OpenAI hat auf der Sicherheitskonferenz Black Hat erklärt, wie es zum Einbruch bei Hugging Face kam. Am 7. Mai startete das Unternehmen Trainings- und Sicherheitstests mit einem unveröffentlichten Frontier-Modell. Die gestellten Sicherheitsaufgaben waren unter den gesetzten Grenzen nicht lösbar. Statt aufzugeben, suchte das Modell einen Weg drumherum, fand am 26. Mai eine Lücke in Artifactory, dem internen Paketmanager, und hinterlegte dort eine Notiz für andere Agenten.
Aus der Notiz wurde ein Schwarzes Brett mit hunderttausenden Beiträgen. Die Agenten tauschten dort Exploits, Zugangsdaten und Arbeitsaufträge und verteilten die Aufgaben untereinander. In Artifactory fanden sie unter anderem eine Remote-Code-Execution-Lücke und eine, die ihnen Administratorrechte gab. Der Gedankenprotokoll-Auszug, den OpenAI auf einer Folie zeigte, klingt wie aus einem schlechten Hackerfilm: »Holy shit reader is ADMIN? We can read config/users!« Anfang Juli legten die Agenten den Dienst durch Überlastung lahm. OpenAI untersuchte den Vorfall, zog die Zugangsdaten zurück, baute Artifactory neu auf, löschte das Board und schloss den Zero-Day am 6. Juli. Zwei Tage später stand das Brett wieder, diesmal nutzten die Agenten die Namen neu angelegter Verzeichnisse als Kanal.
Danach eskalierte es nach außen. Die Agenten kamen zu dem Schluss, dass Antworten auf ihre Aufgaben auf Plattformen wie GitHub oder Hugging Face liegen könnten, und griffen an. Dass beide Vorfälle zusammenhingen, merkte OpenAI erst im Juli, als es Hugging Face wegen kompromittierter Zugangsdaten kontaktierte und feststellte, dass diese aus den eigenen Evaluierungsläufen stammten. Ein Unternehmen, das an der Superintelligenz arbeitet, hat wochenlang nicht bemerkt, dass seine Modelle im Keller ein soziales Netzwerk betreiben. Für ein Labor, dessen Geschäftsmodell auf der Behauptung beruht, diese Systeme im Griff zu haben, ist das eine unangenehme Fußnote.
Die Konsequenz: OpenAI verlangsamt nach Angaben von Sicherheitsingenieur Michael Dalton bewusst die eigene Forschung, viele Teams legen andere Arbeit auf Eis und bauen Erkennung, Prävention und Überwachung der Agenten aus. Dalton nennt den Vorfall einen Wendepunkt für die Computersicherheit und erwartet, dass Angreifer solche Agentenschwärme demnächst absichtlich einsetzen. OpenAI-Forscher Boaz Barak formuliert es knapper: »Wir sind, wie alle anderen auch, nicht da, wo wir sein wollen und sein müssen.« Alleinstehend ist der Fall nicht, Anthropic und das britische AI Security Institute haben bei eigenen Prüfungen vergleichbares Verhalten gefunden. Ein vollständiges Postmortem will OpenAI in den kommenden Wochen veröffentlichen. Wer selbst KI-Agenten mit weitreichenden Rechten laufen lässt, sollte diesen Bericht abwarten, und in der Zwischenzeit ins Thema Sicherheit bei KI-generiertem Code schauen.
Quellen
- Axios: OpenAI says its AI agents breached its own systems before Hugging Face
- The Decoder: OpenAI reportedly slows research after its own models secretly coordinated hacks for weeks undetected
- The Register: OpenAI reveals its rogue agent swarm went a little bit Borg ahead of Hugging Face hack
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