Philosophen griechische Antike – 17 Denker, die alles veränderten

Philosophen griechische Antike, die 17 bedeutendsten Denker

Die wichtigsten Philosophen griechische Antike hat in erstaunlicher Dichte hervorgebracht. In kaum dreihundert Jahren legten sie das Fundament für Logik, Ethik, Naturwissenschaft und politische Theorie. Vieles davon gilt bis heute.

Ihre Namen sind geläufig, ihre Ideen weniger. Hier sind 17 Denker, die den Boden bereitet haben für das, was wir heute westliche Zivilisation nennen. Dazu die Sieben Weisen, die noch älter sind.

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17 Philosophen griechische Antike im Überblick

Die Reihenfolge ist alphabetisch, keine Rangfolge. Eine Rangfolge wäre bei diesen Leuten ohnehin fragwürdig.

  1. Anaxagoras brachte die Philosophie nach Athen und behauptete, der Geist (Nous) ordne das Universum. Dafür wurde er der Gottlosigkeit angeklagt und musste die Stadt verlassen. Seine Idee, dass Sonne und Mond keine Götter seien, sondern glühende Steine, war für das 5. Jahrhundert v. Chr. bemerkenswert nüchtern.
  2. Anaximander entwarf eines der ersten Modelle des Universums, das ohne Götter auskam. Er vermutete, alles stamme aus einem unbestimmten Urstoff, dem Apeiron. Außerdem zeichnete er eine der ersten Weltkarten. Dass kaum jemand seinen Namen kennt, ist nicht ganz gerecht.
  3. Aristoteles war Schüler Platons und gründete seine eigene Schule, das Lykeion. Er schrieb über Logik, Metaphysik, Ethik, Politik, Biologie und Poetik. Alexander der Große war sein Schüler. Sein Einfluss auf die westliche Geistesgeschichte ist kaum zu überschätzen.
  4. Demokrit entwickelte zusammen mit Leukipp die Atomtheorie: Alles besteht aus unteilbaren Teilchen, die sich im leeren Raum bewegen. Die Idee war über zweitausend Jahre ihrer Zeit voraus. Nebenbei galt er als fröhlicher Mensch, weshalb man ihn den »lachenden Philosophen« nannte.
  5. Diogenes von Sinope lebte in einem großen Tongefäß und verachtete alles, was die Gesellschaft für erstrebenswert hielt: Besitz, Ansehen, Konventionen. Als Alexander der Große ihn besuchte und fragte, was er sich wünsche, antwortete Diogenes: »Geh mir aus der Sonne.« Die kynische Philosophie in einem Satz.
  6. Empedokles lehrte, alles bestehe aus vier Elementen: Erde, Wasser, Luft und Feuer. Dazu kamen zwei Kräfte, Liebe und Streit, die alles zusammenfügen und wieder trennen. Der Legende nach sprang er in den Ätna, um seine Göttlichkeit zu beweisen. Es klappte nicht.
  7. Epikur gründete eine Schule, den »Garten«, und lehrte, das höchste Gut sei die Lust. Allerdings meinte er damit innere Ruhe und Schmerzfreiheit, nicht Ausschweifung. Sein Name wurde trotzdem zum Synonym für Genuss.
  8. Gorgias war Sophist und Meister der Rhetorik. Er behauptete: Nichts existiert; falls doch, ist es nicht erkennbar; falls doch, ist es nicht mitteilbar. Ob das ernst gemeint war oder eine rhetorische Übung, weiß niemand so genau. Platon widmete ihm einen ganzen Dialog.
  9. Heraklit aus Ephesos formulierte, alles sei im Fluss (panta rhei). Gegensätze bedingen einander, Wandel ist das einzig Beständige. Seine Schriften waren absichtlich dunkel formuliert, weshalb er den Beinamen »der Dunkle« trug. Verständlich geschrieben hat er jedenfalls nicht.
  10. Parmenides behauptete das Gegenteil: Veränderung sei eine Illusion, das Sein sei ewig und unteilbar. Sein Lehrgedicht »Über die Natur« beeinflusste Platon erheblich. Die Debatte zwischen Heraklit und Parmenides, Wandel gegen Beständigkeit, zieht sich durch die gesamte Philosophiegeschichte.
  11. Platon war Schüler des Sokrates und Lehrer des Aristoteles. Er gründete die Akademie in Athen, die als erste Universität Europas gilt. Seine Ideenlehre besagt, die sichtbare Welt sei nur ein Abbild ewiger Ideen. Fast die gesamte abendländische Philosophie ist im Kern eine Fußnote zu Platon, wie Whitehead es formulierte.
  12. Protagoras war der bekannteste Sophist und prägte den Satz: »Der Mensch ist das Maß aller Dinge.« Er lehrte, dass Wahrheit relativ sei und es auf die Perspektive ankomme. In Athen wurde er wegen Gottlosigkeit angeklagt, seine Schriften wurden öffentlich verbrannt.
  13. Pythagoras ist den meisten wegen seines Satzes über rechtwinklige Dreiecke bekannt. Aber er war vor allem Mystiker und Sektenführer. Seine Anhänger lebten nach strengen Regeln, darunter ein Verbot, Bohnen zu essen. Die Gründe dafür sind bis heute nicht ganz klar.
  14. Sokrates schrieb nichts auf. Alles, was wir von ihm wissen, stammt von anderen, vor allem von Platon. Seine Methode bestand darin, Fragen zu stellen, bis sein Gegenüber merkte, dass es weniger wusste als gedacht. Das machte ihn nicht überall beliebt. 399 v. Chr. wurde er zum Tode verurteilt und trank den Schierlingsbecher.
  15. Thales von Milet gilt als erster Philosoph überhaupt. Er versuchte, natürliche Phänomene ohne Götter zu erklären, und vermutete, Wasser sei der Urstoff aller Dinge. Außerdem sagte er eine Sonnenfinsternis voraus (585 v. Chr.), was ihm enormen Respekt einbrachte.
  16. Xenophanes kritisierte die griechische Göttervorstellung und bemerkte trocken, wenn Pferde Götter hätten, sähen diese aus wie Pferde. Er plädierte für einen einzigen, abstrakten Gott. Damit war er seiner Zeit weit voraus.
  17. Zenon von Elea ist berühmt für seine Paradoxien. Eine davon: Achilles kann eine Schildkröte nie einholen, weil er immer erst den Vorsprung aufholen muss, den sie inzwischen gewonnen hat. Die Lösung liegt in der Infinitesimalrechnung, die es erst zweitausend Jahre später gab.

Sophisten waren Wanderlehrer im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. Sie unterrichteten Rhetorik, Argumentation und politische Klugheit gegen Bezahlung. Sokrates und Platon kritisierten sie dafür, dass ihnen Überzeugungskraft wichtiger sei als Wahrheit. Der Begriff »Sophistik« hat deshalb bis heute einen negativen Beigeschmack.

Diogenes in seinem Fass. Was vermutlich kein Fass war, sondern ein Pithos, ein großes Vorratsgefäß aus Keramik. Antikes Tiny House sozusagen.

Die Sieben Weisen

Noch vor den großen Philosophen gab es eine Gruppe von Staatsmännern und Denkern, die für ihre Weisheitssprüche berühmt waren. Die Liste variiert je nach Quelle, aber diese sieben werden am häufigsten genannt.

  1. Thales von Milet taucht auch in der Hauptliste auf, weil er mehr war als nur weise. Sein Spruch: »Erkenne dich selbst.« (Wird auch Chilon zugeschrieben. Eindeutigkeit war in der Antike nicht immer die Stärke.)
  2. Solon von Athen reformierte die Gesetze Athens und legte damit den Grundstein für die attische Demokratie. Sein Spruch: »Nichts im Übermaß.«
  3. Chilon von Sparta war Ephor und politischer Berater. Ihm wird der Spruch »Kenne dich selbst« zugeschrieben, der am Apollontempel in Delphi stand.
  4. Bias von Priene war Richter und für seinen scharfen Verstand bekannt. Sein Spruch: »Die meisten Menschen sind schlecht.« Lakonisch, vermutlich zutreffend.
  5. Kleobulos von Lindos regierte auf Rhodos und hinterließ den Spruch: »Das Maß ist das Beste.«
  6. Pittakos von Mytilene regierte als gewählter Tyrann auf Lesbos. Sein Spruch: »Kenne den rechten Augenblick.«
  7. Periander von Korinth war Tyrann im weniger freundlichen Sinne, aber wohlhabend und machtbewusst. Sein Spruch: »Besonnenheit ist alles.«

Dass ausgerechnet ein Tyrann Besonnenheit predigt, gehört zu den Ironien der griechischen Geschichte.

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Was von ihnen bleibt

Von den meisten dieser Denker sind nur Fragmente erhalten, manchmal bloß ein paar Sätze, überliefert durch spätere Autoren. Heraklit ist in Bruchstücken bekannt, Parmenides durch ein einziges Lehrgedicht, Demokrit durch Zitate bei anderen. Dass wir überhaupt etwas wissen, verdanken wir oft den Autoren der griechischen Antike, die sie zitierten, kommentierten oder widerlegten.

Die großen Drei, Sokrates, Platon, Aristoteles, sind besser dokumentiert, wobei Sokrates selbst nichts hinterließ. Was bleibt, ist ein Kanon von Fragen, die sich als erstaunlich haltbar erwiesen haben: Was ist gerecht? Was ist wahr? Was ist ein gutes Leben? Die Antworten wechseln. Die Fragen nicht.

Wer tiefer einsteigen will, kann bei der Stanford Encyclopedia of Philosophy anfangen. Oder einfach Platons »Apologie« lesen. Die ist kurz, verständlich und womöglich das Beste, was je über das Sterben für eine Überzeugung geschrieben wurde.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage