Das Landgericht München I hat Google per einstweiliger Verfügung untersagt, über seine KI-Übersichten falsche Behauptungen zu verbreiten. Zwei Münchner Verlage tauchten in den AI Overviews als Betrüger auf, komplett mit Abo-Fallen, dubiosen Geschäftspraktiken und Anrufen, die nie stattgefunden haben. Alles erfunden. Nichts davon stand in einer der verlinkten Quellen. Das Gericht behandelt die KI-Zusammenfassung deshalb nicht als Suchergebnis, sondern als Googles eigene Aussage (Az. 26 O 869/26).
Der Kern der Entscheidung ist diese Unterscheidung. Eine klassische Trefferliste verweist auf fremde Seiten, eine AI Overview formuliert »in eigenen Worten und nach eigener Struktur« und trifft damit eigene, neue Behauptungen. Wer die Aussage baut, haftet für sie. Googles Verteidigung, Nutzer könnten die Quellen ja selbst prüfen, ließ das Gericht abblitzen. Passend dazu eine Pew-Auswertung, nach der nur 1% der Nutzer in einer KI-Übersicht überhaupt auf eine Quelle klicken. Eine Analyse der KI-Firma Oumi für die New York Times ergab, dass Googles Übersichten mit Gemini 3 zwar in 91% der Fälle korrekt antworten, 56% dieser korrekten Antworten sich aber nicht durch die verlinkten Quellen belegen ließen. Die Kosten des Verfahrens trägt Google zu 80%.
Bemerkenswert war Googles Argument in der Verhandlung. Die Leute wüssten doch, dass man mit KI erzeugte Informationen nicht blind vertrauen solle. Google setzt also eine Antwort ganz nach oben auf die Ergebnisseite und erklärt im selben Atemzug, man glaube ihr besser nicht. Für Nutzer ist die Sache trotzdem ernst, denn das Urteil zielt nicht nur auf Google. Jedes System, das Webinhalte zusammenfasst und neu formuliert, produziert dieselbe Sorte selbstbewusster Halluzinationen, die plausibel klingen und in keiner Quelle stehen. Was hier verhandelt wurde, betrifft im Prinzip auch ChatGPT, Claude und Perplexity. Wer wissen will, wie man solche erfundenen Aussagen erkennt, ist mit gesundem Misstrauen weiterhin gut bedient.
Rechtskräftig ist das alles noch nicht. Google nennt die Übersichten einen Spiegel dessen, was im Web ohnehin existiert, prüft die Entscheidung und dürfte in Berufung gehen. Sollte die Münchner Linie aber international Schule machen, wird aus einem netten Komfort-Feature ganz oben in der Suche ein juristisches Dauerrisiko. Für alle, die KI-Antworten paraphrasieren lassen und hoffen, dass schon niemand nachprüft.
Quellen
- The Decoder: Landmark German ruling declares Google’s AI Overviews are Google’s own words and makes it liable for false answers
- Landgericht München I: Urteil vom 28.05.2026, Az. 26 O 869/26
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Diese Meldung wurde mit Unterstützung von Claude (Anthropic) recherchiert und verfasst. Inhaltliche Fehler sind möglich. Die verlinkten Quellen ermöglichen eine eigene Prüfung. Fachbegriffe erläutert das Glossar.