
Drei Striche, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch verwechselt man sie ständig. Der Bindestrich (-), der Gedankenstrich (–) und der Geviertstrich (—) haben jeweils eigene Aufgaben. Wer sie richtig einsetzt, schreibt klarere und elegantere Texte.
Inhaltsverzeichnis
Was der Bindestrich kann
Der Bindestrich (-) ist der kürzeste und häufigste der drei. Er verbindet zusammengesetzte Wörter und sorgt für Lesbarkeit. Ohne ihn wären Wortungetüme wie »Fremdsprachenkenntnisnachweis« noch schwerer zu entziffern.
Typische Einsatzgebiete:
- Zusammensetzungen mit Ziffern: »3-Zimmer-Wohnung«, »100-Meter-Lauf«
- Zusammensetzungen mit Abkürzungen: »Lkw-Fahrer«, »E-Mail«
- Zusammensetzungen mit englischen Begriffen: »Top-Empfehlung«, »Last-Minute-Angebot«, »Open-Air-Festival«
- Zur besseren Lesbarkeit bei langen Komposita: »Hochschul-Informationstag« statt »Hochschulinformationstag«
Der Bindestrich ist kein Gedankenstrich. Das ist einer der häufigsten Fehler in Texten. Wenn du am Computer schreibst, liegt der Bindestrich direkt auf der Tastatur – der Gedankenstrich nicht.
Was der Gedankenstrich kann
Der Gedankenstrich (–) ist länger als der Bindestrich und hat in der deutschen Sprache vielseitige Funktionen. Man nennt ihn auch Halbgeviertstrich, weil er ein halbes Geviert breit ist – eine typografische Maßeinheit.
Einschübe und Zusätze. Der Gedankenstrich ersetzt Klammern, wirkt dabei aber eleganter: »Max – mein ältester Freund – kommt morgen zu Besuch.« Vor und nach dem Gedankenstrich steht jeweils ein Leerzeichen. Wer sich bei Kommas unsicher ist, kann sich merken: Der Gedankenstrich steht dort, wo auch ein Komma-Paar stehen könnte – nur auffälliger.
Spannungspausen. Er erzeugt eine dramatische Pause, die das Komma nicht leisten kann: »Sie öffnete die Tür – und traute ihren Augen kaum.« Gute Autoren setzen diesen Effekt bewusst ein, um Kontraste oder Überraschungen zu erzeugen.
Aufzählungen und Streckenangaben. Als Bis-Strich steht er ohne Leerzeichen: »Seite 14–28«, »Berlin–Hamburg«, »2020–2025«. Das Wort »bis« wird hier durch den Strich ersetzt.
Geldbeträge. In Preislisten steht er als Ersatz für »,00«: »19,– €«.
Auf der Tastatur erreichst du ihn unter Windows mit Strg + Minus (Ziffernblock) und auf dem Mac mit Alt + Bindestrich.
Was der Geviertstrich kann
Der Geviertstrich (—) ist der längste der drei. Im Englischen ist er allgegenwärtig – dort heißt er »em dash« und erfüllt die Rolle, die bei uns der Gedankenstrich übernimmt. Im Deutschen dagegen sieht man ihn selten. Er taucht vor allem in zwei Zusammenhängen auf:
Auslassungszeichen in Tabellen und Listen. Wenn eine Angabe fehlt oder nicht zutrifft, steht ein Geviertstrich in der Zelle – statt »k. A.« oder eines leeren Feldes.
Bibliografische Angaben. In Literaturverzeichnissen ersetzt er bei wiederholten Autorenangaben den Namen.
Im normalen Fließtext hat der Geviertstrich im Deutschen nichts zu suchen. Wer ihn dort einsetzt, orientiert sich an englischen Konventionen und sorgt für Verwirrung. Für Einschübe und Pausen ist bei uns der Gedankenstrich zuständig.
Die häufigsten Fehler
Die Verwechslung von Binde- und Gedankenstrich ist der Klassiker. Besonders in E-Mails und Webseiten sieht man oft den Bindestrich dort, wo ein Gedankenstrich stehen müsste. Das liegt daran, dass der Bindestrich auf jeder Tastatur sofort erreichbar ist, der Gedankenstrich aber nicht.
Ein weiterer Fehler: fehlende Leerzeichen beim Gedankenstrich als Einschub. Richtig ist »Wort – Einschub – Wort« mit Leerzeichen auf beiden Seiten. Nur beim Bis-Strich (»10–12 Uhr«) und bei Streckenangaben (»München–Wien«) entfallen die Leerzeichen.
Auch beliebt: den Geviertstrich für Einschübe verwenden, weil man es aus englischen Texten so kennt. Im Deutschen wirkt das ungewöhnlich und ist nicht korrekt. Nutze stattdessen den Gedankenstrich.
Welchen Strich wann? Eine Kurzübersicht
| Strich | Zeichen | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Bindestrich | – | Wörter verbinden | Top-Empfehlung |
| Gedankenstrich | – | Einschübe, Pausen, Bis-Strich | Er kam – sah – und siegte |
| Geviertstrich | — | Auslassung in Tabellen | — (keine Angabe) |
Die Regel ist einfach: Im deutschen Fließtext brauchst du fast immer nur den Bindestrich und den Gedankenstrich. Den Geviertstrich kannst du getrost ignorieren, es sei denn, du arbeitest mit Tabellen oder Literaturverzeichnissen.
3 Tipps für die Praxis
Gedankenstriche sparsam einsetzen. Ein Gedankenstrich-Einschub pro Absatz reicht. Wer in jedem zweiten Satz einen Einschub setzt, zerhackt den Lesefluss statt ihn zu bereichern.
Automatische Korrektur nutzen. Die meisten Textverarbeitungen wie Word oder Google Docs wandeln zwei aufeinanderfolgende Bindestriche (–) automatisch in einen Gedankenstrich um.
Konsistent bleiben. Entscheide dich für einen Stil und ziehe ihn durch den gesamten Text. Wenn du Gedankenstriche für Einschübe verwendest, wechsle nicht plötzlich zu Klammern – oder umgekehrt. Konsistenz ist auch bei anderen Schreibregeln der halbe Erfolg.



