
KI an Schule & Uni ist längst kein Zukunftsthema mehr. Es ist Gegenwart, messbar in Prozenten, Nutzungszahlen und Studien, die sich gegenseitig überholen. 91 Prozent der Jugendlichen nutzen inzwischen künstliche Intelligenz. An den Universitäten tun es alle. Wer verstehen will, wo Bildung gerade steht, beginnt am besten bei den Zahlen.
Hier sind 21 davon. Aus aktuellen Studien, mit Quellen zum Nachprüfen und Vertiefen.
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Inhaltsverzeichnis
KI in der Schule: Was die Schüler machen
1. 91 % der 12- bis 19-Jährigen nutzen KI. Das ist die Zahl aus der JIM-Studie 2025, der Basisuntersuchung zum Medienumgang Jugendlicher. Ein Anstieg um 29 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. In einem einzigen Jahr hat sich KI vom Trend zum Standard entwickelt.
2. 74 % nutzen KI für Hausaufgaben und Lernen. 2024 waren es noch 65 Prozent. Der Anstieg ist nicht riesig, aber stetig. Interessant ist etwas anderes: Hausaufgaben sind der häufigste Anlass überhaupt, eine KI zu öffnen. Nicht Unterhaltung, nicht Bilder generieren. Was dabei im Detail passiert, ist eine andere Geschichte.
3. 70 % nutzen KI zur Informationssuche. Noch ein Jahr zuvor lag der Wert bei 43 Prozent. Plus 27 Prozentpunkte. ChatGPT rangiert damit auf Platz zwei der Recherchewerkzeuge, direkt hinter klassischen Suchmaschinen. Der Abstand schrumpft.
4. 40 % der Jugendlichen fragen regelmäßig ChatGPT. Damit steht ein reiner KI-Dienst auf Platz zwei der Informationsquellen, direkt hinter Google. Für eine Technologie, die vor gut drei Jahren noch nicht existierte, ist das bemerkenswert.
5. 57 % halten KI-Antworten für vertrauenswürdig. Mehr als die Hälfte, und es geht nicht um Smalltalk, sondern um Antworten auf Sach- und Wissensfragen. Das ist womöglich die problematischste Zahl in dieser Liste. Denn KI kann lügen, halluzinieren und überzeugend Falsches liefern. Vertrauen ohne Prüfung ist riskant.
6. 63 % der Älteren nutzen KI in der Schule, nur 39 % der Jüngeren. Bei den 16- bis 19-Jährigen ist KI im schulischen Kontext fast normal. Bei den 12- bis 15-Jährigen sieht es anders aus. Das hat vermutlich weniger mit Interesse zu tun als mit Zugang und Erlaubnis.
7. 69 % glauben, dass KI-Kenntnisse für ihre berufliche Zukunft wichtig werden. Das stammt aus der Vodafone Jugendstudie 2024 mit über 1.500 Befragten. Zwei Drittel der Jugendlichen sehen KI als beruflich relevant. Die Frage ist, ob die Schulen darauf vorbereitet sind.
Was Lehrkräfte mit KI machen
8. 45 % der Lehrkräfte nutzen KI regelmäßig. Regelmäßig heißt: mindestens einmal pro Monat. Die andere Hälfte hat in den letzten zwölf Monaten KI-Tools nie oder kaum angewendet. Das Land ist zweigeteilt, auch im Lehrerzimmer.
9. 62 % fühlen sich im Umgang mit KI unsicher. Fast zwei Drittel. Wer täglich vor einer Klasse steht und erklären soll, wie man mit KI umgeht, aber selbst unsicher ist, hat ein Problem. Kein persönliches, ein strukturelles.
10. 58 % setzen KI bei der Aufgabenerstellung ein. Das ist die häufigste Anwendung unter Lehrkräften, die KI überhaupt nutzen. Arbeitsblätter, Klausurfragen, Differenzierungsmaterial. Dicht dahinter: Unterrichtsplanung mit 56 Prozent.
11. 88 % haben sich kaum mit KI-Regelungen beschäftigt. Laut dem Trendmonitor KI in der Bildung der Telekom-Stiftung. 78 Prozent sagen, das sei neben dem regulären Pensum schlicht nicht zu schaffen. Man kann ihnen schwer widersprechen.
12. 87 % wünschen sich verständliche KI-Regelwerke. Die Lehrkräfte wollen Orientierung. Was darf ich einsetzen, was nicht, wo sind die Grenzen? Die Antwort variiert je nach Bundesland, Schulleitung und Tagesform. Das ist keine Regelung, das ist ein Flickenteppich.
Schulleitungen und KI
13. 74 % der Schulleitungen nutzen KI. Laut der Zukunftsstudie Schulmanagement 2025 von Wolters Kluwer. 2023 waren es 25 Prozent, 2024 dann 44. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Wert verdreifacht. Bei den Schulleitungen geht es vor allem um Verwaltung, Organisation, Kommunikation.
KI an der Uni: Was Studenten machen
14. 92 % der Studenten nutzen KI-Tools. Eine bundesweite Längsschnittstudie der Hochschule Darmstadt zeigt den Sprung: 2023 waren es 63 Prozent, 2025 über 91. Wer heute studiert und keine KI nutzt, gehört zu einer kleinen Minderheit.
15. 26 % nutzen KI täglich. Ein Viertel. Jeden Tag. Das geht aus dem CHE DatenCHECK 2025 hervor, basierend auf über 23.000 befragten Studenten an 171 Universitäten. Weitere 40 Prozent nutzen KI wöchentlich.
16. 82 % nutzen die kostenlose ChatGPT-Version. Das meistgenutzte Tool unter Studenten ist ChatGPT Free. DeepL für Übersetzungen folgt mit 45 Prozent. Wer mehr aus den Prompts herausholen will, findet hier Anregungen.
17. 96 % in den Ingenieurwissenschaften nutzen KI. Das ist der Spitzenwert unter den Fachrichtungen. Am unteren Ende stehen Kunst und Kulturwissenschaften mit rund 80 Prozent. Auch 80 Prozent sind viel. Aber der Unterschied zeigt, dass die Art des Studiums den KI-Einsatz beeinflusst.
18. 2,7 von 5 Sternen für die KI-Lehre an Hochschulen. So bewerten Studenten das Angebot zum Kompetenzerwerb im Umgang mit KI. Mittelmäßig, um es freundlich zu sagen. Die Studenten nutzen die Werkzeuge längst, aber die Hochschulen kommen mit dem Lehrangebot nicht hinterher.
Wie Hochschulen auf KI reagieren
19. 15 % der Hochschulen haben eine KI-Strategie. Weitere 50 Prozent arbeiten daran. Das zeigt der KI Monitor 2025 des Stifterverbands. Zwei Drittel stecken also noch im Prozess. Das Ergebnis: Die meisten Universitäten navigieren ohne Kompass durch ein Gebiet, das sich jeden Monat verändert.
20. 97 % befassen sich mit den Auswirkungen auf Prüfungen. Fast alle. 87 Prozent haben ihre Eigenständigkeitserklärungen angepasst, aber nur 43 Prozent die Prüfungsordnungen. Das heißt: Man verlangt von Studenten Ehrlichkeit, hat aber die Regeln nicht aktualisiert. Womöglich kein idealer Zustand.
21. 77 % arbeiten an datenschutzkonformen KI-Zugängen. Plattformen wie HAWKI oder Academic Cloud sollen Studenten und Lehrenden sichere Zugänge bieten. Das ist aufwendig, teuer und nötig. Denn wer keine offizielle Lösung anbietet, treibt die Nutzung in den privaten Bereich. Und dort kontrolliert niemand.
Was diese Zahlen bedeuten
Die Zahlen zeichnen ein klares Bild. Schüler und Studenten haben KI in ihren Alltag integriert. Lehrkräfte stehen dazwischen: Sie sollen etwas vermitteln, für das sie selbst kaum ausgebildet wurden. Das ist kein Vorwurf, das ist ein Befund.
Drei Dinge fallen auf. Erstens die Geschwindigkeit. Nutzungsraten, die sich innerhalb eines Jahres verdoppeln, sind in der Bildungsforschung ungewöhnlich. Zweitens die Kluft zwischen Nutzung und Kompetenz. 92 Prozent der Studenten nutzen KI, aber nur 15 Prozent der Hochschulen haben eine Strategie dafür. Drittens das Vertrauen. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen hält KI-Antworten für verlässlich. Kritisches Denken bleibt die wichtigste Fähigkeit in einer Welt, in der plausibel klingende Antworten sekundenschnell verfügbar sind.
Diese Liste wird veralten. Vermutlich schneller als gedacht. Aber die Richtung ist klar: KI in der Schule und an der Uni ist nicht aufzuhalten. Die Frage ist nur noch, ob die Institutionen schnell genug lernen. Von ihren Schülern könnten sie sich dabei einiges abschauen. (lk)
Quellen und Studien
- JIM-Studie 2025, Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 1.200 Befragte (12 bis 19 Jahre)
- Vodafone Jugendstudie 2024, infratest dimap, 1.500+ Befragte (14 bis 20 Jahre)
- Trendmonitor KI in der Bildung 2025, Deutsche Telekom Stiftung / DFKI / mmb Institut
- Zukunftsstudie Schulmanagement 2025, Wolters Kluwer
- Längsschnittstudie KI im Studium 2023/2025, Hochschule Darmstadt
- CHE DatenCHECK 6/2025, Centrum für Hochschulentwicklung, 23.000+ Befragte
- KI Monitor 2025, Stifterverband