Sie wurden mit Milliarden von Texten aus dem Internet trainiert – Bücher, Artikel, Foren, Anleitungen, Wikipedia. Daraus haben sie gelernt, wie Sprache funktioniert: welche Wörter wahrscheinlich aufeinander folgen, wie Argumente aufgebaut sind, wie man Fragen beantwortet.

Das Ergebnis ist erstaunlich und gleichzeitig trügerisch. Die KI versteht Sprache nicht so, wie wir sie verstehen. Sie hat kein Bewusstsein, keine Meinungen, keine Erfahrungen. Sie berechnet statistische Wahrscheinlichkeiten – extrem gut, aber eben nur das.

Schwache KI und starke KI

In der Fachwelt unterscheidet man zwei Kategorien. Schwache KI (auch: narrow AI) kann eine bestimmte Aufgabe sehr gut lösen – Texte generieren, Schach spielen, Sprache übersetzen. Alles, was wir heute nutzen, gehört dazu. Auch ChatGPT.

Starke KI (auch: AGI, Artificial General Intelligence) wäre eine Maschine, die jede intellektuelle Aufgabe bewältigt, die ein Mensch kann – flexibel, eigenständig, ohne spezielle Programmierung für jede neue Situation. So etwas gibt es nicht. Noch nicht. Ob es jemals so weit kommt, darüber streiten sich die klügsten Köpfe.

Was ist KI - Infografik

Was KI heute konkret kann

Die Fähigkeiten heutiger KI-Systeme sind beeindruckend und wachsen schnell. Hier ein Überblick, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

Texte: Schreiben, zusammenfassen, übersetzen, korrigieren, analysieren. KI kann Texte verbessern, Argumente zerlegen, komplizierte Sachverhalte erklären und Feedback geben, das sich wie ein guter Lektor anfühlt.

Lernen: Erklärungen auf jedem Niveau, Übungsaufgaben, Lernpläne, Quiz. Lernen mit KI ist wie ein Privatlehrer, der nie müde wird, nie ungeduldig ist und sich dem eigenen Tempo anpasst.

Bilder und Video: Systeme wie DALL-E, Midjourney und Sora erzeugen fotorealistische Bilder und Videos aus Textbeschreibungen. Für Profis und Laien gleichermaßen faszinierend – und manchmal beunruhigend.

Code: KI schreibt Programme, findet Fehler, erklärt bestehenden Code. Vibe Coding nennt sich der Ansatz, bei dem man beschreibt, was man haben will – und die KI baut es.

Recherche und Analyse: Texte auswerten, Muster finden, Widersprüche aufdecken, Quellen durchleuchten. Für Studierende, Journalisten und alle, die mit komplexen Informationen arbeiten.

Was KI nicht kann

Die Liste ist wichtiger als die vorherige. Weil man wissen sollte, wo die Grenzen liegen, bevor man sich auf die Technik verlässt.

KI denkt nicht. Sie versteht nicht. Sie fühlt nicht. Was sie produziert, klingt oft überzeugend, kann aber falsch sein – sachlich, logisch oder faktisch. Fachleute nennen das Halluzinationen: Die KI erfindet Dinge, die plausibel klingen, aber frei erfunden sind. Quellen, Zitate, Statistiken – alles schon vorgekommen.

Außerdem hat KI kein echtes Gespür für Nuancen. Sie simuliert Ironie manchmal treffsicher, aber sie versteht sie nicht. Sie erkennt keinen Kontext jenseits des Gesprächs und kann nicht beurteilen, ob eine Antwort im konkreten Fall sinnvoll ist. Sie liefert, was wahrscheinlich passt. Nicht was richtig ist.

Deshalb bleibt die wichtigste Regel: Prüfen. Immer prüfen. KI ist ein Werkzeug, kein Orakel.

Die wichtigsten Begriffe – kurz erklärt

Wer sich mit KI beschäftigt, stolpert über Fachbegriffe. Hier die allerwichtigsten, ohne die es nicht geht:

BegriffWas es bedeutet
LLMLarge Language Model – ein großes Sprachmodell, das aus Textmassen gelernt hat, wie Sprache funktioniert. ChatGPT, Claude und Gemini basieren darauf.
PromptDie Eingabe, also das, was du der KI schreibst. Je präziser der Prompt, desto besser das Ergebnis.
TokenDie kleinste Einheit, in der KI Text verarbeitet. Ein Wort kann ein oder mehrere Token sein. Limits für Ein- und Ausgabe werden in Token gemessen.
KontextfensterWie viel Text die KI gleichzeitig »sehen« kann – Eingabe und Ausgabe zusammen. Claude hat das größte (200.000 Token), bei ChatGPT und Gemini variiert es je nach Modell.
HalluzinationWenn die KI etwas Falsches erfindet und dabei überzeugend klingt. Besonders tückisch bei Fakten und Quellen.
Generative KIKI-Systeme, die neue Inhalte erzeugen: Texte, Bilder, Musik, Code. Im Gegensatz zu analytischer KI, die bestehende Daten auswertet.
TrainingDer Prozess, bei dem ein KI-Modell aus Daten lernt. Geschieht in massiven Phasen vor der Veröffentlichung, kostet Millionen und dauert Wochen. Danach wird das Modell weiter verfeinert.

Mehr davon gibt es im KI-Glossar mit 49 Begriffen von A bis Z.

Wie du KI am besten ausprobierst

Der schnellste Weg: Geh auf chat.openai.com oder claude.ai und leg los. Beide haben kostenlose Versionen, die zum Ausprobieren reichen. Anmelden, Frage eintippen, staunen.

Ein paar Ideen für den Anfang: Lass dir einen komplizierten Sachverhalt in einfachen Worten erklären. Bitte um eine Zusammenfassung eines langen Textes. Frag nach einem Lernplan für ein Thema, das dich interessiert. Oder lass dir einfach etwas erklären, das du schon immer wissen wolltest.

Wichtig dabei: Die KI ist so gut wie dein Prompt. Wer »Erzähl mir was über Geschichte« schreibt, bekommt Brei. Wer schreibt »Erkläre mir den Dreißigjährigen Krieg in 5 Absätzen, für jemanden ohne Vorwissen, mit den 3 wichtigsten Wendepunkten«, bekommt etwas Brauchbares. Gute Fragen stellen – das ist die eigentliche Kompetenz.

Noch ein Hinweis, der besonders in Deutschland wichtig ist: Die kostenlosen Versionen verwenden deine Eingaben unter Umständen fürs Training. Keine Firmengeheimnisse, keine persönlichen Daten, keine vertraulichen Dokumente in den Chat tippen – es sei denn, du nutzt einen bezahlten Tarif mit entsprechenden Datenschutzeinstellungen.

Welche KI für welchen Zweck?

Es gibt nicht die eine beste KI. Die großen Anbieter haben unterschiedliche Stärken:

ChatGPT (von OpenAI) ist der Platzhirsch – am weitesten verbreitet, vielseitig, mit Bild- und Sprachfunktion. Claude (von Anthropic) ist stark bei langen Texten, Analyse und nuanciertem Schreiben. Gemini (von Google) punktet mit aktuellen Informationen und der Integration in die Google-Welt. Grok (von xAI/Elon Musk) hat Zugriff auf Echtzeit-Daten von X.

Wer es genauer wissen will: Claude vs. ChatGPT vs. Gemini – der ausführliche Vergleich.

Für wen ist KI besonders nützlich?

Schüler können mit KI lernen, üben, Aufgaben verstehen und sich auf Prüfungen vorbereiten. Nicht als Schummel-Werkzeug, sondern als digitalen Lernpartner.

Studierende profitieren bei Recherche, Textarbeit, Prüfungsvorbereitung und beim Strukturieren komplexer Inhalte. KI-Prompts für Studierende zeigt, wie das konkret aussieht.

Alle anderen – und damit meine ich wirklich alle: Wer Texte schreibt, Sprachen lernt, Ideen entwickelt, recherchiert, organisiert oder einfach neugierig ist, hat mit KI ein Werkzeug, das Zeit spart und Möglichkeiten eröffnet, die es vorher nicht gab.

Die Schattenseiten

Wer nur über die Vorteile spricht, macht es sich zu leicht. KI hat echte Probleme: Die Nachteile reichen von Datenschutz über Arbeitsplatzverlust bis zu systematischen Verzerrungen in den Trainingsdaten. KI kann Vorurteile reproduzieren, weil sie aus Texten lernt, die Vorurteile enthalten.

Dazu kommt die Frage, was passiert, wenn Menschen aufhören, selbst zu denken. Wozu noch lernen, wenn KI alles kann? – die Frage liegt nahe. Die Antwort ist: Gerade deshalb. Wer nicht versteht, was die KI produziert, kann es nicht beurteilen. Und wer nicht beurteilen kann, wird abhängig.

Wie geht es weiter?

KI entwickelt sich schneller als jede Technologie zuvor. Modelle werden leistungsfähiger, günstiger und zugänglicher. KI-Agenten – Systeme, die eigenständig mehrstufige Aufgaben erledigen – stehen vor der Tür. Die Integration in Betriebssysteme, Browser und Alltagssoftware läuft bereits.

Was das für Bildung, Arbeit und Gesellschaft bedeutet, ist offen. Einig sind sich die meisten nur in einem Punkt: Wer KI ignoriert, wird es bereuen. Nicht weil man alles damit machen muss. Sondern weil man verstehen sollte, was da passiert – um selbst entscheiden zu können, wo man mitmacht und wo nicht.

Ein guter Anfang wäre, jetzt einfach mal eine KI zu öffnen und eine Frage zu stellen. Irgendeine. Die beste Frage ist die, die man sich nicht traut zu stellen.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage