
Jeder schreibt anders. Wer viel mit KI arbeitet, tippt bestimmte Wörter und Begriffe immer wieder ein, in Prompts, Anweisungen, Rückfragen. Auf Dauer entsteht so etwas wie Tipp-Müdigkeit: Man weiß genau, was man will, aber das Eintippen bremst einen aus.
Die Lösung: Du baust dir eine persönliche Kurzschrift und bringst sie der KI bei. Ab dann promptest du in Kürzeln und die KI versteht dich trotzdem. Keine Sorge, das ist einfach und schnell erledigt.
Inhaltsverzeichnis
Eigene Texte analysieren, Kürzel ableiten
Du gibst einer KI deine eigenen Texte, also Chatverläufe mit der KI, Prompts, Notizen, Stichpunkte. Die KI analysiert: Welche Wörter und Begriffe benutzt du am häufigsten? Welche kürzt du schon ab? Welche könntest du abkürzen? Das Ergebnis ist eine persönliche Ersetzungstabelle, die du der KI hinterlegst. Ab diesem Moment verstehen ChatGPT, Claude oder Gemini deine Kurzschrift automatisch.
Im Kern ist das schlicht Arbeitserleichterung. Wer täglich mit KI arbeitet, tippt hunderte Prompts im Lauf der Zeit. Mit einer durchdachten Kurzschrift geht das spürbar schneller, nicht bei jedem einzelnen Wort, aber in der Summe.
Prompts für die Analyse
Kopiere eine größere Menge deiner bisherigen KI-Chats oder Prompts zusammen. Ergänze Notizen, Stichpunkte, Entwürfe, alles, was dein typisches Vokabular zeigt. Formatierung spielt keine Rolle, Tippfehler auch nicht. Die KI braucht Rohmaterial, keinen Aufsatz.
Dann gibst du der KI deines Vertrauens folgenden Prompt:
Analysiere diese Texte. Finde die Wörter und Wendungen, die am häufigsten vorkommen. Erstelle eine Ersetzungstabelle mit sinnvollen, eindeutigen Abkürzungen. Sortiere nach Häufigkeit. Berücksichtige auch Wörter, die ich bereits abkürze, und schlage für diese eine einheitliche Form vor. Achte darauf, dass kein Kürzel zwei verschiedene Bedeutungen haben kann.
Was zurückkommt, ist eine Tabelle, die auf deinem tatsächlichen Sprachgebrauch basiert. Keine allgemeinen Empfehlungen, sondern dein Vokabular.
Noch besser wird es mit einem zweiten Prompt, der gezielt nach Mustern sucht:
Schau dir an, wie ich schreibe. Welche Wörter tippe ich besonders oft? Welche langen Fachbegriffe oder Formulierungen wiederholen sich? Schlage für die 20 häufigsten eine Kurzform vor, die ich mir leicht merken kann.
Die Kürzel, die dabei herauskommen, sind meistens Alltagswörter. Füllwörter, Konjunktionen, Floskeln, die man dutzende Male am Tag tippt:
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| bs | Bildungssprache |
| bsp | Beispiel |
| vllt | vielleicht |
| bzgl | bezüglich |
| ggf | gegebenenfalls |
| zb | zum Beispiel |
| mE | meiner Einschätzung nach |
| iwann | irgendwann |
| tab | Tabelle |
| zus | Zusammenfassung |
Jemand aus dem medizinischen Sektor hätte eine völlig andere Tabelle. Eine Programmiererin ebenso. Das ist der Punkt: Die Tabelle passt zu dir, weil sie aus deinen Texten stammt.
Besonders praktisch ist das bei Namen und Marken. Wer täglich über ein bestimmtes Produkt, ein Unternehmen oder eine Person schreibt, tippt den vollen Namen dutzende Male am Tag. »GP« statt »GeneratePress«, »HM« statt »Homologie«, »BS« statt »Bildungssprache«. Bei Eigennamen ist die Zeitersparnis am größten und die Verwechslungsgefahr am kleinsten, weil der Kontext fast immer eindeutig ist.
Schneller tippen, weniger korrigieren
Die offensichtliche Antwort ist Geschwindigkeit. Schreiben ist ohnehin schneller als reden (wenn man tippen kann), mit Kürzeln geht’s nochmal schneller.
Aber es gibt noch einen anderen Vorteil, der weniger auf der Hand liegt: Konsistenz. Wer seine Abkürzungen einmal festlegt, schreibt sie immer gleich. Kein Schwanken mehr zwischen »bspw«, »bsp« und »zB«. Die KI muss weniger raten und liefert zuverlässigere Ergebnisse.
Durchaus plausibel, dass man dadurch auch weniger Korrekturrunden braucht.
Statt eines sauber formulierten Prompts wie »Schreibe mir eine Zusammenfassung des Artikels in maximal fünf Sätzen« reicht dann: »schreib zsfassung v. dem artikel, max 5 sätze«. Die KI versteht beides. Aber mit hinterlegter Tabelle versteht sie die Kurzversion genauso zuverlässig wie die lange.
Kürzel müssen eindeutig sein
Die größte Falle bei selbst gebauten Abkürzungen ist Mehrdeutigkeit. Wenn »präg« sowohl »prägnant« als auch »Prägung« bedeuten kann, entsteht Verwirrung, bei dir selbst und bei der KI. Deshalb gilt: Jedes Kürzel darf nur eine Bedeutung haben.
Ein paar einfache Regeln helfen dabei. Verwende für Adjektive die Kurzform des Wortstamms (»präg« = prägnant), für verwandte Substantive eine leicht andere Form (»prägg« = Prägung). Oder hänge einen Buchstaben an, der die Wortart kennzeichnet: »diffa« für das Adjektiv »differenziert«, »diffs« für das Substantiv »Differenzierung«.
Das System muss nicht perfekt sein, nur konsequent.
Im Zweifel hilft ein Prompt:
Prüfe meine Ersetzungstabelle auf Mehrdeutigkeiten. Gibt es Kürzel, die für mehr als ein Wort stehen könnten? Schlage Alternativen vor, die eindeutig sind.
Fachbegriffe einbauen
Besonders lohnend wird es bei Fachvokabular. Wer regelmäßig mit bestimmten Begriffen arbeitet, ob Bildungssprache, Medizin, Recht oder Technik, kann die häufigsten in die Tabelle aufnehmen.
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| diff | differenziert |
| subst | substanziell |
| impl | implizit |
| expl | explizit |
| präg | prägnant |
| konst | konstitutiv |
Das ist besonders nützlich, wenn man der KI regelmäßig fachliche Aufgaben gibt. Statt jedes Mal »Formuliere das differenzierter und substanzieller« zu tippen, reicht »mach das diff und subst«.
Kurzschrift zurückübersetzen
Die Tabelle funktioniert auch in die andere Richtung. Du machst dir schnelle Notizen in Kurzschrift, bei einem Telefonat, in einer Vorlesung, während einer Recherche. Anschließend lässt du sie von der KI in lesbaren Text umwandeln:
Hier ist meine Ersetzungstabelle: [Tabelle einfügen]. Übersetze den folgenden Text in vollständige, gut lesbare Sätze: [Kurztext einfügen].
Noch einen Schritt weiter: Du kannst die KI bitten, nicht nur zu übersetzen, sondern gleich zu verbessern:
Übersetze meinen Kurztext anhand der Tabelle in vollständige Sätze. Glätte den Stil, korrigiere Grammatik und mache daraus einen gut lesbaren Text. Markiere Stellen mit [?], bei denen du dir nicht sicher bist.
Wo hinterlegt man die Tabelle?
Der entscheidende Schritt: Du hinterlegst die Tabelle dort, wo die KI sie dauerhaft lesen kann. In ChatGPT geht das über die Custom Instructions, in Claude über Projektdateien. Ein passender System-Prompt:
Ich schreibe dir oft in persönlicher Kurzschrift. Hier ist meine Ersetzungstabelle: [Tabelle einfügen]. Wenn ich Kürzel aus dieser Tabelle verwende, verstehe sie automatisch als die vollständigen Begriffe. Wenn ein Kürzel im Kontext unklar ist, markiere es mit [?] und frage nach. Antworte immer in normaler Sprache, nicht in Kurzschrift.
Einmal eingerichtet, versteht die KI ab sofort deine Abkürzungen, in jedem neuen Chat. Du tippst schneller, die KI antwortet wie gewohnt. Kein neues Tool, kein Abo. Nur deine eigenen Texte und fünf Minuten Einrichtung.
Man muss übrigens nicht gleich mit 30 Kürzeln starten. Fünf reichen für den Anfang, die Wörter, die man am häufigsten im KI-Chat tippt. Der Rest ergibt sich mit der Zeit von selbst. Und falls man nach ein paar Wochen ein Kürzel vergessen hat, fragt man einfach die KI: »Welche Kürzel haben wir für das Thema XY festgelegt?« Die Tabelle liegt ja bei ihr.