Bildungssprachliche Wörter durch einfache deutsche Begriffe ersetzen

Bildungssprachliche Wörter durch einfache deutsche Begriffe ersetzen

Bildungssprachliche Wörter lassen sich oft durch einfache deutsche Begriffe ersetzen. Die Bildungssprache zeichnet sich durch formellere Ausdrücke aus, die in der Standardsprache weniger gebräuchlich sind.

Zu nennenswerten Verlusten in Sachen Präzision muss das nicht führen. Es hängt vom jeweiligen Kontext ab; möglicherweise sind Publikum oder Zielgruppe sogar dankbar dafür.

30 bildungssprachliche Wörter und ihre Alternativen

Die folgende Liste zeigt Beispiele, in denen eine Ersetzung gut möglich ist. Wer die Begriffe nicht nur ersetzen, sondern souverän einsetzen will, findet Hilfe im Artikel Fremdwörter gezielt einsetzen.

Bildungssprache bezeichnet einen Sprachstil mit formelleren, oft aus dem Lateinischen oder Griechischen stammenden Ausdrücken. Sie wird in Fachtexten, Wissenschaft und gehobener Kommunikation verwendet und unterscheidet sich von der Alltagssprache durch höhere Abstraktion und Präzision.

  1. antizipieren
    erwarten, vorhersehen
  2. konstatieren
    feststellen
  3. dito
    ebenso, gleichfalls
  4. affirmieren
    bestätigen, zustimmen
  5. utilisieren
    nutzen, verwenden
  6. substantiell
    wesentlich, bedeutend
  7. rezipieren
    empfangen, aufnehmen
  8. obsolet
    veraltet, überholt
  9. adäquat
    angemessen, passend
  10. evaluieren
    bewerten, beurteilen
  11. manifestieren
    zeigen, offenbaren
  12. perzipieren
    wahrnehmen, bemerken
  13. provozieren
    herausfordern, reizen
  14. intendieren
    beabsichtigen, planen
  15. koinzidieren
    übereinstimmen, zusammenfallen
  16. implizieren
    andeuten, einschließen
  17. deklarieren
    erklären, ankündigen
  18. korrelieren
    zusammenhängen, entsprechen
  19. konvergieren
    zusammenlaufen, sich annähern
  20. divergieren
    abweichen, auseinandergehen
  21. konsolidieren
    verstärken, sichern
  22. elaborieren
    ausarbeiten, entwickeln
  23. konzipieren
    entwerfen, planen
  24. postulieren
    fordern, behaupten
  25. präferieren
    bevorzugen, vorziehen
  26. revidieren
    überarbeiten, ändern
  27. substituieren
    ersetzen, austauschen
  28. verifizieren
    überprüfen, bestätigen
  29. akkumulieren
    ansammeln, häufen
  30. applizieren
    anwenden, auftragen

Wo das Ersetzen die Bedeutung verschiebt

Nicht jedes Paar in der Liste ist ein echtes Synonym. Einige Begriffe tragen eine Fachbedeutung mit sich, die beim Umtausch verloren geht. Wer sie trotzdem tauscht, schreibt einfacher und zugleich ungenauer.

»Korrelieren« heißt in der Statistik, dass zwei Größen gemeinsam schwanken. »Zusammenhängen« klingt im Alltag schnell nach Ursache und Wirkung, und genau da fängt der Ärger an. Wie oft dieser Fehler in Schlagzeilen landet, zeigt der Artikel zum kritischen Lesen von Studien.

»Implizieren« ist stärker als »andeuten«. Was impliziert wird, folgt logisch aus dem Gesagten. Was angedeutet wird, schwebt bloß im Raum.

»Evaluieren« meint eine systematische Bewertung nach festgelegten Kriterien. »Bewerten« darf auch ein Bauchgefühl sein. Und »verifizieren« verlangt einen Nachweis, während »überprüfen« schon der flüchtige Blick sein kann.

Die einfache Variante ist in diesen Fällen nicht falsch. Sie ist reduzierter. Manchmal ist genau das erwünscht, manchmal womöglich fahrlässig.

Wann einfache Wörter die bessere Wahl sind

Der Kontext entscheidet. In einer Mail an Kollegen aus einem anderen Fachbereich, in einem Text für ein breites Publikum, in einer Bewerbung, die gelesen und nicht bewundert werden soll, gewinnt fast immer das einfachere Wort. Bildungssprache wirkt dort selten souverän, eher angestrengt. Mit KI lässt sich der Umbau gezielt trainieren.

Umgekehrt gibt es Situationen, in denen die spezifischeren bildungssprachlichen Ausdrücke die angemessenere Wahl sind. Fachtexte, wissenschaftliche Arbeiten, juristische Formulierungen. Dort zählt Präzision mehr als Zugänglichkeit.

Was Bildungssprache im Kern ausmacht und woher sie stammt, steht in der Definition der Bildungssprache. Wer die Begriffe nicht nur ersetzen, sondern selbst verwenden will, findet den Weg dorthin in den Methoden, um Bildungssprache und Fremdwörter zu lernen.

Bei Fachvokabular aus einem einzelnen Feld hilft eine sortierte Sammlung mehr als jede Ersetzungsliste, so wie das Lernglossar für Begriffe aus der Lernpsychologie.

Ein brauchbarer Test ist der laute. Lies den Satz vor. Stolperst du über das Wort, stolpert dein Leser auch.

Das gilt genauso für alte Redewendungen, deren Herkunft längst niemand mehr kennt.

Sven Lennartz Avatar

Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage

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