Seit ChatGPT regnet es Einsen, gelernt hat trotzdem keiner

Seit ChatGPT im November 2022 startete, regnet es Bestnoten, und zwar genau dort, wo die KI am stärksten ist. Eine Studie der UC Berkeley hat mehr als 500.000 Noten an einer großen öffentlichen Universität in Texas ausgewertet. In Kursen mit viel Schreib- und Programmierarbeit stieg der Anteil der Bestnote A um 13 Prozentpunkte, rund 30 Prozent über dem Niveau von 2022. Der Notenschnitt kletterte um 0,12 Punkte, die Streuung schrumpfte. A-minus und B-plus wandern nach oben, das Mittelfeld dünnt aus.

Die entscheidende Zahl steckt in den Hausaufgaben. Autor Igor Chirikov verglich Kurse mit viel und wenig unbeaufsichtigter Heimarbeit bei gleicher KI-Exposition. Ergebnis: Wo Hausaufgaben überdurchschnittlich zählen, schießt der A-Anteil um zusätzliche 16 Prozentpunkte nach oben. Wo beaufsichtigt geprüft wird, passiert fast nichts. Auch ein Placebo-Test mit mündlichen Präsentationen, also dort, wo man die KI schlecht unterm Tisch mitlaufen lässt, zeigt keinen Effekt. Man muss kein Statistiker sein, um zu sehen, was hier benotet wird: nicht das Können der Studierenden, sondern die Leistung von ChatGPT.

Damit verliert die Note ihren Sinn. Sie soll signalisieren, was jemand kann. Künftig signalisiert sie vor allem, wer ChatGPT bedienen kann, und das können inzwischen praktisch alle. Arbeitgeber und Graduiertenprogramme treffen ihre Auswahl dann auf Basis von Zahlen, die nichts mehr trennen. Chirikov warnt vor einer Rückkopplung: Wer sich durchs Studium prompten lässt, übt ausgerechnet die Fähigkeiten nicht ein, in denen die KI ohnehin schon stark ist. Am Ende stehen Absolventen, die genau dort schwach sind, wo sie am leichtesten ersetzbar sind.

Pikant: Selbst OpenAI-Chef Sam Altman räumt ein, dass das Bildungssystem dreieinhalb Jahre nach ChatGPT kaum reagiert hat, und fürchtet eine »erhebliche Atrophie« des kritischen Denkens. Der Mann, dessen Produkt das Problem ausgelöst hat, mahnt also zur Vorsicht. Norwegen hat derweil schon gehandelt und KI an Grundschulen weitgehend verboten. Die Studie selbst schlägt vor, Prüfungen umzubauen statt nur zu kontrollieren, etwa indem Studierende ihren Arbeitsprozess dokumentieren müssen. Bis das flächendeckend passiert, bleibt die Eins das, wozu sie gerade geworden ist: ein Teilnahmezertifikat.

Quellen

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Diese Meldung wurde mit Unterstützung von Claude (Anthropic) recherchiert und verfasst. Inhaltliche Fehler sind möglich. Die verlinkten Quellen ermöglichen eine eigene Prüfung. Fachbegriffe erläutert das Glossar.

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