
Phobien macht Angst. Irgendeine Angst hat jeder. Allein die Bezeichnungen dafür sind ein Thema für sich. Arachnophobie kennt man, Klaustrophobie auch. Aber wer weiß schon, dass es ein Wort für die Angst vor Erdnussbutter am Gaumen gibt? Oder für die Furcht vor der Zahl 666?
Die meisten Phobienamen sind griechischen Ursprungs. Das allein verrät schon etwas über den Stellenwert der Angst in der abendländischen Kultur. Man unterscheidet rund 600 verschiedene Phobien. Hier sind 55 davon.
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Phobien Liste – 55 bekannte Angstwörter
Alphabetisch sortiert. Darunter ein paar ganz hübsche Klopper, wenn ich es salopp ausdrücken darf. Womöglich gibt es nichts, vor dem man nicht Angst haben könnte. Manchmal fehlt nur das Wort dafür.
- Agoraphobie (Angst vor großen Menschenmengen oder offenen Plätzen)
- Akrophobie (Höhenangst)
- Alektorophobie (Angst vor Hühnern oder Geflügel)
- Androphobie (Angst vor Männern)
- Anthropophobie (Angst vor Menschen oder der Gesellschaft)
- Arachnophobie (Angst vor Spinnen)
- Arachibutyrophobie (Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt)
- Asthenophobie (Angst vor Schwäche oder Ohnmacht)
- Aviophobie (Flugangst)
- Chorophobie (Angst vor dem Tanzen)
- Claustrophobie (Angst vor geschlossenen Räumen)
- Cyberphobie (Angst vor Computern)
- Cynophobie (Angst vor Hunden)
- Dendrophobie (Angst vor Bäumen oder Wäldern)
- Dentophobie (Angst vor dem Zahnarzt)
- Emetophobie (Angst vor Erbrechen)
- Erythrophobie (Angst vor dem Erröten)
- Gelotophobie (Angst vor dem Ausgelachtwerden)
- Gephyrophobie (Angst vor Brücken)
- Gerascophobie (Angst vor dem Altern)
- Germanophobie (feindselige Einstellung gegenüber Deutschland, seiner Kultur oder Sprache)
- Germophobie (Angst vor Keimen oder Schmutz)
- Glossophobie (Angst vor dem Sprechen in der Öffentlichkeit)
- Gynophobie (Angst vor Frauen)
- Haphephobie (Angst vor Berührung)
- Hemophobie (Angst vor Blut)
- Herpetophobie (Angst vor Reptilien)
- Hexakosioihexekontahexaphobie (Angst vor der Zahl 666)
- Hodophobie (Angst vor Reisen)
- Homophobie (Angst oder Abneigung gegenüber Homosexuellen)
- Hydrophobie (Angst vor Wasser)
- Hypochondrie (übermäßige Angst vor Krankheiten)
- Ichthyophobie (Angst vor Fischen)
- Klimaphobie (Angst vor dem Klimawandel)
- Lepidopteraphobie (Angst vor Schmetterlingen)
- Monophobie (Angst vor dem Alleinsein)
- Murophobie (Angst vor Mäusen oder Nagetieren)
- Musaiphobie (Angst vor Bananen)
- Mysophobie (Angst vor Schmutz oder Keimen)
- Nekrophobie (Angst vor dem Tod oder toten Dingen)
- Nomophobie (Angst, ohne Mobiltelefon zu sein)
- Nyktophobie (Angst vor der Dunkelheit)
- Ombrophobie (Angst vor Regen)
- Ophidiophobie (Angst vor Schlangen)
- Papyrophobie (Angst vor Papier)
- Paraskavedekatriaphobie (Angst vor Freitag dem 13.)
- Pediophobie (Angst vor Puppen)
- Pteronophobie (Angst, durch Federn gekitzelt zu werden)
- Pyrophobie (Angst vor Feuer)
- Selachophobie (Angst vor Haien)
- Siderodromophobie (Angst vor dem Zugfahren)
- Sozialphobie (Angst vor sozialen Situationen)
- Technophobie (Angst vor neuer Technologie)
- Thanatophobie (Angst vor dem Tod)
- Tokophobie (Angst vor der Geburt)
- Triskaidekaphobie (Angst vor der Zahl 13)
- Trypanophobie (Angst vor Nadeln oder Injektionen)
- Xenophobie (Angst vor Fremden, oft bezogen auf Nationalität, Kultur oder Ethnie)
- Xanthophobie (Angst vor der Farbe Gelb)
- Zyanophobie (Angst vor der Farbe Blau)
Das Wort Phobie kommt aus dem Griechischen
Fast alle Phobienamen haben griechische Wurzeln. Das Wort phóbos (φόβος) bedeutet Furcht oder Schrecken. In der griechischen Mythologie war Phobos ein Sohn des Kriegsgottes Ares und die Personifikation der Angst. Er begleitete seinen Vater in die Schlacht. Sein Bruder Deimos (Schrecken) tat dasselbe.
Die Zusammensetzungen folgen einem simplen Muster. Der erste Teil benennt den Auslöser, der zweite ist immer -phobie. Im Kern sind es griechisch-lateinische Baukästen.
Wie Phobienamen gebaut sind
Wer die griechischen Wortbestandteile kennt, kann sich die meisten Phobien selbst erschließen. Hier sind die wichtigsten Bausteine aus der Liste:
| Griechisch | Bedeutung | Phobie |
|---|---|---|
| agorá (αγορά) | Marktplatz, Versammlung | Agoraphobie |
| ákros (άκρος) | hoch, äußerst | Akrophobie |
| aráchne (αράχνη) | Spinne | Arachnophobie |
| klaústron (lat.) | verschlossener Raum | Claustrophobie |
| glóssa (γλώσσα) | Zunge, Sprache | Glossophobie |
| gýne (γυνή) | Frau | Gynophobie |
| háima (αἷμα) | Blut | Hemophobie |
| hýdrōr (ὕδωρ) | Wasser | Hydrophobie |
| ichthýs (ἰχθύς) | Fisch | Ichthyophobie |
| nekrós (νεκρός) | Leiche, Toter | Nekrophobie |
| nýx (νύξ) | Nacht | Nyktophobie |
| óphis (όφις) | Schlange | Ophidiophobie |
| pȳr (πῦρ) | Feuer | Pyrophobie |
| thánatos (θάνατος) | Tod | Thanatophobie |
| xénos (ξένος) | Fremder, Gast | Xenophobie |
Man sieht: Viele dieser Wortwurzeln begegnen uns auch außerhalb der Phobien. Hydro steckt in Hydraulik und Hydrant. Pyro in Pyrotechnik. Nekro in Nekrolog. Xenos in Xenon. Die griechisch-lateinischen Bausteine sind überall.
Die Wortungetüme
Manche Zusammensetzungen werden durchaus unhandlich. Die Hexakosioihexekontahexaphobie (Angst vor der Zahl 666) ist vermutlich das längste Phobienwort überhaupt. Sie setzt sich aus hexákosioi (sechshundert), hexékonta (sechzig) und héx (sechs) zusammen. Das Ganze kommt aus der biblischen Offenbarung, in der 666 als »Zahl des Tieres« gilt.
Siderodromophobie besteht aus síderos (Eisen), drómos (Weg, Lauf) und phóbos (Furcht). Im Kern also: Angst vor dem Eisenweg. Gemeint ist die Eisenbahn.
Und Paraskavedekatriaphobie kombiniert paraskeví (Freitag), dekatreís (dreizehn) und phóbos. Wer dieses Wort fehlerfrei aussprechen kann, hat jedenfalls keine Glossophobie.
Phobien, die über ihre Bedeutung hinausgewachsen sind
Einige Phobienamen haben sich weit über den medizinischen Gebrauch hinaus in der Bildungssprache etabliert. Xenophobie beschreibt längst nicht mehr nur eine klinische Angst, sondern eine Haltung. Homophobie ist streng genommen gar keine Phobie, sondern Abneigung. Und Technophobie meint selten eine behandlungsbedürftige Störung, eher eine gesunde Skepsis gegenüber dem nächsten Update.
Nomophobie ist vergleichsweise jung. Das Wort steht für »No Mobile Phone Phobia« und beschreibt die Angst, ohne Smartphone zu sein. Zugegeben, bei diesem Kandidaten fällt es nicht ganz leicht, die Grenze zwischen Phobie und moderner Normalität zu ziehen.
Auch Germanophobie, die feindselige Haltung gegenüber Deutschland und seiner Kultur, ist eher ein politischer als ein medizinischer Begriff.
Die merkwürdigen Exemplare
Neben den bekannten Phobien gibt es Exemplare, die eher nach Scherz als nach Fachbegriff klingen. Sie sind es nicht. Arachibutyrophobie, die Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt, existiert tatsächlich. Ebenso die Papyrophobie (Angst vor Papier), die Musaiphobie (Angst vor Bananen) und die Pteronophobie (Angst, durch Federn gekitzelt zu werden).
Das Schöne an diesen Begriffen ist, dass man sie im Zweifelsfall immer aus dem Griechischen herleiten kann. Lépidoṕteron ist der Schmetterling, mýs die Maus, déndron der Baum. Wer das Prinzip einmal verstanden hat, kann sich die ganze Liste selbst zusammenbauen. Edles Glitzerpulver für den Wortschatz, sozusagen.