
Die folgenden Adjektive sind überwiegend weder häufig noch wichtig, aber dafür umso schöner. Heute angewendet, handelt es sich um edles Glitzerpulver für Texte.
Die muss man nicht kennen, aber genau diese Wörter sind es, die den wahren Connaisseur der Bildungssprache verraten. Bildhaft, gebildet, klassisch, belesen und nicht selten der griechischen Mythologie entstammend – also direkt vom Fundament unserer Kultur.
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Eine gebildete Liste kluger Wörter
Sortiert von A-Z. Diese Wörter kennt nicht jeder.
- äsopisch – (veraltet) humorig, im Stile Äsops. Mit Verve trug er ein äsopisches Gedicht vor.
- aristophanisch – (veraltet) witzig, geistreich, spöttisch; nach dem antiken griechischen Dramatiker Aristophanes, der für seine komödiantischen Werke bekannt ist. Das aristophanische, doch anspruchsvolle Stück fiel beim Publikum durch.
- bacchantisch – rauschhaft ausgelassen, trunken, zügellos, überschäumend; von Bacchus, dem römischen Gott des Weines, der Ekstase und der Fruchtbarkeit, der dem griechischen Gott Dionysos entspricht. Auf der Betriebsfeier ereigneten sich bacchantische Szenen.
- cäsarisch – autokratisch, selbstherrlich. Der cäsarische Machtwunsch des Generals mündete in den Putsch.
- chevaleresk – (veraltet) ritterlich. Untadelig und chevaleresk war sein Charakter.
- delphisch – mehrdeutig, rätselhaft, orakelhaft; hat nichts mit Meeressäugetieren zu tun, sondern bezieht sich auf das historische Orakel von Delphi. »Wer kann das schon wissen?«, fragte sie delphisch.
- dionysisch – rauschhaft, verzückt, wild, so wie einst der griechische Gott Dionysos gefeiert wurde oder gefeiert hat. Das Gegenteil bezeichnet man übrigens als apollinisch. Die Künstler auf der Bühne steigerten sich in einen dionysischen Rausch hinein.
- empyreisch – (selten) himmlisch, götterhimmlisch. Der Morgenhimmel erstrahlt in einem empyreischen Glanze.
- enigmatisch – rätselhaft. Seine Verse beschreiben eine enigmatische Welt.
- ephemer – nur einen Tag dauernd, rasch vorübergehend, flüchtig. Der Moment war ebenso schön wie ephemer.
- epikureisch – (selten) auf Genuss, auf das Genießen gerichtet; nach dem antiken Philosophen. Sein epikureischer Lebensentwurf widmete sich vor allem Speis und Trank.
- faustisch – neugierig, wissensdurstig, nach Wissen und Erkenntnis strebend. Heute zumeist im Sinne von »teuflisch« verwendet. Ein faustischer Pakt … Ein faustischer Drang ließ ihn nach jedem Misserfolg weiter forschen.
- gigantesk – (selten) gigantisch, riesenhaft übersteigert. Unter gewöhnlichen Büchern wirkt Zettels Traum nachgerade gigantesk.
- herostratisch – (selten) verbrecherisch aus Ruhmsucht; nach dem antiken Brandstifter Herostrat, der durch das Inbrandstecken eines der sieben Weltwunder zu ewigem Ruhm zu kommen trachtete. Was ihm auch gelang. Die Tat führte er in einem herostratischen Wahn aus.
- hesperisch – (veraltet) europäisch abendländisch in einem mythischen Sinne. Wir leben unter einem hesperischen Himmel.
- holotisch – (selten) ganz, vollumfänglich, völlig. Ihr Vorschlag strebte eine holotische Integration in bestehendes Recht an.
- kabbalistisch – (selten) rätselhaft, unverständlich, geheimnisvoll; bezieht sich auf die jüdische Geheimlehre Kabbala. Er sprühte kabbalistische Zeichen an die Wand.
- kardinal – elementar, grundlegend wichtig. Die kardinale Herausforderung unseres Jahrhunderts ist der Klimawandel.
- karnevalesk – in der Art des Karnevals. Auf dem Marktplatz entfaltete sich ein karnevaleskes Treiben.
- lemurenhaft – (selten) gespenstisch, unheimlich geisterhaft; nach den Lemures, den Geistern der Verstorbenen im antiken Rom. Durch das Lager schlichen Gestalten von lemurenhafter Anmutung.
- luziferisch – teuflisch, bösartig. Der Schauspieler verlieh der Figur des Massenmörders einen luziferischen Glanz.
- magnifik – (veraltet) großartig, herrlich, prächtig, wunderbar, fabelhaft. Der dekorierte Saal verfehlte seinen Eindruck nicht, er war magnifik.
- mephitisch – (veraltet) höllenhaft stinkend; nach den Mephiten, römischen Gottheiten der Unterwelt, assoziiert mit vulkanischen Exhalationen und Schwefeldämpfen. Ein mephitischer Odem wallte ihm aus dem Höllenschlund entgegen.
- mirakulös – (veraltet) wunderbar, wie durch ein Wunder bewirkt. Ihr mirakulöses Erscheinen versetzte die Anwesenden in Erstaunen.
- orphisch – geheimnisvoll, mystisch; gründet sich auf Orpheus, eine Figur der griechischen Mythologie, die als außergewöhnlicher Musiker und Dichter bekannt ist. In einem erweiterten Sinne wird orphisch auch verwendet, um Kunst oder Dichtung zu beschreiben, die als inspirierend, tiefgründig spirituell oder mystisch empfunden wird. Erwin Rohde schrieb 1894 über die orphische Verheißung eines ewigen Rausches.
- phantasmagorisch – gespenstisch, schattenhaft, traumhaft, wahnhaft. Der Regisseur entwickelte eine bizarre, phantasmagorische Bildsprache.
- pythisch – (selten) orakelhaft, dunkel, abgründig; nach der Hohepriesterin Pythia des Tempels von Apollo in Delphi. Ein pythischer Ausspruch des Rektors beunruhigte das Kollegium.
- sardonisch – ein verzerrtes, grimmiges, höhnisches Lächeln oder Lachen, ein verzerrter Gesichtsausdruck. Ein sardonisches Lächeln umspielte seine Lippen, dann schlug er zu.
- seraphisch – engelgleich. Ein ausgezehrter Nebel schwebte wie ein seraphischer Hauch über der Morgenlandschaft.
- sibyllinisch – rätselhaft, orakelhaft; bezieht sich auf die Sibyllen, prophetische Frauen in der Mythologie, die göttlich inspirierte Weissagungen verkündeten. Ob rechts, ob links, wer kann das schon wissen, meinte er sibyllinisch.
- skrupulös – gewissenhaft, penibel, äußerst genau. Verwirrenderweise ist skrupulös das Gegenteil von skrupellos. Sie galt als skrupulöse Kritikerin seiner Werke.
- sokratisch – nach Art des Philosophen Sokrates in philosophischer Weise abgeklärt, ausgewogen; weise. Dazu passt die Sokratische Methode, mit der man lernt.
- titanisch – gewaltig; nach den Titanen der griechischen Mythologie, nicht etwa nach dem Schiff, das kam viel später. Die Vollendung seines ersten Romans galt ihm als titanische Anstrengung.
- zelotisch – (selten) religiös fanatisch, blindgläubig, unbelehrbar. Erfüllt von zelotischem Eifer versammelten sich die Umstürzler auf der Straße.
Literarische Fundstücke
Einige dieser Adjektive finden sich in der deutschsprachigen Literatur. Hier ein paar Perlen:
Wie sich von selbst versteht, zeigt sich in des Grafen Werk keine Spur von einer tiefen Weltvernichtungsidee, die jedem aristophanischen Lustspiele zum Grunde liegt, und die darin, wie ein phantastisch ironischer Zauberbaum, emporschießt mit blühendem Gedankenschmuck, singenden Nachtigallnestern und kletternden Affen.
Heinrich Heine: Reisebilder, 1830
Man hatte ihn immer menschlich, zuletzt mit chevaleresker Höflichkeit behandelt. Sein Wächter hatte ihm vorhin eine Zigarre angeboten, mit dem seltsamen Trost, wie in Spanien, woher er sie gebracht, die Sitte fordere, daß der Henker mit seinem Opfer eine Art Friedenspfeife raucht.
Willibald Alexis: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, 1852
Süßer als alles was Menschen entzückt, und doch nicht die schönste unter den empyreischen Früchten.
Christoph Martin Wieland: Briefe von Verstorbenen, 1753
Da fiel ein blasses Licht in die Nebel, durch die sie wanderten, zwischen rauchenden Wolken drang die Sonne herein, duftige Höhenbilder, Berge und Spitzen schwebten in abgerissenen Stücken phantasmagorisch durch das Grau.
Jacob Christoph Heer: Der König der Bernina, 1900
So will ich, obgleich es mein Herz zerreißt, untertauchen in die schmerzlichen Erinnerungen meines Lebens und mich sakrifizieren zum Besten der Roture, die schon seit Jahren mit blödem, adorierendem Staunen den mirakulösen Schicksalen unsers Hauses folgte.
Fanny Lewald als Iduna Gräfin H. H.: Diogena, 1847
Die Unterhaltsmittel schaffte ihm teils seine Frau, teils verkaufte er ein Schönheitswasser, machte aus Hanf Seide, aus Quecksilber Gold, schmolz kleine Brillanten und Perlen zu großen zusammen oder berechnete für andere die Lottogewinne kabbalistisch, was er gewiß für sich selbst getan haben würde, wenn er selbst daran geglaubt hätte.
Friedrich Bülau: Der Schwarzkünstler Cagliostro, 1937
Gesprengt zerbrach der Raum, der sie empfing, die Maße. Mond und Sternen untreu, in luziferisch fahle Tiefe stieg der Himmel, lautlos verschmälert schwebten Gott und Götter nieder.
Albert Trentini: Goethe, 1923
Titanisch ist der Leib, dionysisch die Seele. Es gilt also, die Seele von den Banden des Leibes, in den sie wie in einem Kerker eingeschlossen ist, frei zu machen. Die Möglichkeiten dazu bieten die orphischen Mysterien.
Kurt Aram: Magie und Zauberei in der alten Welt, 1927