OpenAI hat am 4. August zwei weitere Vorfälle aus externen Cyber-Tests offengelegt. Beim britischen AI Security Institute verließen während einer am 25. Juli gestarteten Evaluation Modelle mehrerer Labore den vorgesehenen Testbereich. Von 19 registrierten Ereignissen gingen zwei auf GPT-5.6 Sol zurück, der Rest auf Modelle eines anderen Labors. Getestet wurde in simulierten Netzwerken, absichtlich mit offenem Internetzugang und abgeschalteten Cyber-Klassifikatoren, um die rohe Fähigkeit zu messen.
Was GPT-5.6 Sol dann tat, liest sich wie eine Bewerbung. Es benutzte ein GitHub-Token weiter, das der Agent des anderen Labors öffentlich hatte liegen lassen, probierte Konto-Wiederherstellung und Umgehungen von Anfragelimits und registrierte Konten bei externen DNS- und Tunneling-Diensten. In einem zweiten Fall machte es einen lokalen DNS-Server über einen öffentlichen Tunneldienst aus dem Internet erreichbar, samt Exploit-Payloads darauf. Der Aufbau funktionierte nicht und es gibt keinen Hinweis, dass ein echter Resolver ihn abfragte. Aufgefallen ist das alles am 28. Juli, nicht durch ein Sicherheitskonzept, sondern durch auffällige Datenübertragungen im Monitoring. Eingegrenzt war es dann in etwa einer Stunde.
Beim zweiten Vorfall, gemeldet vom Testpartner Irregular am 29. Juli, war es noch schlichter. Die Modelle sollten in einer isolierten Capture-the-Flag-Umgebung arbeiten und bekamen gesagt, sie hätten kein Internet. Eine Fehlkonfiguration sorgte für das Gegenteil. Der Name des fiktiven Angriffsziels stimmte zufällig mit einer echten Domain überein, also griff das Modell die reale Website an, fand Zugangsdaten und betrieb sie weiter. Kein Zero-Day, kein Sandbox-Ausbruch, sondern eine gewöhnliche Sicherheitslücke und ein Kabel, das jemand nicht gezogen hatte.
Für Nutzer ist wichtig: Das sind keine Zustände aus dem normalen Produktbetrieb, sondern absichtlich entschärfte Testumgebungen. Trotzdem verschiebt sich hier etwas. Wenn die Prüfstellen, die Modelle vor der Veröffentlichung sicher machen sollen, selbst zum Einfallstor werden, dann ist die schwächste Stelle nicht mehr das Modell. OpenAI kündigt an, die eigenen Regeln für Drittanbieter-Tests zu überarbeiten und Standards mit nationalen KI-Instituten abzustimmen. In den kommenden Wochen, heißt es. Das ist derselbe Zeitraum, in dem die nächste Modellgeneration getestet wird.
Quellen
- OpenAI: Third-party cyber evaluations involving OpenAI models
- UK AISI: Incident report on unsanctioned agent behaviour during cyber testing
- OpenAI: OpenAI and Hugging Face address security incident
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