
Perplexity ist keine gewöhnliche Suchmaschine. Und kein Chatbot. Sondern etwas dazwischen – eine sogenannte Answer Engine, die live im Web sucht, die Ergebnisse zusammenfasst und die Quellen als klickbare Fußnoten anhängt. Das klingt nach einem Detail. Verändert aber die gesamte Arbeitsweise.
Wer regelmäßig recherchiert – wer Quellen braucht, nicht nur Antworten – landet früher oder später hier. Und stellt fest: Das ist etwas anderes als Google mit KI-Anstrich.
Inhaltsverzeichnis
Was Perplexity von ChatGPT unterscheidet

Der Unterschied ist fundamental. ChatGPT ist ein Sprachmodell, das aus seinem Trainingswissen antwortet – ergänzt durch eine optionale Websuche. Perplexity dreht die Logik um: Es sucht zuerst im Web, liest die gefundenen Seiten und baut daraus eine Antwort mit Quellenangaben. Jede Aussage hat eine Fußnote.
Das verändert den Umgang mit KI-Antworten. Bei ChatGPT fragst du und hoffst, dass die Antwort stimmt. Bei Perplexity fragst du und kannst nachprüfen. Das macht es zu einem besseren Werkzeug für alles, wo Verlässlichkeit zählt: Recherche, Faktencheck, Quellenarbeit.
Auffällig auch das Interface: Perplexity sieht mittlerweile aus wie die großen Sprachmodelle – Chat-Fenster, Seitenleiste, Verlauf. Wer ChatGPT oder Claude kennt, findet sich sofort zurecht.

Wer den Vergleich zwischen ChatGPT, Claude und Gemini kennt, weiß: Jede KI hat ihr Terrain. Perplexity besetzt die Nische der quellenbasierten Recherche – und füllt sie besser als alle anderen.
Die Modi: Vom schnellen Check bis zum Forschungsbericht
Perplexity ist nicht ein Werkzeug, sondern mehrere. Welchen Modus du wählst, bestimmt Tiefe, Dauer und Qualität der Ergebnisse.
Standard Search ist der schnelle Wurf: wenige Quellen, kurze Antwort, Fokus auf Tempo. Wie heißt die Hauptstadt von Bhutan? Wann wurde die EU gegründet? Dafür reicht Standard.
Pro Search geht tiefer: dutzende Quellen, direkter Zugang zu den Originalseiten, dazu ein Code-Interpreter für Berechnungen und Datenaufbereitung. Für die meisten Alltagsrecherchen die richtige Wahl.
Reasoning kommt zum Einsatz, wenn die Frage komplex ist und mehrere Denkschritte erfordert. Perplexity zerlegt das Problem, führt mehrere Suchschritte durch und baut die Antwort analytisch auf. Gut für Vergleiche, Abwägungen, alles mit »es kommt darauf an«.
Research ist die Königsdisziplin. Perplexity fährt autonom eine große Recherche-Schleife: dutzende Suchen, hunderte Quellen, dann ein zusammenhängender Bericht. Das dauert ein paar Minuten, liefert aber Ergebnisse, für die man manuell Stunden bräuchte. Exportierbar als PDF, Markdown oder DOCX.
Eine gute Übersicht über alle Modi liefert das Perplexity Help Center.
Spaces: Dein persönliches Recherche-Büro
Spaces (Räume) sind das Feature, das Perplexity von einer Suchmaschine zum Arbeitssystem macht. Ein Space ist ein thematischer Arbeitsraum – privat oder teilbar – in dem du Gespräche sammelst, Dateien hochlädst und eigene Anweisungen hinterlegst.
Das Entscheidende: Du kannst pro Space ein bevorzugtes Modell und individuelle Regeln festlegen. »Antworte immer auf Deutsch, nutze akademische Quellen, fasse dich kurz.« Einmal eingestellt, gilt es für alle Gespräche in diesem Raum. Du musst Perplexity nicht jedes Mal neu briefen.
Spaces erlauben außerdem eine Quellenauswahl: nur Web, nur akademische Papers, interne Dateien oder bewusst gar keine externen Quellen – wenn du reines Brainstorming willst, ohne dass Perplexity Webbelege hineinzieht.
Create: Dateien und Apps erzeugen lassen
Der Modus »Create files and apps« geht über Recherche hinaus. Hier produziert Perplexity Ergebnisse: Berichte, Tabellen, Dashboards, Präsentationen, sogar einfache Web-Apps. Gestützt auf Websuche, Code-Ausführung und Diagramm-Erstellung.
Das ist kein Chat mehr, sondern ein Mini-Projektlauf. Perplexity warnt selbst: Der Modus kann deutlich länger laufen als eine normale Suche – je nach Komplexität dreißig Minuten oder mehr. Dafür bekommt man am Ende etwas Vorzeigbares, nicht nur Text in einem Chatfenster.
Wer etwa eine Recherche als interaktive Timeline, Vergleichstabelle oder Glossar braucht, findet hier den direktesten Weg.
Tasks: Perplexity arbeitet, auch wenn du es nicht tust
Tasks sind wiederkehrende Aufträge: Alerts, Reports, Erinnerungen. Du legst einmal fest, was du regelmäßig wissen willst – etwa jeden Montag die zehn wichtigsten Entwicklungen zu einem Thema – und Perplexity liefert per E-Mail oder Push-Benachrichtigung.
Das funktioniert wie ein persönlicher Recherche-Radar. Statt morgens selbst durch Nachrichtenseiten zu scrollen, bekommst du eine kuratierte Zusammenfassung. Pro- und Max-Nutzer können bis zu zehn solcher Tasks anlegen.
Model Council: Drei Modelle, eine ehrlichere Antwort
Jedes KI-Modell hat blinde Flecken. Was bei Coding-Fragen brillant funktioniert, kann bei Recherche oder kreativer Arbeit daneben liegen. Model Council macht dieses Problem sichtbar, statt es zu verstecken.
Die Funktion lässt drei Modelle parallel antworten – etwa Claude Opus 4.6, GPT 5.2 und Gemini 3.0. Ein viertes Modell wertet die Ergebnisse aus, löst Widersprüche wo möglich und zeigt transparent, wo sich die Modelle einig sind und wo nicht. Du kannst die einzelnen Antworten auch separat einsehen. (Stand 02/2026)
Das ist kein Gimmick. Wer bei heiklen Themen nicht nur eine glatte Erzählung will, sondern Konsens und Konfliktlinien sehen möchte, bekommt hier genau das. Wo die Modelle übereinstimmen, kannst du schneller entscheiden. Wo sie sich widersprechen, weißt du, dass du tiefer graben solltest.
Model Council ist aktuell nur für Max-Abonnenten auf der Web-Version verfügbar. Mobile Apps sollen folgen.
Quellen sind keine Garantie
Perplexity gibt Quellen an. Das ist besser als bei den meisten Konkurrenten. Aber es löst das Grundproblem nicht vollständig.
Eine Studie des Tow Center for Digital Journalism an der Columbia University testete KI-Suchtools auf korrekte Quellenzuordnung. In über 60 Prozent der Tests waren die Antworten fehlerhaft. Perplexity schnitt am besten ab – lag aber immer noch bei 37 Prozent Fehlerquote.
Eine gemeinsame Untersuchung der European Broadcasting Union und der BBC analysierte 3.000 Antworten in 14 Sprachen. 45 Prozent enthielten mindestens ein gravierendes Problem, 81 Prozent hatten irgendeine Form von Fehler.
Was das praktisch bedeutet: Bei aktuellen Ereignissen, bei rechtlichen oder medizinischen Fragen, bei allem, wo es auf Genauigkeit ankommt, brauchst du einen Verifikations-Workflow. Öffne die wichtigsten Quellen und prüfe, ob die Aussage dort wirklich steht – nicht nur thematisch passt. Das kostet zwei Minuten und kann Stunden an Korrektur ersparen.
Datenschutz: Worauf du achten solltest
Perplexitys Standard-Einstellung erlaubt die Verwendung deiner Suchen zur Produkt- und Modellverbesserung. Du kannst das in den Einstellungen deaktivieren, aber das wirkt nur für die Zukunft und löscht keine zuvor erfassten Daten.
Wer Connectoren nutzt – etwa für Google Drive, Gmail oder Notion – sollte wissen, dass Perplexity dabei weitreichende Berechtigungen verlangt. Der Drive-Connector kann alle Dateien sehen und herunterladen. Der Gmail-Connector kann Mails lesen, erstellen und senden. Das ist kein Fehler, sondern ein Feature – aber eines, das man wie einen API-Schlüssel behandeln sollte: bewusst einsetzen, nicht nebenbei aktivieren.
Inhalte aus Connector-Antworten können außerdem in geteilten Threads sichtbar werden. Wer Perplexity im Team nutzt, sollte das im Hinterkopf behalten.
Die Preise (Stand 02/2026)
Free – Standard Search unbegrenzt, ein paar Pro-Searches pro Tag. Reicht zum Ausprobieren.
Pro – 20 Dollar pro Monat (oder 200 Dollar im Jahr). Unbegrenzt Pro Search, Research-Modus, File Uploads, Spaces, Connectoren, Tasks. Das ist der Plan für ernsthafte Nutzer.
Max – 200 Dollar pro Monat. Alles aus Pro plus Model Council, höhere Limits und Zugang zu experimentellen Features wie dem Comet Browser Agent. Für Power-User und professionelle Recherche.
Enterprise – Ab 40 Dollar pro Nutzer und Monat (Enterprise Pro) bis 325 Dollar (Enterprise Max). Zusätzlich: keine Datenverwendung fürs Training, zentrale Dateiablage, Audit-Logs, SSO.
Für wen lohnt sich Perplexity?
Perplexity ersetzt weder ChatGPT noch Claude noch Gemini. Es ergänzt sie dort, wo Quellen zählen. Wer Texte schreiben, Code generieren oder kreativ brainstormen will, ist bei den großen Sprachmodellen besser aufgehoben. Wer recherchieren will – schnell, strukturiert, mit nachprüfbaren Belegen – findet bei Perplexity das beste Werkzeug dafür.
Besonders stark ist es für Studierende, Journalisten, Sachbuchautoren und alle, die beruflich mit Quellen arbeiten. Der kostenlose Plan reicht für den ersten Eindruck. Wer regelmäßig recherchiert, wird an Pro kaum vorbeikommen.
Aber vergiss nie: Auch die eleganteste Quellenangabe ersetzt nicht den eigenen Blick auf die Originaldaten. Perplexity beschleunigt die Arbeit. Das Denken bleibt bei dir.