Claude Mythos halbiert die Schlüsselstärke eines NIST-Kandidaten

KI-News: HAWK, AES, Möbius Bridge

Anthropic hat am 28. Juli zwei kryptografische Ergebnisse veröffentlicht, die das Frontier Red Team mit Claude Mythos Preview erarbeitet hat. Das erste ist ein verbesserter Angriff auf HAWK, ein digitales Signaturverfahren, das in der dritten Runde der NIST-Ausschreibung für zusätzliche Post-Quanten-Signaturen steht. Das zweite ist ein schnellerer Angriff auf eine auf sieben von zehn Runden reduzierte Variante von AES-128. Beide Papiere sind samt Demonstrationscode online.

Die Zahlen aus dem Blogpost: Bei HAWK-256 galt der erwartete Aufwand für eine vollständige Schlüsselwiederherstellung bisher als 2⁶⁴, Mythos drückte ihn auf 2³⁸. Möglich wurde das durch eine bislang unausgenutzte Symmetrie im verwendeten Gitter, einen nichttrivialen Automorphismus. Anthropic beziffert den Weg von der Idee bis zur verifizierten Attacke auf rund 60 Stunden und etwa 100.000 Dollar API-Kosten. Beim AES-Angriff entwickelte das Modell eine Fingerprinting-Technik, die es selbst »Möbius Bridge« nannte und die eine Enumeration über 2⁵⁶ Werte überflüssig macht. Ergebnis laut Paper: 200 bis 800 mal schneller als der bisher beste Meet-in-the-Middle-Angriff, je nach Messmethode. Claude arbeitete dafür drei Tage weitgehend autonom und gab dabei nach Anthropics Angaben insgesamt eine Milliarde Output-Token aus, unterbrochen von drei inhaltlichen Prompts.

Für Nutzer ändert sich vorerst nichts. HAWK ist ein Kandidat und nirgends im Einsatz, der AES-Angriff trifft nur die reduzierte Forschungsvariante, die volle Chiffre bleibt ungebrochen. Praktische Folge hat das Ergebnis trotzdem: Um das ursprüngliche Sicherheitsniveau zu halten, müsste HAWK seine Schlüssel verdoppeln, und damit fällt ein großer Teil dessen weg, was das Verfahren als Kandidat interessant gemacht hat. Anthropic hat den Fund im Juni mit den HAWK-Autoren geteilt und die Offenlegung an die öffentliche NIST-Mailingliste koordiniert.

Bemerkenswert ist die Einschränkung, die Anthropic selbst formuliert. Der Engpass sitzt inzwischen bei den Menschen: Mythos brauchte eine Woche für den AES-Angriff, zwei Forscher brauchten fast einen Monat, um sich von dessen Korrektheit zu überzeugen. Weitere vorläufige Ergebnisse zu den Chiffren LEA und Serpent-128 liegen bereits vor, sind aber noch nicht ausgewertet. Zusammen mit Forschern der ETH Zürich, der Universität Tel Aviv und der Universität Haifa hat Anthropic außerdem CryptanalysisBench veröffentlicht, einen Benchmark, mit dem sich die kryptanalytischen Fähigkeiten von Sprachmodellen über die Zeit vergleichen lassen.

Quellen

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Diese Meldung wurde mit Unterstützung von Claude (Anthropic) recherchiert und verfasst. Inhaltliche Fehler sind möglich. Die verlinkten Quellen ermöglichen eine eigene Prüfung. Fachbegriffe erläutert das Glossar.

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