ChatGPT – Wie man einer KI die richtigen Fragen für jeden Zweck stellt

ChatGPT - Wie man einer KI die richtigen Fragen stellt

Die richtigen Fragen zu stellen, war schon immer entscheidend. In der Welt von ChatGPT, Claude und Gemini ist das nicht anders. Die optimale Fragetechnik entscheidet darüber, ob du brauchbare Antworten bekommst oder nur generisches Gewäsch.

Fragen können Teil eines Prompts sein, müssen das aber nicht. Sie eignen sich ideal zur Wissensvermittlung und -Vertiefung. Aber Frage ist nicht gleich Frage. Es gibt verschiedene Techniken, und wer sie kennt, holt deutlich mehr aus der KI heraus.

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Bewährte Fragetechniken

Hier sind acht Techniken, die funktionieren.

Offene Fragen beginnen mit »Wie«, »Was«, »Warum«, »Wann«, »Wo« oder »Wer«. Sie laden zu ausführlichen Antworten ein und eignen sich ideal, um tiefergehende Einblicke zu einem Thema zu erhalten.

Geschlossene Fragen lassen sich mit »Ja« oder »Nein« beantworten. Sie sind nützlich für schnelle, spezifische Informationen, können aber den Dialog einschränken. Für die KI nur geeignet, wenn gezielte Informationen benötigt werden.

Hypothetische Fragen erforschen hypothetische Szenarien oder Bedingungen. Sie sind geeignet, wenn es darum geht, die Fähigkeit der KI zur Kreativität und zum abstrakten Denken auszunutzen.

Reflektierende Fragen spiegeln die gegebene Antwort zurück, um Erklärungen oder Reflexionen anzuregen, die in die Tiefe gehen. Diese Technik kann eingesetzt werden, um Klarheit über bestimmte Antworten zu erlangen oder ein Thema weiter zu vertiefen.

Leitende Fragen lenken die Antwort in eine bestimmte Richtung. Während diese Technik in Gesprächen mit Menschen manipulativ wirken kann, ist sie bei generativer KI nützlich, um spezifischere oder thematisch eingegrenzte Antworten zu erhalten.

Provozierende Fragen sind geeignet, Annahmen in Frage zu stellen oder herauszufordern. Die KI kann hier interessante Antworten liefern, weil die Fragetechnik das Modell veranlasst, konventionelle Pfade zu verlassen und alternative Ansätze zu bieten.

Sondierende Fragen dienen dazu, zusätzliche Informationen oder Klarheit über bereits gegebene Antworten zu erhalten. Sie sind effektiv, wenn ein umfassenderes Verständnis dein Ziel ist.

Rhetorische Fragen erwarten keine wirkliche Antwort, sondern regen zum Nachdenken an. Da KI-Modelle darauf programmiert sind, auf Eingaben zu antworten, bringen rhetorische Fragen wenig, es sei denn, sie werden als Teil einer Anfrage zur Exploration eines Themas verwendet.

Indem du die richtige Fragetechnik wählst, kannst du die Interaktion mit der KI optimieren. So lässt sich sowohl die Qualität als auch die Relevanz der künstlich generierten Antworten verbessern.

5 Prompts zum sofort Ausprobieren

Theorie ist gut, Praxis ist besser. Hier sind fünf Prompts, die verschiedene Fragetechniken nutzen. Kopiere sie direkt in ChatGPT, Claude oder Gemini und passe das Thema an.

Der Sokratische Fragesteller – Nutzt reflektierende und sondierende Fragen, um ein Thema wirklich zu durchdringen:

Ich möchte [THEMA] wirklich verstehen, nicht nur oberflächlich. Stelle mir dazu fünf aufeinander aufbauende Fragen im sokratischen Stil. Warte nach jeder Frage auf meine Antwort. Hinterfrage meine Antworten kritisch und hilf mir, Denkfehler zu erkennen.

Der Perspektivwechsler – Kombiniert hypothetische Fragen mit ungewöhnlichen Blickwinkeln:

Erkläre mir [THEMA] aus drei völlig unterschiedlichen Perspektiven: 1) Ein Skeptiker, der die gängige Meinung anzweifelt. 2) Ein Historiker, der Parallelen zur Vergangenheit zieht. 3) Ein Kind, das naive, aber durchdringende Fragen stellt. Welche Perspektive liefert die interessantesten Einsichten?

Der Reverse Engineer – Nutzt die Umkehr-Technik, um blinde Flecken zu finden:

Ich will [ZIEL] erreichen. Statt mir zu sagen, wie das geht, erkläre mir: Was würde garantiert dazu führen, dass ich scheitere? Welche Fehler machen die meisten? Welche falschen Annahmen sind verbreitet? Leite daraus dann ab, was ich tatsächlich tun sollte.

Der Experten-Simulator – Kombiniert Rollenspiel mit provozierenden Fragen:

Du bist ein erfahrener [EXPERTE/BERUF] mit 20 Jahren Praxiserfahrung. Ich bin ein Anfänger, der [PROBLEM/FRAGE] hat. Gib mir keine Standardratschläge. Sag mir stattdessen: Was würdest du einem Kollegen unter vier Augen raten, das du einem Kunden nie sagen würdest?

Der Tiefenbohrer – Nutzt die 5-Warum-Technik systematisch:

Ich habe folgendes Problem: [PROBLEM BESCHREIBEN]. Führe mich durch die 5-Warum-Methode. Frage fünfmal »Warum?«, um zur eigentlichen Ursache vorzudringen. Warte jeweils auf meine Antwort, bevor du die nächste Warum-Frage stellst. Am Ende fasse zusammen, was wir über die Wurzel des Problems herausgefunden haben.

Diese Prompts funktionieren mit allen großen KI-Modellen. Die Platzhalter in eckigen Klammern ersetzt du durch dein konkretes Thema. Mehr Prompt-Ideen findest du im Artikel Lernen mit KI – Methoden, Tricks & Prompts.

Fragetechniken für Fortgeschrittene

Es geht aber noch weiter.

Analogiedenken – Verwende Analogien, um komplexe Probleme zu lösen. Frage zum Beispiel: »Wie würde ein Architekt das Problem der Kundenbindung in meinem Online-Shop angehen?« oder »Was könnte ich von einem Bienenschwarm über effektive Teamarbeit lernen?«

Reverse Engineering – Stelle die Frage rückwärts. Anstatt zu fragen, wie du ein bestimmtes Ziel erreichen kannst, frage: »Was würde sicherstellen, dass ich dieses Ziel nicht erreiche?« Dieser Ansatz kann dazu beitragen, Hindernisse zu identifizieren und zu vermeiden.

Historische Perspektive – Frage nach Lösungen aus der Vergangenheit. »Wie haben Menschen vor der Erfindung moderner Technologie X gelöst?« Dies kann innovative Ansätze aufzeigen, die in der Moderne übersehen werden.

Futuristische Szenarien – Frage nach möglichen zukünftigen Entwicklungen. »Wie könnte dieses Problem in 50 Jahren gelöst werden, unter Berücksichtigung fortschrittlicher Technologien?« Dies fördert das Denken in langfristigen Lösungen und Visionen.

Interdisziplinäre Ansätze – Kombiniere Wissensbereiche. »Wie würden ein Psychologe und ein Informatiker gemeinsam einen Algorithmus für emotionale Intelligenz entwickeln?« Dies hilft, die Grenzen des üblichen Fachwissens zu überwinden.

Die 5 Warum-Fragen – Hinterfrage tiefergehend, indem du fünfmal »Warum?« fragst, um zur Wurzel eines Problems zu gelangen. Dieser Ansatz hilft, die eigentlichen Ursachen zu identifizieren und nicht nur Symptome zu behandeln. Lies dazu auch: Sokratische Methode trifft KI

Rollenspiel – Schlüpfe in die Rolle einer anderen Person oder Entität und frage zum Problem aus deren Sicht. »Wie würde ein CEO eines erfolgreichen Start-ups meine Herausforderungen bewältigen?« Dies kann helfen, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen. Die KI kann auch historische Persönlichkeiten simulieren.

Limitationen als Vorteile – Frage, wie Einschränkungen oder Schwächen als Stärken umgedeutet werden können. »Wie kann ich die begrenzte Reichweite meines Blogs als Vorteil nutzen?« Dieser Ansatz kann zu kreativen und innovativen Strategien führen.

Extrembedingungen – Überlege, wie du in extremen oder ungewöhnlichen Situationen handeln würdest. »Wie würde ich mein Produkt vermarkten, wenn ich nur 100 Euro Budget hätte?« Solche Überlegungen können zu unkonventionellen und kosteneffizienten Lösungen führen.

Fragen mit Perspektivwechsel

Auf diese Weise kannst du die Herangehensweise ändern, um unerwartete Antworten zu provozieren. Hier sind ein paar Beispiele, wie solche Fragen formuliert werden können.

Traditionelle Perspektive: »Wie kann ich meine Produktivität steigern?«

Perspektivwechsel: »Wie würde ich als Spitzensportler meine täglichen Routinen anpassen, um meine Produktivität zu maximieren?«

Traditionelle Perspektive: »Wie kann ich effektiver lernen?«

Perspektivwechsel: »Wenn ich ein mittelalterlicher Gelehrter wäre, welche Techniken würde ich nutzen, um mir Wissen zu merken?«

Traditionelle Perspektive: »Wie kann ich nachhaltiger leben?«

Perspektivwechsel: »Was würde ein außerirdisches Wesen, das gerade unseren Planeten besucht hat, vorschlagen, um unsere Umweltprobleme zu lösen?«

Traditionelle Perspektive: »Wie kann ich meine Angst vor öffentlichen Reden überwinden?«

Perspektivwechsel: »Wie würde ein berühmter Schauspieler aus dem 18. Jahrhundert empfehlen, Lampenfieber zu bekämpfen?«

Traditionelle Perspektive: »Wie kann ich kreativer werden?«

Perspektivwechsel: »Was würde ein neugieriges Kindergartenkind vorschlagen, um ein alltägliches Problem zu lösen?«

Traditionelle Perspektive: »Wie kann ich mein Geschäft wachsen lassen?«

Perspektivwechsel: »Wie würde ein erfahrener Kaufmann der Hanse aus dem 16. Jahrhundert die Expansion meines Unternehmens planen?«

Traditionelle Perspektive: »Wie kann ich meine Schreibfähigkeiten verbessern?«

Perspektivwechsel: »Wie würde ein klassischer japanischer Haikudichter meine Texte überarbeiten, um sie ausdrucksstärker zu machen?«

Fragen für Hartgesottene

Exotische oder besonders kreative Fragetechniken können die Interaktion mit einer KI noch interessanter machen. Hier sind einige Ansätze, die die üblichen Frageformen ergänzen und neue Wege des Dialogs zwischen Mensch und Maschine eröffnen.

Sequentielle Fragen – Stelle eine Reihe von Fragen, die aufeinander aufbauen, um ein Thema schrittweise zu erkunden. Beginne mit einer allgemeinen Frage und werde mit jeder folgenden Frage spezifischer. Dies hilft, ein Thema tiefgehend zu durchdringen und kann die KI dazu anregen, detailliertere und kontextbezogenere Antworten zu liefern.

Verknüpfte Fragen – Kombiniere zwei oder mehr unterschiedliche Themengebiete in einer Frage. Zum Beispiel: »Wie würde ein Philosoph aus der Antike die Herausforderungen der modernen Künstlichen Intelligenz interpretieren?« Solche Fragen regen zu kreativen Antworten an, die Verbindungen zwischen scheinbar unzusammenhängenden Bereichen herstellen.

Kontrastfragen – Bitte um eine Gegenüberstellung von zwei Extremen. Zum Beispiel: »Was sind die größten Unterschiede zwischen Mikro- und Makroökonomie in Bezug auf ihre Ansätze zur Lösung von Wirtschaftskrisen?« Dies fördert ein tieferes Verständnis der Nuancen innerhalb eines Themas.

Multidisziplinäre Fragen – Stelle eine Frage, die Antworten aus verschiedenen Disziplinen erfordert. »Wie könnten Quantenphysik und Psychologie zusammen das Phänomen der menschlichen Wahrnehmung erklären?« Solche Fragen regen zu Antworten an, die das Wissen aus mehreren Fachgebieten zusammenführen.

Experimentelle Fragen – Fordere die KI heraus, über experimentelle oder unkonventionelle Lösungen nachzudenken. Zum Beispiel: »Wie könnte man eine Stadt auf dem Mars mit Technologien des 21. Jahrhunderts gründen?« Solche Fragen fördern kreatives Denken und Innovation.

Metafragen – Stelle Fragen über den Prozess des Fragens selbst oder die Art, wie Antworten generiert werden. »Wie entscheidest du, welche Informationen am relevantesten sind, um eine Frage zu beantworten?« Dies kann zu interessanten Einsichten in die Funktionsweise von KI und deren Umgang mit Informationen führen.

Szenario-basierte Fragen – Erstelle ein detailliertes Szenario und frage nach einer spezifischen Handlungsweise oder Entscheidung. »Angenommen, ich bin ein Startup-Gründer in der Frühphase mit begrenzten Ressourcen, wie sollte ich mein Marketingbudget priorisieren?« Solche Fragen können zu praxisnahen und umsetzbaren Ratschlägen führen.

Kreative Schreib- und Denkaufgaben – Fordere die KI auf, kreatives Schreiben oder Denkaufgaben zu übernehmen. Zum Beispiel: »Erzähle eine Geschichte aus der Perspektive eines Baumes über die vier Jahreszeiten hinweg.« Dies nutzt die kreativen Fähigkeiten der KI und kann zu einzigartigen und unterhaltsamen Inhalten führen.

Reflexive Fragen – Frage nach der Einschätzung der KI über ihre eigenen Antworten. »Wie sicher bist du dir bei der Beantwortung dieser Frage?« Obwohl KI-Modelle keine persönlichen Meinungen oder Gefühle haben, kann dies zu interessanten Formulierungen führen, die die Grenzen und das Vertrauen in die gegebenen Informationen reflektieren.

Beispiele für verschiedene Fragen

Offene Frage
»Wie verändert künstliche Intelligenz die Bildungslandschaft?« Diese Frage fördert eine umfassende Antwort, die verschiedene Aspekte von KI in der Bildung beleuchtet.

Geschlossene Frage
»Hat künstliche Intelligenz das Potenzial, traditionelle Lehrmethoden zu ersetzen?« Erwartet eine direkte Ja- oder Nein-Antwort, kann aber zu weiteren Erklärungen anregen.

Hypothetische Frage
»Was würde passieren, wenn künstliche Intelligenz alle Lehrer an Schulen ersetzen würde?« Lädt zu einer Diskussion über mögliche Zukunftsszenarien und deren Konsequenzen ein.

Reflektierende Frage
»Du hast erwähnt, dass KI individuelles Lernen fördern kann. Wie sieht das in der Praxis aus?« Vertieft ein spezifisches Detail der initialen Antwort und bittet um weitere Erklärungen.

Leitende Frage
»Sind die Vorteile der Implementierung von KI in Schulen größer als die potenziellen Risiken?« Lenkt die Antwort in eine Richtung, die eine Bewertung von Vor- und Nachteilen erfordert.

Provozierende Frage
»Ist die Angst, dass KI Lehrer ersetzen könnte, nur ein Mythos, oder steckt mehr dahinter?« Fordert dazu auf, gängige Annahmen zu hinterfragen und eine tiefere Analyse anzubieten.

Sondierende Frage
»Könntest du ein konkretes Beispiel nennen, wie KI bereits jetzt im akademischen Bildungswesen eingesetzt wird?« Sucht nach spezifischen Informationen oder Beispielen, um das Verständnis zu vertiefen.

Rhetorische Frage
»Wie könnten wir es uns leisten, die Möglichkeiten der KI in der Bildung nicht zu nutzen?« Zielt darauf ab, zum Nachdenken anzuregen, ohne eine direkte Antwort zu erwarten.

Kombinierte Frage
»Angenommen, KI wird flächendeckend in der Bildung eingesetzt: Wie könnte das die Rolle des Lehrers verändern, und welche Herausforderungen würde das mit sich bringen?« Kombiniert mehrere Aspekte und lädt zu einer umfassenden Analyse ein.

Exotische Frage
»Wenn eine KI selbst lernen könnte, was würde sie dann als Erstes über das menschliche Lernen verstehen wollen?« Diese ungewöhnliche Perspektive fordert dazu auf, die Sichtweise von KI auf menschliches Lernen zu erforschen.

Wer noch tiefer einsteigen will: Claude KI richtig nutzen – 12 Profi-Tricks zeigt fortgeschrittene Techniken für Anthropics KI-Modell.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage