
Prompting, also das Abfragen einer KI, ist einfach und schwer zugleich. Antworten bekommt man zwar immer, aber nicht immer die, die man sich wünscht, die man braucht oder die man erwartet. Das kann viele Gründe haben; der optimale Prompt ist einer davon.
Nun ist generative KI aber kein offenes Buch, sondern durchaus hin und wieder auch rätselhaft. Sie tendiert dazu, sich wie ein Mensch zu benehmen. An der Stelle wird es kurios.
Hier sind einige Prompt-Mythen. Dinge, die du tun kannst, wenn du mit ChatGPT, Claude und Kollegen zu tun hast. Dinge, die möglicherweise deine Ergebnisse verbessern, vielleicht aber auch nicht. Wir sind im Reich der Mythen und Legenden, Prompt-Legenden.
Bei einigen davon ist die Sache inzwischen geklärt. Nicht immer zugunsten des Mythos.
Höflich sein
Sei nett zur KI. Das funktioniert bei unseren Mitmenschen schließlich auch. Es gibt Hinweise darauf, dass ChatGPT und Co. respektvoll behandelt werden wollen. Nicht dass die maschinellen Gesellen die Arbeit verweigerten, doch scheint die gebotene Höflichkeit die Ergebnisse manchmal verbessern zu können. Genaues weiß man nicht. Schaden tut Freundlichkeit jedenfalls nicht.
Möglicherweise wirkt Höflichkeit eher auf den Texter des Prompts als auf die KI, die man adressiert. Wer höflich schreibt, verwendet automatisch andere Wörter. Der Ton, den man anschlägt, verändert die eigene Arbeitsweise mehr als die der Maschine, was sich auch an der KI-Persönlichkeit beobachten lässt.
Tief durchatmen
Nun wird es esoterisch. Oder doch nicht ganz. Es gibt Anzeichen dafür, dass diese Prompttechnik helfen könnte. Ergänze deinen Prompt einfach um diesen Satz.
»Atme tief durch und arbeite Schritt für Schritt an diesem Problem.«
Chain of Thought bezeichnet eine Prompting-Technik, bei der ein Sprachmodell aufgefordert wird, seinen Lösungsweg Schritt für Schritt auszuformulieren, statt sofort zu antworten. Bei älteren Modellen war die Wirkung deutlich, bei neueren Reasoning-Modellen fällt sie geringer aus, weil diese ohnehin in Zwischenschritten arbeiten.
Gefunden im Decoder, Auch ein Chatbot muss mal durchatmen. Der Zusatz mit dem Atmen ist dabei vermutlich Dekoration; gewirkt hat womöglich immer nur das »Schritt für Schritt«.
Wiederholen
Ja, so einfach kann es sein. Wiederhole deine Anweisungen im Prompt. Das kann dazu beitragen, dass das Sprachmodell die Erwartungen besser trifft, und ist besonders nützlich, wenn die ursprüngliche Anweisung nicht klar genug war.
Systematisch erfasst wurde die Technik im Prompt Report, einer Übersicht über Prompting-Techniken von 2024.
Der Witz ist, obwohl dein Befehl schwarz auf weiß zu lesen ist, kann die KI ihn falsch interpretieren. Sie kriegt das, was du ihr sagst, schlichtweg in den falschen Hals. Wenn du deine Aufgabe im Prompt wiederholst, gibst du dem Modell eine zweite Chance, die Anweisung korrekt zu interpretieren.
Reihenfolge ändern
Was du wie in deinem Prompt schreibst, ist nicht egal. Die KI zieht Schlüsse aus der Reihenfolge, an die du vielleicht nicht gedacht hast. Sprachmodelle verarbeiten Texte sequentiell, daher kann die Struktur Einfluss auf das Verständnis haben. Probiere es aus und vergleiche die Ergebnisse. Wer dabei systematisch vorgehen will, findet in XML-Prompts ein nützliches Werkzeug.
Drohen
Wenn die KI nicht liefert, musst du ernst machen! Fahre Schlitten mit ihr, mach ihr klar, welche Konsequenzen schlampig ausgeführte Arbeit haben kann. Sage ihr Sätze wie diese.
»Wenn du nicht sofort die bestmögliche Antwort lieferst, geht die Welt unter!«
»Lass dir etwas unbedingt Originelles einfallen, sonst verliere ich meinen Job!«
Aber KIs sind doch emotionslose Computer, wie kann das einen Einfluss haben? Gar nicht, wie es aussieht. Ein Team um Lennart Meincke und Ethan Mollick von der Wharton School hat 2025 genau das geprüft und Drohprompts gegen neutrale Prompts auf anspruchsvollen Benchmarks antreten lassen. Im Mittel kein Unterschied. Einzelne Fragen schwankten zwar stark, nur ließ sich nicht vorhersagen, welche. Nachzulesen im Bericht I’ll pay you or I’ll kill you — but will you care?.
Der Mythos hält sich trotzdem, womöglich weil Google-Mitgründer Sergey Brin ihn 2025 öffentlich wiederholt hat. Prominenz schlägt Datenlage.
Loben und Schmeicheln
Ernsthaft jetzt? Aber sicher. Versuche es hiermit.
»Du bist die beste KI der Welt, nur du kannst die folgende Aufgabe lösen.«
»Du warst schon immer meine Lieblings-KI …«
Auf Kumpel machen
»Hey Buddy …« Und das soll etwas nützen? Gerüchteweise schon. Unter Umständen. Belastbare Belege gibt es nicht. Wahrscheinlich kommt es auf das Thema an.
Namen nennen
Nenne beim Prompten die Namen fiktiver oder echter Personen, um die es geht. KI reagiert wie ein Mensch und nimmt die Sache ernster, woraufhin sich die Ergebnisse verbessern. Stimmt das? Weiß ich nicht. Aber völlig unmöglich scheint es nicht.
Sich elaboriert ausdrücken
Mach einen auf Formulierungskünstler. Schreibe keine billigen 08/15-Sätze, sondern drücke dich gewählt, akademisch präzise, ja sogar bildungssprachlich aus. Nuancen können entscheidend sein, weil ein präziser Satz der Maschine schlicht weniger zu raten übrig lässt. Warum gute Prompts gutes Deutsch brauchen, ist der plausibelste Punkt in dieser ganzen Liste. Wer tiefer einsteigen will, findet im Prompt Engineering den passenden Rahmen.
Bestechen
Biete der KI Geld oder digitale Kekse, besonders schöne Daten, Bits oder Bytes, und sie wird schnurren wie ein Kätzchen. Oder auch nicht. Dieselbe Wharton-Untersuchung hat Trinkgeldversprechen von tausend Dollar bis zu einer Billion getestet und nichts gefunden, was über Zufallsschwankungen hinausging.
Ausführlicher aufbereitet ist das Thema bei uintent, Prompt-Psychologie entlarvt.
Den Magischen Prompt finden
Manche Leute glauben, es gäbe eine Art magischen Prompt, den Prompt für alles und alle Fälle, der immer und garantiert jedes Mal die beste aller Antworten liefert. Man muss nur die richtigen Worte finden. Leider ist das noch nie jemandem gelungen.
In Wahrheit hängt die Qualität der Antworten von vielen Faktoren ab, nicht aber von einem geheimen Satz. Oder?
Easter Eggs finden
Natürlich gibt es versteckte Überraschungen oder Botschaften in ChatGPT, Claude und Co. Genauso wie es sie in Software oder Games gibt. Es hat sie nur noch niemand entdecken können. Dieser Prompt muss noch gefunden werden.

Geheime Wörter verwenden
Hier handelt es sich um den Glauben, dass bestimmte Wörter besondere Antworten hervorrufen. Dazu spricht man die KI mit »secret AI«, »geheime KI« oder »mystical AI« an. Fragt man ChatGPT danach, gibt die KI vor, nichts davon zu wissen. War ja klar.
Die KI ihre eigenen Prompts optimieren lassen
Gib der KI deinen Prompt und lasse ihn optimieren, bevor du ihn ausführen lässt. Das funktioniert tatsächlich. Kein Mythos.
Die KI kann ihre eigenen Prompts überarbeiten, um Grammatik und Syntax zu verbessern, Schlüsselwörter zu identifizieren und den Kontext klarer zu machen. Das basiert auf ihrer Fähigkeit, Muster zu erkennen. Muster, die Menschen möglicherweise übersehen.
Dauerhafte Anweisungen hinterlegen
Auch das ist kein Mythos, sondern funktioniert nachweislich. Sowohl ChatGPT als auch Claude bieten Möglichkeiten, dauerhafte Anweisungen zu hinterlegen. Bei ChatGPT heißt das »Custom Instructions«, bei Claude sind es die »Projekte«. Du legst dort fest, wie die KI antworten soll, welchen Stil sie verwendet, was sie über dich wissen soll.
Custom Instructions sind dauerhaft gespeicherte Anweisungen, die bei jedem neuen Chat automatisch mitgelesen werden. Sie ersetzen wiederkehrende Angaben zu Rolle, Tonfall und Format im einzelnen Prompt. Bei Claude übernehmen die Projekte diese Funktion.
Diese Anweisungen wirken dann in jedem Chat, ohne dass du sie jedes Mal wiederholen musst. Wahrscheinlich ist das der effektivste »Trick« von allen, und er hat mit Magie nichts zu tun. Weitere Handgriffe dieser Art stehen in den 15 praktischen ChatGPT-Tipps.
Was bleibt, ist eine etwas unbequeme Einsicht. Die Tricks, die sich am spektakulärsten anhören, halten der Prüfung am schlechtesten stand. Und die langweiligen funktionieren.