Satyrn – freizügige Mischwesen der griechischen Mythologie

Satyrn waren freizügige Mischwesen der griechischen Mythologie

Satyrn waren die Partycrasher der griechischen Mythologie. Halb Mensch, halb Ziegenbock, immer betrunken, immer laut. Sie zogen mit Dionysos durch die Gegend, dem Gott des Weines und der Fruchtbarkeit, und verkörperten alles, was die griechische Zivilisation eigentlich im Zaum halten wollte: Trieb, Rausch, Enthemmung. Diese Mischwesen ließen es krachen.

Ihre Darstellung variierte über die Jahrhunderte. In der frühen griechischen Kunst trugen Satyrn menschliche Körper mit Pferdeohren und Pferdeschwanz. Später verschmolzen sie mit den römischen Faunen und bekamen Ziegenbeine, Hörner und Hufe. Was blieb: der menschliche Oberkörper, das ausgelassene Verhalten und eine ziemlich deutliche sexuelle Freizügigkeit.

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Satyr und satyrartig (Adj.) sind bildungssprachliche Wörter. Satyrartig beschreibt jemanden, der dem ungezügelten, lustvollen Verhalten von Satyrn ähnelt. Es kann sich auf Aussehen, Verhalten oder Charakter beziehen, meint aber fast immer: übermütig, lebensfroh, enthemmt.

Neben ihrer Rolle in der Mythologie traten Satyrn auch in der Literatur und Kunst auf, besonders in den Satyrspielen des antiken Griechenlands. Diese Theaterform wurde nach den Aufführungen der großen Tragödien gespielt, sozusagen als derber Nachtisch nach dem ernsten Hauptgang. Sie gelten als Vorläufer der Komödie.

Warum ausgerechnet Ziegenböcke?

Ziegen galten in vielen antiken Kulturen als Symbole der Fruchtbarkeit und sexuellen Energie. Robuste Tiere, die in schwierigem Gelände überleben, wild und eigensinnig. Das passte zu den Satyrn. Dazu kam ein praktischer Grund: Ziegenböcke dienten als Opfertiere in dionysischen Ritualen. Der Mythos dürfte diese Praktiken widerspiegeln.

Die Verbindung von Mensch und Tier war in der griechischen Mythologie nichts Ungewöhnliches. Kentauren, Minotaurus, Sphinx, überall Mischwesen. Bei den Satyrn war die Botschaft klar: Unter der dünnen Decke der Zivilisation lauert das Tier. Womöglich fanden die Griechen das weniger bedrohlich als befreiend.

Satyrn und Satire

Die Verbindung existiert, ist aber verschlungener als man denkt. Die Satyrspiele des antiken Griechenlands waren derbe, spöttische Theaterstücke mit Satyrn als Chören. Die römische Satire als literarische Gattung entwickelte sich später eigenständig. Ihr Name leitet sich vom lateinischen »satura« ab, was ursprünglich eine Art Mischung oder Füllhorn bedeutete.

Eine andere Theorie führt den Begriff auf »satyrus« zurück, also direkt auf die Satyrspiele. Ob etymologisch verwandt oder nicht: Der spöttische, enthüllende Grundton verbindet beide. Satyrn zeigten auf der Bühne, was die Gesellschaft lieber verdeckt hätte. Satire tut im Kern dasselbe.

Fünf namentlich bekannte Satyrn

  1. Silenos: Der älteste und bekannteste Satyr, Erzieher und treuer Begleiter des Dionysos. Wird oft als trunken auf einem Esel reitend dargestellt. Trotz seines Zustands galt er als weise. Wer ihn fing, konnte ihn nach der Zukunft befragen.
  2. Marsyas: Berühmt für seinen musikalischen Wettstreit mit Apollon. Er verlor. Apollon häutete ihn bei lebendigem Leibe. Eine Geschichte über Hybris, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.
  3. Ampelos: Ein junger Satyr und Liebling des Dionysos. Nach seinem Tod verwandelte er sich in den ersten Weinstock. Aus Trauer und Liebe entstand der Wein. Schöner kann man Alkoholismus kaum mythologisieren.
  4. Krotos: Sohn des Pan oder Hermes, aufgewachsen unter den Musen auf dem Berg Helikon. Gilt als Erfinder des Rhythmus und des Beifalls. Die Musen baten Zeus, ihn als Sternbild Schütze (Sagittarius) an den Himmel zu setzen.
  5. Komos: Personifikation des Gelages und der ausgelassenen Feier. Von seinem Namen leitet sich das Wort »Komödie« ab, über den griechischen »kōmos«, den festlichen Umzug.

Oben: Silenos, Saufkumpan des Dionysos. Zusammen erlebten die beiden zahlreiche Abenteuer.

Was von den Satyrn geblieben ist

Auch wenn nur wenige Satyrn namentlich in Erscheinung traten, waren sie ein beliebtes Motiv in der antiken Kunst und Literatur. In den Satyrspielen sorgten sie für komische Einlagen, für Themen wie Fruchtbarkeit, Weinbau und die Triebe des Menschen. Zwischen den schweren Tragödien eines Sophokles oder Euripides boten sie das, was heute die Aftershow-Party wäre.

In der Renaissance feierten Satyrn ein Comeback. Maler wie Rubens und Tizian griffen das Motiv auf, in der Romantik wurde der Pan-Kult populär. Bis heute tauchen Satyrn in Fantasy-Literatur und Spielen auf, von Narnia bis World of Warcraft. Das Bild hat sich gewandelt, von bedrohlich über komisch bis nostalgisch. Die Grundidee bleibt: Es gibt eine wilde Seite, die sich nicht zähmen lässt.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage

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