
Claude Chrome klingt erst mal nach einem weiteren Chatfenster, das irgendwo in der Ecke klebt und nervt. Ist es aber nicht. Die Erweiterung sieht, was du siehst, sie klickt, was du klicken würdest, und erledigt Aufgaben, für die man bisher zwischen mehreren Tabs hin und her springen musste.
Browser-Automatisierung durch eine KI, die den Bildschirm liest wie ein Mensch. Das verändert die Art, wie man am Computer arbeitet. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Gucken wir uns das an.
Was Claude Chrome von einem normalen Chatbot unterscheidet
Die meisten KI-Erweiterungen für den Browser sind im Grunde ein Textfeld mit Zugang zu einem Sprachmodell. Man kopiert etwas hinein, bekommt eine Antwort, fertig. Claude in Chrome funktioniert anders. Die Erweiterung macht Screenshots vom aktiven Tab, analysiert das Bild, erkennt Buttons, Eingabefelder und Menüs und handelt dann.
Anthropic nennt das »Computer Use«. Im Kern ist es ein Kreislauf: Screenshot machen, Seite verstehen, Aktion ausführen, neuen Screenshot machen, Ergebnis prüfen. So arbeitet sich Claude durch komplexe Aufgaben, ohne dass jemand vorher Selektoren oder Skripte schreiben muss. Der orangefarbene Rand um den Tab zeigt an, dass Claude gerade aktiv ist. Dann sollte man nicht dazwischenfunken.
Was man allerdings wissen sollte: Das Ganze ist nicht schnell. Jeder Schritt braucht einen Screenshot, eine Analyse, eine Entscheidung. Was man selbst in Sekunden erledigt, dauert bei Claude gern mal Minuten. Tester bestätigen das. Die Automatisierung ist zuverlässig, aber gemächlich. Man muss sich daran gewöhnen, Claude arbeiten zu lassen und in der Zwischenzeit etwas anderes zu tun.
Dokumente sortieren, ohne selbst einen Finger zu rühren
Ein Anwendungsfall, der überraschend gut funktioniert: Cloud-Speicher aufräumen. Claude kann sich durch Google Drive arbeiten, Dokumente analysieren, Duplikate erkennen und alles in eine sinnvolle Ordnerstruktur verschieben. Ein Nutzer berichtet, dass Claude knapp 900 Dokumente in sechs Hauptordner sortiert und dabei rund 50 Dubletten entfernt hat.
Digitale Haushaltsführung. Nicht glamourös, aber nützlich.
Formulare ausfüllen, Daten übertragen, CRM füttern
Wer schon mal eine CSV-Datei mit Kontakten hatte und diese einzeln in ein CRM eintippen musste, kennt den Schmerz. Claude liest die Datei, navigiert zum CRM, legt für jede Zeile einen neuen Kontakt an. Das funktioniert auch mit Webformularen, Registrierungsmasken und ähnlichen Eingabemonstern.
Die KI wählt sogar passende Fragetypen, wenn man sie ein Google-Formular bauen lässt: Dropdown, Kurzantwort, Pflichtfeld, alles basierend auf einer simplen Textbeschreibung. Stumpfe Dateneingabe war gestern. Hoffen wirs …
Workflows aufzeichnen und wiederholen
Womöglich die stärkste Funktion: das Recording. Man führt eine Aufgabe einmal manuell vor, Claude zeichnet die Sequenz auf und kann sie danach selbstständig wiederholen. Jeden Montag die Marktdaten ziehen, zusammenfassen und in den Posteingang legen? Einmal zeigen, dann läuft das.
Über das Uhr-Symbol in der Erweiterung lassen sich solche Workflows sogar terminieren. Das kommt einem kleinen persönlichen Assistenten schon ziemlich nahe.
Tab-Gruppen als Denkrahmen für die KI
Claude verarbeitet Informationen besser, wenn man sie vorsortiert. Die Erweiterung markiert eine Tab-Gruppe, und alles, was darin liegt, gilt als relevant für die aktuelle Aufgabe. Wenn du also fünf Quellen für einen Bericht recherchierst, schiebst du die Tabs in die Gruppe, und Claude weiß, womit es arbeiten soll. Einfacher Trick, große Wirkung.
Zusammenspiel mit Claude Code und Cowork
Für Entwickler wird es interessant, wenn Claude Chrome mit Claude Code zusammenarbeitet. Im Terminal Code schreiben, im Browser das Ergebnis prüfen lassen. Claude kann localhost öffnen, Formulare testen, die Konsole auslesen und bei Fehlern Reparaturen vorschlagen. Das spart Zyklen.
Mit Cowork adressiert Anthropic diejenigen, die kein Terminal anfassen wollen und einen Mac haben. Aktuell ist Cowork nur für macOS mit Max-Abo verfügbar (Stand 02/2026). Man weist Claude einen Ordner auf dem Rechner zu, und die KI darf dort Dateien lesen, erstellen und verschieben. Downloads sortieren, Screenshots von Quittungen in eine Reisekostenabrechnung umwandeln, verstreute Notizen zu einem Entwurf zusammenführen. Cowork befindet sich noch in der Research Preview.
Was man zur Sicherheit wissen sollte
Eine KI, die im Browser agiert, hat potenziell Zugriff auf alles, was man dort tut. Passwörter, Sitzungsdaten, vertrauliche Dokumente. Das größte Risiko heißt Prompt Injection: versteckte Anweisungen auf Webseiten, die die KI manipulieren könnten.
Anthropic hat Gegenmaßnahmen eingebaut. Man muss explizit freigeben, auf welchen Domains Claude agieren darf. Bei kritischen Aktionen wie Zahlungen verlangt Claude eine manuelle Bestätigung. Auf sensiblen Seiten wie Banking-Portalen deaktiviert sich die Erweiterung automatisch.
Trotzdem empfiehlt es sich, Claude in einem eigenen Browser-Profil ohne gespeicherte Passwörter für kritische Konten zu nutzen. Und den »Ask before acting«-Modus aktiviert zu lassen, bis man sicher ist, dass Claude den jeweiligen Workflow korrekt verstanden hat.
Was es kostet
Browser-Automatisierung ist token-hungrig. Jeder Schritt erzeugt Screenshots und DOM-Snapshots, die das Kontextfenster füllen. Ein Workflow mit zehn Schritten kann leicht mehrere zehntausend Tokens verbrauchen. Wer einen Pro- oder Max-Plan hat, sollte strategisch entscheiden: Haiku 4.5 für einfache Navigationsaufgaben, Opus 4.5 für die komplexen Sachen.
Das Kontextfenster von Claude liegt bei 200.000 Tokens (Stand 02/2026). ChatGPT Operator kommt auf 128.000, Perplexity auf 32.000. Bei langen Dokumenten und verschachtelten Workflows ist das ein relevanter Vorteil.
Claude Chrome, ChatGPT Operator und Perplexity im Vergleich
Alle drei können Browser-Aufgaben übernehmen, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Claude setzt auf Gründlichkeit. Die KI analysiert den DOM, plant Schritte sorgfältig und sagt im Zweifel lieber »Ich weiß es nicht«, statt zu halluzinieren. ChatGPT Operator ist schneller und stärker bei kreativen Aufgaben. Perplexity konzentriert sich auf Recherche, ist aber bei der eigentlichen Browser-Automatisierung begrenzter.
| Eigenschaft | Claude 4.5 | ChatGPT Operator | Perplexity Max |
|---|---|---|---|
| Browser-Automatisierung | Hoch (DOM + Recording) | Hoch (Multimodal + Voice) | Mittel (Fokus Recherche) |
| Kontextfenster | 200.000 Tokens | 128.000 Tokens | 32.000 Tokens |
| Programmierhilfe | Führend | Sehr stark | Begrenzt |
| Geschwindigkeit | Bedächtig | Schnell | Sehr schnell |
Welches Tool das richtige ist, hängt davon ab, was man vorhat. Für komplexe Prozesse mit vielen Schritten und langen Dokumenten liegt Claude vorn. Für schnelle kreative Sprints eher ChatGPT. Für reine Recherche Perplexity.
Die Browser-Erweiterung ist kostenlos im Chrome Web Store erhältlich, setzt aber ein Claude-Konto voraus. Die volle Leistung gibt es mit einem Pro- oder Max-Plan.
Ob das alles wirklich so viel bringt? Ich finde es oft zu langsam, zu wackelig, anfällig für Fehler und Missverständnisse. Da verliere ich schnell die Geduld. Noch ist es eher ein Blick in die Zukunft. Aber ein durchaus spannender.