
Im Seminar geht es selten um die beste Idee. Es geht darum, wer sie so vorträgt, dass sie im Raum stehen bleibt. Dazu braucht es kein Talent, sondern ein paar Ausdrücke, die den eigenen Beitrag sortieren und ihm eine Richtung geben.
Hier sind 45 davon. Sie schärfen deine Argumentation, weil sie sichtbar machen, was du gerade tust. Widersprechen, ergänzen, einschränken, zusammenfassen. Alphabetisch sortiert, ohne Rangfolge.
- abschließend – kann verwendet werden, um eine Zusammenfassung oder einen Schlusspunkt zu setzen
- allerdings – drückt einen Gegensatz oder eine Einschränkung aus
- an dieser Stelle – leitet eine wichtige Bemerkung oder einen Wendepunkt ein
- angesichts – leitet einen Grund oder eine Bedingung ein
- anknüpfend – um Bezug auf vorher Gesagtes zu nehmen
- aus meiner Sicht – drückt eine persönliche Meinung oder Perspektive aus
- beispielsweise – führt ein Beispiel zur Unterstützung des Arguments an
- bemerkenswert – betont die Wichtigkeit oder Einzigartigkeit eines Punktes
- darüber hinaus – fügt weitere Informationen oder Argumente hinzu
- demgegenüber – stellt einen Kontrast oder Gegensatz dar
- dementsprechend – leitet eine logische Schlussfolgerung oder Konsequenz ein
- doch – drückt einen Einwand oder eine Gegenthese aus
- einerseits … andererseits – zeigt zwei Seiten oder Perspektiven auf
- ergänzend – fügt zusätzliche Informationen oder Gedanken hinzu
- erstaunlicherweise – drückt Überraschung oder unerwartete Wendung aus
- ferner – ein weiterer Punkt, zusätzlich zu dem bereits Gesagten
- folglich – leitet eine Konsequenz oder Schlussfolgerung ein
- hervorzuheben – betont die Wichtigkeit eines spezifischen Punktes
- hingegen – zeigt einen Gegensatz oder Unterschied auf
- im Gegensatz dazu – stellt einen direkten Gegensatz dar
- im Hinblick auf – bezieht sich auf ein spezifisches Thema oder eine Frage
- im Wesentlichen – fasst das Kernargument oder die Hauptidee zusammen
- in Anbetracht – berücksichtigt bestimmte Faktoren oder Umstände
- indem – erklärt, wie etwas erreicht oder realisiert wird
- insbesondere – hebt einen bestimmten Aspekt oder Punkt hervor
- jedoch – drückt einen Einwand oder eine Einschränkung aus
- konkret – spricht über spezifische Details oder Beispiele
- letztendlich – zeigt das Endergebnis oder die ultimative Schlussfolgerung an
- mit Bezug auf – nimmt Bezug auf eine bestimmte Quelle oder ein Argument
- nichtsdestotrotz – drückt eine Fortsetzung des Gedankens trotz Gegensätzen aus
- obwohl – leitet einen Gegensatz oder eine Einschränkung ein
- offensichtlich – betont, dass etwas klar oder eindeutig ist
- somit – leitet eine logische Folge oder Schlussfolgerung ein
- sowohl … als auch – verbindet zwei gleichwertige Ideen oder Argumente
- tatsächlich – betont die Realität oder Wahrheit eines Arguments
- umgekehrt – zeigt eine umgekehrte Beziehung oder Perspektive
- unter Berücksichtigung – bezieht sich auf bestimmte Aspekte oder Bedingungen
- vergleichsweise – stellt einen Vergleich mit etwas anderem her
- verständlicherweise – zeigt Verständnis für einen Standpunkt oder eine Situation
- vor diesem Hintergrund – setzt den Kontext für das Folgende
- während – zeigt eine zeitliche oder logische Gegenüberstellung
- zudem – fügt einen weiteren Punkt oder Aspekt hinzu
- zugleich – drückt das gleichzeitige Auftreten von Ereignissen oder Ideen aus
- zum einen … zum anderen – zeigt zwei Aspekte oder Perspektiven
- zusammenfassend – leitet eine Zusammenfassung der diskutierten Punkte ein
Was diese Ausdrücke eigentlich leisten
Auffällig an der Liste ist, dass fast keiner dieser Ausdrücke eine eigene Bedeutung hat. »Ferner« sagt nichts über die Welt aus. Es sagt etwas darüber, wie der nächste Satz zum vorigen steht. Genau darin liegt ihr Nutzen. Sie geben dem Zuhörer ein Gerüst, an dem er sich festhalten kann.
Diskursmarker sind Wörter und Wendungen, die keinen eigenen Inhalt transportieren, sondern die Beziehung zwischen zwei Aussagen anzeigen. Beispiele sind »allerdings«, »folglich« oder »vor diesem Hintergrund«. Sie steuern, wie Zuhörer eine Argumentation gliedern.
Wer im Seminar sagt »einerseits … andererseits«, hat damit angekündigt, dass zwei Punkte kommen. Der Raum wartet nun darauf. Das ist ein kleiner, aber wirksamer Trick, um Aufmerksamkeit zu halten, gerade wenn man unvorbereitet drankommt und noch nicht weiß, wohin der eigene Gedanke läuft.
Wie du sie einsetzt, ohne aufgesetzt zu wirken
Die Hälfte dieser Ausdrücke gehört in geschriebene Texte, nicht in gesprochene Beiträge. »Nichtsdestotrotz« klingt in einer Hausarbeit passend und im Gespräch steif; »doch« leistet mündlich dasselbe in einer Silbe. Wer beides nicht trennt, wirkt eher bemüht als belesen.
Zwei bis drei solcher Marker pro Wortmeldung reichen. Mehr davon und der Beitrag klingt nach Textbaustein. Das ist die häufigste Falle beim akademischen Vokabular überhaupt, dass man die Form so lange poliert, bis der Inhalt darunter verschwindet.
Am besten funktioniert die Liste als Selbstbeobachtung. Nimm dir drei Ausdrücke vor, die du bisher nie benutzt hast, und setze sie in der nächsten Sitzung bewusst ein. Nach zwei, drei Wochen sind sie da, ohne dass du darüber nachdenken musst. Das ist im Kern derselbe Weg, auf dem sich Bildungssprache überhaupt aufbaut, Wörter wandern vom passiven in den aktiven Wortschatz, aber nur durch Gebrauch.
Und wenn dir am Ende trotzdem nichts einfällt, hilft kein Ausdruck der Welt. Dann sagt man das besser auch so.