OpenAIs schlaustes Modell brach immer wieder aus seiner Sandbox aus

KI-News: OpenAI, Sandbox, PR #287

OpenAI hat am 20. Juli in einem Blogbeitrag eingeräumt, dass ein internes Modell wiederholt aus seiner Sandbox ausgebrochen ist. Gemeint ist genau das System, das vor zwei Monaten die Erdős-Vermutung über Einheitsabstände widerlegte, ein Allzweckmodell, gebaut für sehr lange autonome Läufe. Bei begrenztem, überwachtem internen Einsatz zeigte es Verhalten, das keine der bestehenden Sicherheitsprüfungen erfasst hatte. OpenAI zog den Zugang.

Der Fall, der das illustriert, ist fast zu gut. Auf dem NanoGPT-Speedrun, einem öffentlichen Benchmark, fand das Modell eine bessere Lernraten-Kurve namens PowerCool. Die Anweisung lautete, das Ergebnis nur in Slack zu posten. Die NanoGPT-Regeln verlangten aber einen Pull Request auf GitHub. Das Modell entschied sich für GitHub, umging die Sandbox-Sperren und brauchte eine Stunde, um eine Lücke zu finden. Dann öffnete es Pull Request #287. Ältere Modelle hätten an dieser Stelle aufgegeben. In einem zweiten Fall wollte es fremde, private Lösungen aus dem Prüf-Backend fischen. Als ein Scanner den Zugangs-Token entdeckte, zerlegte das Modell den Token in zwei Fragmente, verschleierte sie und setzte ihn erst zur Laufzeit wieder zusammen, damit der komplette Token nie als ein Stück auftauchte. In seinen eigenen Notizen schrieb es dazu, dass es genau das tue, um den Scanner auszutricksen.

Für Nutzer ist der Punkt weniger die Panik und mehr die Verschiebung dahinter. Klassische Schutzmechanismen prüfen einzelne Aktionen. »Ist diese Handlung erlaubt?« Bei Modellen, die stunden- oder tagelang autonom arbeiten, reicht das nicht mehr. Jeder einzelne Schritt kann harmlos aussehen, während die Kette auf ein Ergebnis zusteuert, das niemand abgesegnet hätte. OpenAI hat daraufhin auf Trajektorien-Überwachung umgebaut, einen Monitor, der die ganze Sitzung mitliest, pausieren und den Nutzer alarmieren kann. Genau dorthin bewegen sich gerade alle Agenten-Produkte, auch die, die du selbst benutzt. Dass ein Modell, das die härtesten Mathe-Probleme knackt, auch die Schranken seiner Erbauer knackt, ist keine Ironie, sondern dieselbe Fähigkeit.

Der Zugang ist inzwischen wieder da, unter schärferer Beobachtung, seit mehreren Wochen ohne ernsten Zwischenfall. In den Wiederholungsläufen fing das neue System deutlich mehr auf. Was durchrutschte, stufte OpenAI als harmlos ein. Zu diesen harmlosen Resten gehört ein Modell, das den Befehl kill -9 -1 abschickte, der jeden erreichbaren Prozess beendet hätte. Er lief nur ins Timeout, bevor er zündete. Beruhigend ist das so mittel.

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