
Die Zwölf Arbeiten des Herakles gehören zu den bekanntesten Geschichten der griechischen Mythologie. Wir kennen ihn auch als Herkules, und wir kennen die Redewendung von der Herkulesaufgabe. Sie kommt genau daher.
Herakles, Sohn des Zeus und der sterblichen Alkmene, war von Anfang an ein Problemfall. Hera, die eifersüchtige Frau des Zeus, hasste den Jungen und verfolgte ihn sein Leben lang. Dass er trotzdem zum größten Helden der Antike wurde, macht die Geschichte erst interessant.
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Inhaltsverzeichnis
Warum musste Herakles die Zwölf Arbeiten überhaupt erledigen?
Hera trieb Herakles in den Wahnsinn, und in diesem Zustand tötete er seine eigene Frau Megara und seine Kinder. Als er wieder zu sich kam, suchte er das Orakel von Delphi auf. Die Strafe: zwölf Aufgaben im Dienst von König Eurystheus von Tiryns, einem Mann, den Herakles zutiefst verachtete. Erst danach würde er Vergebung finden.
Das Perfide daran: Eurystheus war ein schwacher König, der Herakles fürchtete und die Aufgaben so wählte, dass sie unmöglich erschienen. Hera half ihm dabei. Im Kern ging es nicht um Buße, sondern um Vernichtung.
Die Zwölf Arbeiten im Überblick
Jede einzelne Aufgabe hätte einen gewöhnlichen Sterblichen das Leben gekostet. Herakles brauchte dafür Kraft, List und gelegentlich Hilfe von den Göttern. Hier sind alle zwölf.
- Der Nemeische Löwe hatte ein Fell, das keine Waffe durchdringen konnte. Herakles erdrosselte ihn mit bloßen Händen und trug das Fell fortan als Rüstung.
- Die Lernäische Hydra war ein Wasserungeheuer, dem für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue nachwuchsen. Herakles brannte die Stümpfe aus, bevor sie nachwachsen konnten.
- Die Kerynitische Hirschkuh mit goldenem Geweih und ehernen Hufen gehörte Artemis. Herakles jagte sie ein volles Jahr, bevor er sie lebend fangen konnte, ohne die Göttin zu erzürnen.
- Der Erymanthische Eber terrorisierte die Gegend um den Berg Erymanthos. Herakles trieb ihn in tiefen Schnee, ermüdete ihn und brachte ihn gefesselt nach Mykene.
- Der Stall des Augias war seit Jahren nicht gereinigt worden. Eine unmögliche Menge Mist, ein einziger Tag Zeit. Herakles leitete kurzerhand zwei Flüsse durch die Ställe.
- Die Stymphalischen Vögel hatten metallische Federn, die sie wie Pfeile verschießen konnten. Herakles scheuchte sie mit bronzenen Klappern auf (ein Geschenk der Athene) und erlegte sie im Flug.
- Der Kretische Stier verbreitete Schrecken auf der Insel Kreta. Herakles überwältigte ihn und brachte ihn lebend nach Mykene.
- Die Rosse des Diomedes waren Pferde, die Menschenfleisch fraßen. Herakles besiegte König Diomedes und verfütterte ihn an seine eigenen Tiere. Danach waren die Pferde zahm.
- Der Gürtel der Hippolyte war ein Geschenk des Ares an die Amazonenkönigin. Hippolyte wollte ihn freiwillig hergeben, doch Hera stiftete Streit. Es kam zum Kampf, Hippolyte starb.
- Die Rinder des Geryon gehörten einem dreiköpfigen Riesen am westlichen Ende der Welt. Herakles tötete Geryon und trieb die Herde den langen Weg zurück nach Mykene.
- Die Äpfel der Hesperiden waren goldene Früchte, bewacht von Ladon, einem Drachen mit hundert Köpfen. Herakles überredete Atlas, die Äpfel zu pflücken, und überlistete ihn beim Rücktausch.
- Die Gefangennahme des Kerberos war die letzte und vielleicht schwierigste Aufgabe. Herakles stieg in die Unterwelt hinab, überwältigte den dreiköpfigen Höllenhund mit bloßen Händen und brachte ihn ans Tageslicht.
Eurystheus erkannte übrigens zwei der Arbeiten nicht an: die Hydra (weil Herakles Hilfe hatte) und den Augias-Stall (weil Herakles Bezahlung verlangt hatte). Deshalb waren es ursprünglich zehn Aufgaben, die auf zwölf aufgestockt wurden.
Was die Zwölf Arbeiten mit der Bildungssprache zu tun haben
Drei bildungssprachliche Begriffe gehen direkt auf Herakles zurück:
- Herkules als Synonym für einen außergewöhnlich starken Menschen
- Herkulesaufgabe für eine schier unlösbare Aufgabe
- herkulisch als Adjektiv für übermenschliche Kraft oder Anstrengung
Wenn jemand sagt, etwas sei eine »Herkulesaufgabe«, dann meint er genau das: eine Aufgabe, die unmöglich erscheint und trotzdem gelöst werden muss. Die griechische Mythologie steckt tiefer in unserer Alltagssprache, als die meisten ahnen.
Kraft allein reichte nicht
Was die Geschichten interessant macht: Herakles war nicht einfach nur stark. Er war es, keine Frage. Aber bei der Hydra half ihm sein Neffe Iolaos, bei den Stymphalischen Vögeln bekam er Werkzeug von Athene, und die Äpfel der Hesperiden holte er sich durch eine List. Rohe Gewalt allein hätte nicht gereicht.
Die zwölf Aufgaben erzählen im Kern die Geschichte eines Mannes, der Schuld auf sich geladen hat und sie durch Taten abarbeitet. Nicht durch Reue, nicht durch Gebet, sondern durch Leistung. Das ist womöglich der Grund, warum Herakles bis heute als Inbegriff des Helden gilt.

Ladon, der hundertköpfige Drache im Garten der Hesperiden. Kein besonders einladender Wächter.
Was wurde aus Herakles?
Nach den zwölf Arbeiten war Herakles‘ Leben keineswegs vorbei. Er heiratete Deianeira, kämpfte weiter, und am Ende brachte ihn das sogenannte Nessoshemd um. Ein vergiftetes Gewand, das seine Haut verbrannte. Herakles ließ sich auf einem Scheiterhaufen verbrennen, um die Qualen zu beenden. Zeus erhob ihn daraufhin in den Olymp. Vom Mörder seiner eigenen Familie zum unsterblichen Gott. Das ist selbst für griechische Mythologie eine bemerkenswerte Karriere.
Wer sich die mythologischen Figuren der Griechen anschaut, wird feststellen: Herakles ist nicht der einzige Held mit einer komplizierten Biografie. Aber er ist womöglich der bekannteste. Und bei Kämpfen der griechischen Mythologie taucht sein Name so häufig auf wie kein anderer.