Texte zusammenfassen mit KI: 7 Prompts, die im Gedächtnis bleiben

Besser zusammenfassen mit KI: 7 Prompts, die im Gedächtnis bleiben

»Fasse das zusammen« ist der häufigste Prompt der Welt. Und oft reicht er völlig aus, etwa wenn man schnell herausfinden will, ob sich die Lektüre eines Textes überhaupt lohnt. Das ist viel besser als erst 20 Seiten zu lesen und dann zu merken, dass es sich nicht lohnt.

Das brauche ich ständig, weil es wirklich Zeit spart. Denn mal ehrlich, von Texten werden wir regelrecht erschlagen. Wer soll die alle lesen? Eben.

Wenn du also mehr willst als bloß eine schnelle Übersicht … Wenn du etwas behalten, erklären oder umsetzen willst … Dann reicht der Standard nicht mehr. Die Lösung sind Prompts, die der KI sagen, wofür die Zusammenfassung sein soll. Zum Merken. Zum Erklären. Zum Handeln.

Die Gedächtnis-Zusammenfassung

Fasse diesen Text auf die wenigen Ideen zusammen, die ich in einer Woche noch wissen sollte. Streiche alles andere.

Nutze diesen Prompt nach dem Lesen von Artikeln, Buchkapiteln oder Berichten – wenn du nicht alles behalten musst (was du eh nicht schaffst), sondern nur das Wesentliche. Er zwingt die KI zu priorisieren. Statt zehn Punkte aufzulisten, muss sie entscheiden, was wirklich zählt. Das Ergebnis ist brutal kurz. Und gerade deshalb merkbar.

Die Erklärungs-Version

Schreibe die Kernideen so um, dass ich sie jemandem ohne Notizen erklären könnte.

Vor Meetings, Seminaren, Präsentationen oder Gesprächen – wenn du etwas verstanden haben, nicht nur gelesen haben musst. Wer etwas erklären kann, hat es kapiert. Der Prompt zwingt die KI, Fachsprache zu übersetzen und logische Zusammenhänge herzustellen. Das Ergebnis sind Sätze, die du so tatsächlich sagen würdest.

Texte zusammenfassen mit KI – Entscheidungsbaum für 7 Prompt-Typen nach Ziel und Verarbeitungstiefe

Die Handlungs-Zusammenfassung

Fasse das in Erkenntnisse und die Handlungen zusammen, die sie nahelegen. Keine Theorie ohne Nutzen.

Ideal bei Ratgebern, Business-Büchern, Strategiepapieren – bei allem, wo du am Ende etwas tun sollst. Die meisten Zusammenfassungen bleiben abstrakt. Dieser Prompt verlangt Konkretes: Was bedeutet das für mich? Was mache ich jetzt anders?

Die Geschichten-Zusammenfassung

Verwandle das in eine kurze Geschichte oder Erzählung, die die Hauptideen einfängt.

Bei trockenen Themen, die du dir trotzdem merken willst oder musst. Oder wenn du die Inhalte anderen erzählen möchstest. Menschen erinnern sich an Geschichten besser als an Listen – das ist neurologisch belegt. Eine Erzählung mit Anfang, Mitte und Ende aktiviert andere Hirnregionen als eine Aufzählung.

Der 80/20-Filter

Extrahiere die kleine Menge an Ideen, die den größten Teil des Wertes ausmachen. Knapp und prägnant.

Für lange Dokumente, Bücher, Kursmaterialien – wenn du weißt, dass 80 Prozent Füllmaterial ist. Das Pareto-Prinzip gilt auch für Texte. Die meisten Bücher haben drei gute Ideen auf 300 Seiten. Dieser Prompt holt sie raus und lässt den Rest weg.

Das mentale Modell

Fasse das als einfaches mentales Modell zusammen: Schlüsselkonzepte, wie sie zusammenhängen, und wann man sie anwendet.

Bei komplexen Themen, die du langfristig beherrschen willst – wenn du ein Thema verstehen willst, nicht nur kennen. Mentale Modelle sind komprimiertes Wissen. Sie zeigen nicht nur was, sondern auch wie und wann. Das macht den Unterschied zwischen Information und Kompetenz.

Der Widerspruchs-Check

Fasse die Kernaussagen zusammen und markiere, wo sich der Text selbst widerspricht oder wo Belege fehlen.

Für alles, was du nicht einfach glauben willst: Studien, Meinungsstücke, Verkaufstexte. Statt den Text nur zu komprimieren, prüft die KI ihn gleichzeitig. Das Ergebnis ist eine Zusammenfassung mit eingebauter Qualitätskontrolle. Besonders nützlich bei Texten, die überzeugend klingen, aber dünn argumentieren.

Welchen Prompt wann?

ZielPrompt
Schnell merkenGedächtnis-Zusammenfassung
Anderen erklärenErklärungs-Version
UmsetzenHandlungs-Zusammenfassung
Langfristig behaltenGeschichten-Version
Zeit sparen80/20-Filter
Wirklich verstehenMentales Modell
Kritisch prüfenWiderspruchs-Check

Warum das funktioniert

Die Magie liegt nicht in den Prompts selbst, sondern im Prinzip dahinter: Einschränkungen erzwingen nämlich Qualität.

Eine KI ohne Einschränkungen gibt dir das statistisch Wahrscheinlichste – den Durchschnitt aller Zusammenfassungen, die sie je gesehen hat. Langweilig, generisch, vergessbar.

Sobald du sagst »nur das, was ich in einer Woche noch wissen soll« oder »so, dass ich es erklären kann«, zwingst du die KI, eine Entscheidung zu treffen. Sie muss filtern, priorisieren, umstrukturieren. Das Ergebnis ist keine Zusammenfassung mehr – es ist eine Aufbereitung für einen bestimmten Zweck.

Das Prinzip funktioniert überall: Je präziser du sagst, was du mit dem Output machen willst, desto besser wird er. »Schreib mir einen Text« ist schwach. »Schreib mir einen Text, den ich meiner Oma vorlesen kann« ist stark. Die Einschränkung ist das Werkzeug.

Die Prompt-Ideen basieren auf einem Thread von Dipti Sharma. Ich habe sie übersetzt, angepasst, mit dem Widerspruchs-Check ergänzt und mit Anwendungsbeispielen versehen. Sie funktionieren mit ChatGPT, Claude, Gemini und wohl auch allen anderen KIs.

Sven Lennartz Avatar

Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage