Die Autoren der griechischen Antike und ihre Werke – Übersicht & Fun Facts

Autoren griechische Antike – Übersicht der wichtigsten Dichter und Werke

Die Autoren der griechischen Antike haben Texte geschrieben, die seit fast 3.000 Jahren gelesen werden. Manche davon sind so einflussreich, dass man sie kennt, ohne sie gelesen zu haben: Homers Epen, die Tragödien des Sophokles, Herodots Geschichtswerk. Andere sind zu Unrecht vergessen.

Hier sind 40 Dichter, Dramatiker, Redner und Historiker, die das literarische Fundament Europas gelegt haben. Dazu ihre wichtigsten Werke, ein paar Kuriositäten und die Frage, warum von manchen kaum etwas übrig ist. Philosophen werden an dieser Stelle nicht genannt. Du findest sie hier: Die 15 bedeutendsten Philosophen der griechischen Antike

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Die Autoren der griechischen Antike und ihre Werke

Die Übersicht umfasst eine breite Palette von Genres: epische und lyrische Dichtung, Tragödien und Komödien, historische und rhetorische Werke. Alphabetisch sortiert, ansonsten nach dem Prinzip Zufall gesammelt.

  1. Aischines (Redner, bekannt für seine politischen und juristischen Reden)
  2. Aischylos (Tragödien wie „Die Perser“, „Die Orestie“)
  3. Alkaios (Lyrik, vor allem Lieder und Oden)
  4. Anakreon (Lyrik, bekannt für seine Trink- und Liebeslieder)
  5. Antiphon (Redner, einer der frühesten attischen Redner)
  6. Apollonios von Rhodos (Epos „Argonautika“)
  7. Aratos von Soloi (Didaktische Dichtung, „Phainomena“)
  8. Archilochos (Lyrik, bekannt für seine Jamben und Elegien)
  9. Aristophanes (Komödien wie „Die Wolken“, „Lysistrata“)
  10. Bakchylides (Lyrische Gedichte, Siegesoden)
  11. Bion von Smyrna (Bukolische Dichtung)
  12. Demosthenes (Reden, bekannt für seine Philippischen Reden gegen Philipp II. von Makedonien)
  13. Euripides (Tragödien wie „Medea“, „Die Bakchen“)
  14. Gorgias (Rhetorische Schriften, Sophist)
  15. Hesiod (Dichtung wie „Werke und Tage“, „Theogonie“)
  16. Herodot („Historien“, gilt als Vater der Geschichtsschreibung)
  17. Hippokrates (Medizinische Schriften, „Eid des Hippokrates“)
  18. Homer (Epen „Ilias“, „Odyssee“)
  19. Isokrates (Reden, bekannt für seine rhetorischen Werke)
  20. Kallimachos (Gedichte und Hymnen, Bibliothekar in Alexandria)
  21. Korinna (Lyrische Dichtung, berühmt für ihre Gedichte über lokale Mythen)
  22. Kallinos (Elegische Dichtung, Kriegslyrik)
  23. Lukian von Samosata (Satirische Schriften, „Wahre Geschichten“)
  24. Menander (Neue Komödie, „Dyskolos“)
  25. Moschos (Bukolische Dichtung)
  26. Philostratos (Biographische und rhetorische Werke)
  27. Pindar (Lyrische Dichtung, Siegesoden)
  28. Plutarch (Biographien, „Parallelleben“)
  29. Quintus von Smyrna (Epos „Posthomerica“, Fortsetzung der Ilias)
  30. Sappho (Lyrische Dichtung, Fragment gebliebene Liebeslyrik)
  31. Simonides von Keos (Lyrik, Elegien und Epigramme)
  32. Solon (Politische und moralische Elegien, einer der Sieben Weisen)
  33. Sophokles (Tragödien wie „König Ödipus“, „Antigone“)
  34. Stesichoros (Lyrische Dichtung, narrative Gedichte)
  35. Theokrit (Begründer der bukolischen oder Hirtendichtung)
  36. Thukydides (Geschichtswerk „Der Peloponnesische Krieg“)
  37. Tyrtaeus (Kriegslyrik, Sparta)
  38. Xenophon (Historische und biographische Werke, „Anabasis“)
  39. Zenodot von Ephesos (Philologe und Kritiker, Arbeit an Homers Texten)

Bukolische Dichtung, auch bekannt als Hirtendichtung oder Pastorale, ist eine literarische Gattung, die das ländliche Leben in einer idealisierten Form darstellt. Ihre Wurzeln reichen zurück zu den Werken des griechischen Dichters Theokrit und später zu Vergil mit seinen „Eklogen“. Diese Dichtungsform zeichnet sich durch die Schilderung idyllischer Landschaften und das einfache, naturverbundene Leben aus. Liebe, Natur und die Flucht aus der städtischen Zivilisation sind die zentralen Themen.

Dichterinnen

Unter den 40 Namen finden sich zwei Frauen: Korinna und Sappho. Das ist wenig. Es sagt aber mehr über die Überlieferung als über die Realität. Frauen dichteten in der Antike, ihre Texte wurden nur seltener abgeschrieben und bewahrt.

Sappho, von der Insel Lesbos, ist berühmt für Gedichte, die persönliche Gefühle und Beziehungen thematisieren. Von ihrer Lyrik, die einst in neun Büchern zusammengefasst war, sind heute nur Fragmente erhalten. Einige davon wurden auf ägyptischen Mumienbinden gefunden, die als Papyri wiederverwendet worden waren. Ihre Lebensdaten schätzt man auf etwa 630 bis 570 v. Chr.

Oben: Sappho von Lesbos, Namensgeberin und Urmutter der Lesben

Korinna, weniger bekannt, wird für ihre Fähigkeit gelobt, lokale Mythen in Dichtung zu verwandeln. Beide Frauen bieten seltene Einblicke in die weibliche Perspektive der antiken griechischen Welt.

Es wird angenommen, dass Sappho auf Lesbos eine Art Schule für junge Mädchen leitete, in der sie Kunst, Kultur und womöglich Dichtkunst unterrichtete. Diese Annahme basiert auf der intimen und lehrhaften Natur vieler ihrer Gedichte.

Fun Facts

Zu den Autoren der griechischen Antike und ihren Werken gibt es allerlei Kuriositäten. Hier die besten.

Die Homerische Frage: Ob Homer, der traditionell als Autor der Ilias und Odyssee gilt, eine historische Person war oder ob diese Epen das Werk mehrerer Autoren sind, darüber streiten sich die Gelehrten seit Jahrhunderten. Meine Einschätzung, die völlig ohne Bedeutung ist: Homer gab es ebenso wenig wie Laotse oder Jesus, sie alle wurden von späteren Autoren erdacht und ihre Werke kompiliert.

Aischylos’ ungewöhnlicher Tod: Eine Legende besagt, dass der Tragödiendichter durch den Fall einer Schildkröte getötet wurde, die ein Adler fallen ließ. Der Adler soll den kahlen Kopf des Dichters für einen Stein gehalten haben, den er zum Knacken des Panzers nutzen konnte. Eine Geschichte, die sich Aristophanes nicht besser hätte ausdenken können.

Aristophanes’ Wolken: In seiner Komödie „Die Wolken“ wird Sokrates dargestellt, wie er in einem Korb in der Luft hängt und über die Wolken nachdenkt. Von seinen etwa 40 Stücken haben nur 11 die Zeiten überdauert. Die Verlustquote ist typisch für antike Literatur.

Euripides’ Rettung einer Stadt: Eine Legende besagt, dass die Spartaner nach dem Peloponnesischen Krieg aus Bewunderung für Euripides davon absahen, Athen zu verwüsten. Euripides als Schutzschild, posthum. Seine Tragödien wie „Medea“ zeigen Frauen in starken, herausfordernden Rollen, was für seine Zeit ungewöhnlich war.

Sophokles’ Doppelkarriere: Neben seiner Arbeit als Dramatiker diente Sophokles als Stratege und Militärkommandant neben Perikles während des Samischen Krieges. Er führte außerdem den dritten Schauspieler in die Tragödie ein und erweiterte damit die dramatischen Möglichkeiten erheblich. Vorher spielten zwei Schauspieler alle Rollen. Sein „König Ödipus“ gilt als eines der vollkommensten Dramen der Weltliteratur.

Oben: Sophokles, Dichter und Krieger

Plutarchs Parallelleben: Plutarch stellte jeweils einen griechischen und einen römischen Staatsmann nebeneinander und verglich ihre Lebenswege. Das Format war so überzeugend, dass Shakespeare seine römischen Dramen darauf aufbaute.

Pindars unzerstörtes Haus: Nach der Zerstörung Thebens durch Alexander den Großen 335 v. Chr. wurde Pindars Haus auf Befehl Alexanders verschont. Anerkennung für die Dichtkunst, obwohl Pindar zu diesem Zeitpunkt bereits über 100 Jahre tot war. Seine Siegesoden feierten die Gewinner der antiken Olympischen Spiele. Heute undenkbar.

Herodot, Vater der Geschichtsschreibung: Seine „Historien“ sind einer der ersten Versuche, die Vergangenheit systematisch zu erforschen und zu erklären, statt nur Mythen zu sammeln. Er reiste dafür durch die gesamte bekannte Welt, von Ägypten bis Persien.

Die Antigone-Debatte: Sophokles’ „Antigone“ hat über Jahrhunderte philosophische Debatten über Pflicht, Moral und Gesetz angeregt. Hegel sah im Konflikt zwischen Antigone und Kreon einen grundlegenden Konflikt der menschlichen Existenz.

Die erste Buchkritik: Zenodot von Ephesos, Bibliothekar in Alexandria im 3. Jahrhundert v. Chr., editierte Homers Texte kritisch. Er gilt als einer der ersten, der Textkritik betrieb und versuchte, die authentischsten Versionen der Epen herzustellen.

Warum ist so wenig erhalten?

Von Sophokles sind 7 von über 120 Stücken übrig. Von Aristophanes 11 von 40. Von Sappho Fragmente. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Bränden (die Bibliothek von Alexandria), Kriegen, Materialzerfall und schlicht mangelndem Interesse späterer Generationen, bestimmte Texte abzuschreiben.

Papyrus hält nicht ewig. Was überlebte, überlebte, weil Mönche es im Mittelalter kopierten oder weil trockener Wüstensand es konservierte. Die Auswahl war nicht immer literarisch motiviert. Auch von den Gesichtern dieser Dichter wissen wir weniger, als wir glauben.

Was wir haben, ist womöglich das Beste. Oder nur das, was zufällig übrig blieb. Beides ist plausibel, beides unbefriedigend. Jedenfalls lohnt es sich, das Erhaltene zu lesen. Bei Homer kann man anfangen.

Sven Lennartz Avatar

Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage

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