
ChatGPT, Claude und andere KIs können weit mehr als Texte generieren. Sie können bestehende Texte analysieren, verbessern, umformen und auf Fehler prüfen. Ich mache das täglich. Dieser Artikel zeigt, was möglich ist. Mit dabei sind konkrete Ideen und Prompts zum Ausprobieren.
Der Text richtet sich an alle, die mit Texten arbeiten: Autoren, Redakteure, Blogger, Studierende, Übersetzer und alle, die gelegentlich etwas schreiben müssen und dabei Zeit sparen wollen.
Die folgenden Ideen funktionieren mit ChatGPT, Claude, Gemini und den meisten anderen großen Sprachmodellen. Die Ergebnisse können je nach Modell variieren. Siehe auch: Das praktische KI-Lektorat für Sachtexte
Texte zusammenfassen
KI kann Inhalte aus verschiedenen Quellen zusammenfassen: Artikel, PDFs, lange E-Mails, Verträge. Die Kernpunkte werden extrahiert und prägnant formuliert. Besonders nützlich bei Texten, die man verstehen, aber nicht Wort für Wort lesen will. Mehr dazu: Texte analysieren mit KI: 7 Prompts für echtes Verstehen
Interpretationshilfe
Was sagt der Text aus? Lass die KI deinen Testleser sein. Wenn sie deinen Text völlig anders interpretiert als beabsichtigt, stimmt womöglich etwas nicht. Ein schneller Reality-Check, bevor andere Menschen lesen.
Rechtschreibkorrekturen
KI erkennt und korrigiert Rechtschreibfehler. Weise sie explizit an, nur Fehler anzugeben – sonst bekommst du ungefragt Stilvorschläge dazu. Bei vielen Fehlern kann sie eine korrigierte Version ausgeben, das spart Zeit. Tipp: Baue einen offensichtlichen Fehler ein. Findet die KI den und sonst nichts, bist du auf der sicheren Seite. Siehe auch: Das praktische KI-Lektorat für Sachtexte
Stilkorrekturen und Inhaltsprüfung
KI kann den Schreibstil verbessern und inhaltliche Aussagen überprüfen. Letzteres hängt vom Thema ab – bei Spezialwissen ist Vorsicht geboten. Stilkritik hingegen ist goldwert, wenn man selbst unsicher ist oder betriebsblind geworden.
Unverständliche Texte lesbar machen
Schwierige oder veraltete Texte, wie Einträge aus alten Lexika, juristische Dokumente oder wissenschaftliche Paper, kann KI verständlich aufbereiten. Auch wenn der Ausgangstext aus Fachbegriffen, Zitaten und kryptischen Abkürzungen besteht – die KI wird ihn verdeutlichen.
Übersetzen
KI übersetzt zwischen Sprachen, auch exotischeren wie Esperanto, Latein oder Altgriechisch. Dazu kommen Sonderformen wie »Einfache Sprache« oder »Leichte Sprache« für barrierefreie Kommunikation. Die Qualität ist bei gängigen Sprachen inzwischen bemerkenswert gut.
Paraphrasieren
KI kann Texte umschreiben, um den Stil zu ändern: von formell zu locker, von sachlich zu emotional, von distanziert zu persönlich. Die ursprüngliche Botschaft bleibt erhalten, nur die Verpackung ändert sich. Nützlich für Zielgruppenanpassungen.
Duzen oder Siezen
Die Anredeform in Texten von »Du« zu »Sie« ändern und umgekehrt – eine lästige Aufgabe, die KI zuverlässig erledigt. Funktioniert auch mit der »Wir«-Form oder indirekter Rede.
Konjunktiv
Eine Passage in den Konjunktiv setzen ist nicht trivial, wenn man es selbst machen muss und nicht geübt darin ist. KI beherrscht beide Formen des Konjunktivs, auch die Ersatzform mit »würde«.
Satzzeichen
Kommafreier Text? Hier ist ein Prompt:
Schreibe den Text so um, dass keine Kommata verwendet werden.
Umgekehrt geht das auch. Man muss aber genauer arbeiten, weil die KI sonst nach Gutdünken Kommata setzt:
Schreibe den Text so um, dass jeder Satz mindestens zwei Kommata enthält und die Sätze weiterhin sinnvoll bleiben. Achte darauf, dass die Umformulierungen die Informationen klar und verständlich wiedergeben.
Was mit Kommas geht, geht auch mit anderen Satzzeichen: Gedankenstriche, Semikolons, Doppelpunkte.
Tempora ändern
KI kann Zeitformen in Texten anpassen: Präsens ins Präteritum überführen oder umgekehrt. Auch exotischere Formen wie Futur II sind kein Problem.
Synonyme finden
Anders als klassische Thesauri kann KI den Kontext analysieren und passende Synonyme vorschlagen, die den Text verbessern, ohne seine Bedeutung zu verändern. Sie kann Synonyme auch automatisch in ganze Textabschnitte einpflanzen.
Wörter erklären
KI kann den Unterschied zwischen ähnlichen Wörtern erläutern: »Traumwelt« vs. »Träumerwelt«, »effektiv« vs. »effizient«. Ähnliche Wörter sind oft bedeutungsähnlich, aber nicht identisch. KI macht die Nuancen klar.
Alte in neue Rechtschreibung umwandeln
Die »neue« Rechtschreibung stammt von 1996 (plus späterer Überarbeitungen), ältere Texte gibt es aber zuhauf. Womöglich sogar deine eigenen. KI kann diese Konvertierung übernehmen.
Notizen ausformulieren
Schnell hingeworfene Stichpunkte in vollständige Sätze umwandeln – das kann KI, auch wenn Informationen fehlen. Prüfen musst du das Ergebnis trotzdem, aber als Ausgangspunkt taugt es.
Listen sortieren
KI kann Listen organisieren und sortieren, auch bei komplexen Strukturen: alphabetisch, nach Kategorien, nach Priorität, nach Länge. Die Kontextfenster moderner Modelle verkraften auch längere Listen problemlos. (Stand 01/2026)
Formate ändern
Text nach spezifischen Regeln bearbeiten: Informationen in Klammern löschen, alle Adjektive entfernen, GROSSGESCHRIEBENE Wörter in Normalschreibung umwandeln. Solche Transformationen, die mit Suchen-und-Ersetzen nicht machbar sind, erledigt KI problemlos.
Sentiment-Analyse
Die Bewertung des emotionalen Tenors eines Textes: positiv, negativ oder neutral? Nützlich bei der Analyse von Kundenfeedback, Social-Media-Kommentaren oder auch literarischen Werken.
Namen abschätzen
Für Autoren: KI kann den Klang und die mögliche Wirkung eines Namens im Kontext einer Figur bewerten. Sie kann auch einschätzen, ob eine Figur oder ein Dialog in die gewählte Zeit oder Szenerie passt.
Themenerkennung
Die Identifizierung der Hauptthemen in einem Text hilft, Inhalte schnell zu kategorisieren und die Relevanz von Informationen zu bewerten.
Zusammenhangsanalyse
Verborgene Zusammenhänge zwischen Konzepten aufdecken – nützlich in der Forschung, bei der Aufdeckung von Trends oder für neue Einblicke in bekannte Werke.
Kritik abholen
KI ist oft zu nett? Sie kann auch anders. Versuche: »Kritisiere diesen Text scharf und ehrlich.« Für eine differenziertere Variante: »Du bist ein erfahrener Literaturkritiker. Beurteile den folgenden Text, streng, aber gerecht.«
Inhaltsmoderation
KI kann unangemessene oder unerwünschte Inhalte in Texten erkennen und markieren – je nachdem, welche Kriterien du definierst.
Konversationen zusammenfassen
Lange Gespräche, Meeting-Protokolle oder Interviews prägnant zusammenfassen – inklusive der wichtigsten Entscheidungen und offenen Punkte.
Keywords ermitteln
KI extrahiert die wichtigsten Schlüsselwörter aus einem Text. Nützlich für SEO, Verschlagwortung oder um schnell zu erfassen, worum es geht.
Überschriften generieren
Griffige Headlines generiert KI im Vorübergehen. Der Trick: Lass dir 20 oder 40 Varianten auflisten, dann scannst du durch. Meistens findet sich etwas Brauchbares, manchmal Gold. Kombiniere interessante Teile zu etwas Neuem.
Statistische Werte ermitteln
Wortanzahl, durchschnittliche Satzlänge, häufigste Wörter, Silbenverteilung – KI kann solche Statistiken liefern. Allerdings: Beim Zählen macht sie gelegentlich Fehler. Für präzise Zahlen besser spezialisierte Tools nutzen.
Textvergleiche
Mit Textproben von zwei Autoren kann KI Schreibstile vergleichen: Wortwahl, Satzstruktur, Verwendung von Metaphern, durchschnittliche Satzlänge, Komplexität der Syntax, Präferenz für bestimmte Themen.
Zielgruppenanalyse und Lesealter
Passt der Text zu einem bestimmten Genre oder einer Zielgruppe? Für welches Alter oder welche Bildungsstufe ist er geeignet? KI kann das einschätzen, wenn der Textausschnitt typisch genug ist.
Lesbarkeitsanalyse
KI kann die Lesbarkeit anhand verschiedener Kriterien prüfen. Allerdings: Formeln wie der Flesch-Reading-Ease-Score wurden für Englisch entwickelt und funktionieren auf Deutsch nur eingeschränkt. Die Einschätzung der KI ist trotzdem nützlich als grobe Orientierung.
Passende Emojis 🤩 finden
KI 🤖 kennt sich mit Emojis aus. Sie findet 🔍 die zu Wörtern, Sätzen oder Aussagen 💬 am besten passenden Emojis. Sogar Farben 🌈 zu Dingen, Orten oder Gefühlen ❤️🔥 kann sie vorschlagen – praktisch für Newsletter und Social Media.
Ton und Register anpassen
Einen sachlichen Text emotionaler machen, einen lockeren Text professioneller, einen komplizierten Text einfacher – ohne den Inhalt zu verändern. Beschreibe einfach, welchen Ton du haben willst.
Schreibe diesen Text um, sodass er klingt wie eine freundliche E-Mail an einen Kollegen, nicht wie ein offizielles Schreiben.
Lücken füllen
Du hast einen Entwurf mit Platzhaltern wie [HIER BEISPIEL EINFÜGEN] oder [ÜBERLEITUNG FEHLT]? KI kann diese Lücken sinnvoll füllen, passend zum Kontext.
Im folgenden Text sind Platzhalter in eckigen Klammern. Fülle sie mit passenden Inhalten, die zum Stil und Thema des Textes passen.
Prompts zum Ausprobieren
Man muss die Fragen richtig stellen und die passenden Prompts formulieren. Wer an der Oberfläche plantscht, sieht den Ozean nicht. Ein Prompt profitiert von Präzision.
Emojis und Assoziationen zu Wörtern abfragen:
Gib zu diesen Wörter jeweils an: das passendste Adjektiv, das passendste Verb, die Farbe des Wortes, ein passendes Emoji, Sentiment, Diminutiv: Kuss, Faustschlag, Lebkuchen, Euromünze, Zitronenbaum
Einfache Textanalyse:
Analysiere diesen Text und sage mir, wie du ihn einschätzt: Thema, Stil, Stärken, Schwächen.
Keywords extrahieren:
Extrahiere die zentralen Keywords aus dem Text. Fokussiere auf Nomen, Eigennamen und prägende Adjektive. Vermeide Stoppwörter und häufige Verben. Ziel: die Elemente identifizieren, die für das Verständnis der Hauptthemen essentiell sind.
Zielgruppenanalyse:
Analysiere den folgenden Text hinsichtlich seiner Eignung für die Zielgruppe [ZIELGRUPPE HIER EINFÜGEN]. Berücksichtige Sprachniveau, thematische Relevanz, emotionale Ansprache und spezifische Anforderungen der Zielgruppe.
Lesealter einschätzen:
Bewerte die sprachliche Komplexität, thematische Reife und Lesbarkeit dieses Textes. Für welche Altersgruppe ist er geeignet? Berücksichtige Vokabular, Satzstruktur und erforderliche Abstraktionsfähigkeit.
Text kürzen ohne Inhaltsverlust:
Kürze diesen Text um etwa 30%, ohne wesentliche Informationen zu verlieren. Entferne Redundanzen und Füllwörter, behalte den Stil bei.
Grenzen und Tipps
KI macht Fehler, versteht Dinge anders als du, gewichtet anders. Das ist normal – ähnlich wäre es mit menschlichen Kollegen. Was nicht sofort klappt, kannst du umformulieren und erneut versuchen. Manchmal braucht es mehrere Anläufe.
Die Kontextfenster moderner Modelle sind groß genug für längere Texte: ChatGPT verarbeitet je nach Version 128.000 bis 400.000 Token, Claude bis zu eine Million, Gemini bis zu zwei Millionen. (Stand 01/2026)
Beim Zählen und bei Statistiken ist KI unzuverlässig. Für präzise Zahlen besser spezialisierte Tools nutzen.
Bei allem vergiß nicht: KI ist ein Werkzeug. Du entscheidest, was davon brauchbar ist.