39 eigentümliche Begriffe der Bildungssprache, zuzüglich solcher, die man nicht unbedingt erwarten würde

39 eigentümliche Begriffe der Bildungssprache, zuzüglich solcher, die man nicht unbedingt erwarten würde

Da sage noch einer die Bildungssprache sei eine trockene akademische Angelegenheit. Weit gefehlt! Es gibt auch ulkige, verschmitzte und humorvolle Ausdrücke. Zumindest ist es witzig, dass sie gerade hier auftauchen, oder?

Schau, was ich herausgesucht habe und führe dir diese besonderen Wortexemplare zu Gemüte. Manches davon führt direkt in die Antike, anderes an deine Hochschule.

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Liste ungewohnter, ja seltsamer bildungssprachlicher Wörter

Ja, sie gelten als bildungssprachlich, was … nun in gewissen Fällen – durchaus überraschen dürfte. Manch einer dieser Begriffe ist selten zu hören und könnte dir deshalb unbekannt sein. Andere erscheinen überraschend gewöhnlich. Alle aber sind echt und geprüft.

  1. Adnex (Anhang)
  2. Afterwissenschaft (bezeichnet in einem bildungssprachlichen Kontext abwertend eine Pseudowissenschaft oder eine Lehre, die wissenschaftlichen Anspruch erhebt, ohne den methodischen und inhaltlichen Kriterien seriöser Wissenschaft zu genügen.)
  3. Aplomb (Selbstsicherheit; bezeichnet eine unerschütterliche Selbstsicherheit oder Gelassenheit, besonders in schwierigen Situationen.)
  4. Bronze (hier ist nicht das Metall gemeint, sondern ein Kunstgegenstand aus demselben.)
  5. Bunkermentalität (Auch das ist Bildungssprache … Gemeint ist eine Abwehrhaltung; beschreibt eine defensive oder paranoide Denkweise, die oft in Krisenzeiten oder bei Bedrohungsszenarien auftritt.)
  6. Cicisbeo (italienisch auszusprechen, bezeichnet den Galan oder den Hofliebhaber einer verheirateten Frau, besonders in der italienischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Klingt komisch, oder? Es gibt sogar einen Wikipediaeintrag dazu)
  7. Domizilieren (Wohnsitz nehmen; ist das Einrichten oder Beziehen eines festen Wohnsitzes an einem Ort.)
  8. Dunkelmann (geheimnisvolle oder undurchsichtige Person; jemand, dessen Handlungen oder Motive verborgen oder rätselhaft sind.)
  9. Engführung (hat nichts mit Tanzen zu tun; in der Musik eine enge thematische Verarbeitung, in der Literatur eine dichte, auf Reduktion zielende Darstellungsweise.)
  10. Ewigweibliches (idealisierte Weiblichkeit; ein Konzept, das die zeitlose, ideale Essenz der Weiblichkeit beschreibt, oft in der Literatur und Kunst verwendet.)
  11. Fabulant (selten) Schwätzer; Schwindler, eigentlich jemand, der fantastische Geschichten (Fabeln) erfindet.
  12. Filius (bedeutet Sohn und wird oft in formalen oder historischen Kontexten verwendet.)
  13. Ganymed (junger männlicher Kellner, Ober)
  14. Heroin – hier ist nicht die Droge gemeint, sondern eine Heldin, eine weibliche Person, die für ihre Tapferkeit, herausragende Taten oder edle Qualitäten bewundert wird; die Betonung liegt auf dem “o”
  15. Hintertreppenroman (ehemaliges Genre der Literatur, das sich durch melodramatische und skandalöse Handlungen auszeichnet, oft mit Fokus auf die dunklen Geheimnisse der Gesellschaft.)
  16. Kokotte (für ein leichtfertiges Mädchen, eine Prostituierte. Abgeleitet übrigens von dem französischen Wort für Hühnchen.)
  17. Korah (eine Figur aus der Hebräischen Bibel, speziell im Buch Numeri.)
  18. Kothurn (auch Coturn) bezeichnet einen hohen, oft mit dicken Sohlen versehenen Schuh, der im antiken Griechenland von Schauspielern auf der Bühne getragen wurde, um deren Statur zu erhöhen und eine eindrucksvollere Präsenz zu schaffen. Diese Schuhe waren besonders im griechischen Theater beliebt und wurden oft in tragischen Rollen verwendet.
  19. Küchenkabinett (Beratergruppe; bezeichnet eine informelle Gruppe von Beratern eines Politikers oder einer Führungsperson, die nicht offiziell zum Kabinett gehören.)
  20. Lukullus (Genussmensch; steht metaphorisch für eine Person, die exzessiven Luxus und kulinarische Genüsse schätzt, benannt nach dem römischen Feldherrn und Gourmet Lucullus.)
  21. Mänade (vor Verzückung zügellos rasendes Weib, vom Alkohol berauscht – wer kennt es nicht …)
  22. Miszellanen (Sammlung von verschiedenen literarischen Texten oder Notizen, oft ohne direkten Zusammenhang, in einem einzigen Werk oder Band.)
  23. Morbidezza (Begriff, der in der Kunst die Darstellung von weicher, zarter Haut beschreibt, oft verwendet, um eine außergewöhnlich feine und lebensechte Textur in der Malerei oder Skulptur zu betonen.)
  24. Mouche (Schönheitspflästerchen; ein kleines, oft dekoratives Pflaster, das im 18. Jahrhundert von Frauen verwendet wurde, um ihre Schönheit zu betonen oder kleine Hautunreinheiten zu verdecken.)
  25. Nimrod (großer Jäger; wird oft verwendet, um eine Person zu beschreiben, die als geschickter oder enthusiastischer Jäger gilt, basierend auf der biblischen Figur Nimrod.)
  26. Olim (steht für: einst, in der Vergangenheit und wird verwendet, um auf die Vergangenheit oder frühere Zeiten hinzuweisen.)
  27. Paterfamilias (Familienoberhaupt; bezeichnet in der römischen Kultur den männlichen Familienoberhaupt, der die rechtliche und moralische Autorität über die Familie hat.)
  28. Periöke (Einwohner des antiken Griechenlands, speziell in der Stadtstaaten-Polis Sparta, mit einer einzigartigen sozialen Stellung.)
  29. Per pedes (zu Fuß gehen; bedeutet, sich zu Fuß fortzubewegen, ohne die Hilfe von Fahrzeugen oder Tieren.)
  30. Phäake (männliche Person, die das Leben sorglos genießt; eine Figur aus der griechischen Mythologie, speziell aus Homers “Odyssee”.)
  31. Phantasmagorie (Trugbild, Wahngebilde; bezeichnet eine illusionäre oder traumhafte Szenerie, oft in der Literatur oder Kunst verwendet, um eine surreale oder magische Atmosphäre zu erzeugen.)
  32. Pli (Schliff, Gewandtheit – so kurz kann Bildungssprache sein) Apropos …
  33. pornophil – Vorliebe für pornografisches Material habend (Adj.)
  34. Prä (Vorrangstellung, Vorrang haben; Beispiel: Sie hatte das Prä, die übrigen Führungskräfte durften sich einreihen.)
  35. Retirieren (sich zurückziehen; bedeutet, sich aus einer Situation oder von einem Ort zurückzuziehen, oft aus strategischen Gründen.)
  36. Schlemihl (Pechvogel, Unglücksrabe; jemand, dem aus Dummheit nichts gelingt)
  37. Scilicet (ein Wort lateinischen Ursprungs, das “nämlich” oder “und zwar” bedeutet und zur Klärung oder Präzisierung einer zuvor gemachten Aussage verwendet wird.)
  38. Shylock (Figur aus William Shakespeares Theaterstück “Der Kaufmann von Venedig”, ein jüdischer Geldverleiher, der für seine Forderung nach einem Pfund Fleisch von dem Kaufmann Antonio bekannt ist, sollte dieser sein Darlehen nicht zurückzahlen können.)
  39. Sibylle (ist eine weibliche Figur der antiken Mythologie, die als Prophetin galt und göttlich inspirierte Weissagungen verkündete, oft in heiligen Stätten oder Orakeln.)
  40. Sophisma (argumentative Aussage oder Schlussfolgerung, die bewusst irreführend oder trügerisch konstruiert ist, um in einer Diskussion oder Debatte zu täuschen oder einen falschen Eindruck zu erwecken, oft mit dem Ziel, die eigene Position zu stärken oder die des Gegners zu schwächen.)
  41. Thespiskarren (steht metaphorisch für eine Wanderbühne, benannt nach dem griechischen Dichter Thespis, der als erster einen Wagen für Aufführungen nutzte.)
  42. Troubadour (Mittelalterlicher Lyriker; bezeichnet einen Dichter und Sänger des Mittelalters, der vor allem in der okzitanischen und provenzalischen Kultur Lieder über höfische Liebe vortrug.)

Zitate

Robinson ließ, solange sich der Kellner in seiner Nähe befand, seine Blicke unentwegt auf dem langen Text der Depesche ruhen. Erst als der Ganymed sich seinen übrigen Obliegenheiten widmete, reichte der Sekretär das Blatt weiter.

Edgar Wallace: Der Preller, 1927

Der Fabulant selbst war die Hauptfigur des Stücks, und gutherzige Züge aus seinem Leben, Wunderlichkeiten harmloser Art, die er begangen hatte, und zuguterletzt sein seliges Ende samt poetischer Apotheose bildeten den Inhalt.

Robert Waldmüller: Don Adone, 1901. Darin geht es um den einst berühmten Fabulanten Gian Francesco Sabbatini.

Das schlecht bezahlte Schauspielervolk Chinas, besonders die, die müde sind, den Thespiskarren weiter durch den Schlamm zu ziehen, eilen zu den Fahnen Wu Tschan djiaos. So ist es den Erfolglosen, den Vielzuvielen, denen mit dem Schauspieler Wu Tschan djiao zu spielen verwehrt war, vielleicht noch vergönnt, unter dem General Wu Tschan djiao zu kämpfen.

Fritz Secker: Schen – Studien aus einer chinesischen Weltstadt, 1913

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