Deine Daten bei ChatGPT und Claude schützen – was du konkret tun kannst

Deine Daten bei ChatGPT und Claude schützen

Was du in ChatGPT oder Claude eingibst, kann für das Training künftiger Modelle verwendet werden – es sei denn, du schaltest das aktiv aus. Beide Anbieter haben in den letzten Monaten ihre Richtlinien geändert: Training mit Nutzerdaten ist jetzt Standard, Opt-out ist möglich, aber versteckt.

Dieser Artikel zeigt, was du konkret tun kannst. Keine Richtlinien-Prosa, keine allgemeinen IT-Sicherheitstipps. Nur das, was spezifisch für KI-Chatbots relevant ist.

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Training ausschalten

Das Wichtigste zuerst: Wenn du nicht möchtest, dass deine Gespräche zum Training zukünftiger Modelle verwendet werden, musst du das in den Einstellungen deaktivieren. Bei beiden Anbietern ist die Option standardmäßig aktiviert.

Bei ChatGPT: Profil-Icon oben rechts → Settings → Data Controls → »Improve the model for everyone« ausschalten. Das gilt dann für alle künftigen Gespräche. Bereits geführte Gespräche können allerdings schon verwendet worden sein. (Stand 01/2026)

Bei Claude: Settings → Privacy → »Help improve Claude« ausschalten. Seit Oktober 2025 ist Training mit Nutzerdaten bei Claude der Standard – wer nicht widerspricht, dessen Daten werden bis zu fünf Jahre gespeichert. Wer ausschaltet, bleibt bei 30 Tagen Speicherdauer. (Stand 01/2026)

Bei beiden Diensten gilt: Alte Gespräche, die du nach der Richtlinienänderung wieder öffnest, zählen als »wiederaufgenommen« und können dann ebenfalls fürs Training genutzt werden. Wenn du sensible alte Chats hast, lass sie geschlossen oder lösche sie.

Temporärer Chat und Incognito

Für Gespräche, die nirgendwo gespeichert werden sollen, gibt es bei beiden Anbietern einen speziellen Modus.

ChatGPT: Oben im Chat-Fenster auf das Dropdown klicken und »Temporary Chat« auswählen. Diese Chats erscheinen nicht in der History, werden nicht für Training verwendet und erzeugen keine Erinnerungen (Memories).

Claude: Oben links auf »Incognito« klicken. Diese Chats werden nicht fürs Training verwendet, auch wenn du in den allgemeinen Einstellungen zugestimmt hast.

Der temporäre Modus eignet sich für alles, was du nicht in deiner Chat-History haben möchtest: sensible Fragen, berufliche Inhalte, persönliche Themen.

Was du nie eingeben solltest

Auch wenn du Training ausgeschaltet hast, werden deine Eingaben auf den Servern verarbeitet und für eine gewisse Zeit gespeichert. Bei Sicherheitsvorfällen, rechtlichen Anforderungen oder internen Überprüfungen können sie eingesehen werden. Deshalb gilt: Bestimmte Dinge gehören nicht in einen Chatbot.

Keine Passwörter, API-Keys oder Zugangsdaten. Auch nicht »kurz zum Testen«. Selbst wenn die KI sie nicht speichert – du weißt nicht, wer Zugriff auf Logs hat.

Keine Kreditkartennummern, Sozialversicherungsnummern, Personalausweisnummern. Die Systeme haben zwar Filter, die bestimmte Muster erkennen und blockieren sollen, aber darauf verlassen sollte man sich nicht.

Keine vertraulichen Geschäftsinformationen. Strategische Pläne, unveröffentlichte Finanzdaten, Kundenlisten, Code mit Geschäftsgeheimnissen – all das gehört nicht in einen Consumer-Chatbot. Wer so etwas beruflich braucht, sollte die Enterprise-Versionen nutzen, bei denen Training standardmäßig deaktiviert ist.

Keine Daten Dritter ohne deren Wissen. Wenn du über andere Personen schreibst – Kollegen, Kunden, Familienmitglieder – verwendest du deren Daten. Anonymisiere konsequent: Namen, Orte, Firmen durch Platzhalter ersetzen.

Richtig anonymisieren

Anonymisierung klingt aufwändig, ist aber oft simpel. Die Grundregel: Ersetze alles, was eine Person oder Organisation identifizierbar macht.

Statt »Mein Kollege Thomas Müller aus der Buchhaltung bei Siemens« schreibst du »Ein Kollege aus der Finanzabteilung eines großen Unternehmens«. Statt »Ich wohne in der Hauptstraße 47 in München« schreibst du »Ich wohne in einer Großstadt« – falls der Wohnort überhaupt relevant ist.

Bei Code: Variablennamen, Kommentare und Konfigurationsdaten durchsehen. API-Endpoints, Datenbankverbindungen, Firmennamen in Strings – alles raus oder durch Platzhalter ersetzen, bevor du den Code in den Chat kopierst.

Chat-History verwalten

Beide Anbieter speichern deine Gespräche, damit du später darauf zugreifen kannst. Das ist praktisch, aber auch ein Risiko: Wer Zugang zu deinem Konto bekommt, sieht alles.

Regelmäßig aufräumen. Lösche Gespräche, die du nicht mehr brauchst. Bei ChatGPT: Settings → General → »Delete all chats«. Bei Claude: Einzelne Chats über das Menü löschen oder den gesamten Verlauf in den Einstellungen.

Gelöschte Chats sind nicht sofort weg. OpenAI behält gelöschte Daten bis zu 30 Tage, bevor sie endgültig entfernt werden. Bei Claude gilt Ähnliches. Löschen heißt also: aus deiner Sicht weg, aber nicht sofort von den Servern. (Stand 01/2026)

Berufliche Nutzung

Wer KI beruflich nutzt, sollte nicht die Consumer-Version verwenden. ChatGPT Team, Enterprise und API sowie Claude for Work haben andere Bedingungen: Kein Training mit Nutzerdaten, kürzere Speicherfristen, teilweise Möglichkeit zur Datenverarbeitung in der EU. (Stand 01/2026)

Wenn dein Arbeitgeber keine Enterprise-Version bereitstellt und du trotzdem KI nutzen willst: Temporären Chat verwenden, konsequent anonymisieren, keine internen Dokumente hochladen. Und im Zweifel fragen, was erlaubt ist – viele Unternehmen haben inzwischen Richtlinien für KI-Nutzung.

Keine Passwörter generieren lassen

Ein Sonderfall, der oft übersehen wird: Die KI erstellt auf Wunsch Passwörter, die alle üblichen Kriterien erfüllen – Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen, Sonderzeichen, ausreichende Länge. Aber diese Passwörter sind nicht wirklich zufällig.

Sprachmodelle haben Vorlieben für bestimmte Muster, ähnlich wie Menschen. Studien zeigen, dass KI-generierte Zahlenfolgen nicht gleichverteilt sind – manche Kombinationen kommen häufiger vor als andere. Für echte Passwörter besser einen Passwortmanager verwenden, der kryptographisch sichere Zufallszahlen erzeugt.

Was sich geändert hat, kann sich wieder ändern. Beide Anbieter aktualisieren ihre Richtlinien regelmäßig, oft ohne große Ankündigung. Es lohnt sich, die Datenschutz-Einstellungen gelegentlich zu überprüfen – was du einmal ausgeschaltet hast, kann durch ein Update wieder aktiviert worden sein.

Sven Lennartz Avatar

Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage