
Kennst du das auch? Du sitzt stundenlang über deinen Büchern, aber irgendwie will das Wissen einfach nicht in deinen Kopf. Frustration macht sich breit und du fragst dich, ob du zu doof zum Lernen bist.
Aber halt stop! Bevor du alles hinschmeißt, lass mich dir ein praktisches Lernsystem vorstellen, das du in Ansätzen vielleicht schon kennst. Das dir aber noch viel weiter helfen kann: Die Lösung liegt in der so genannten Feynman-Methode.
Die Feynman-Methode ist ein Lernsystem, das von dem brillanten Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman (Wikipedia) entwickelt wurde. Es basiert auf der Idee, dass man etwas nur dann wirklich verstanden hat, wenn man es einfach erklären kann. Klingt simpel, ist aber hocheffektiv!
Das Prinzip dahinter: Wer etwas nur auswendig gelernt hat, scheitert beim Erklären. Die Fachbegriffe sitzen, aber sobald jemand »Warum?« fragt, wird es dünn. Feynman selbst soll eine Lerngruppe gegründet haben, in der jeder Teilnehmer den anderen ein Thema so einfach wie möglich erklären musste – ohne Fremdwörter, ohne Fachjargon. Der Trick dabei: Die Erklärung deckt auf, was man wirklich verstanden hat und was nur angelerntes Wissen ist.
Die vier Grundschritte der Feynman-Methode
Die Methode folgt einem klaren Ablauf, der sich beliebig oft wiederholen lässt:
Thema auswählen und lernen. Verschaffe dir zunächst einen Überblick über den Stoff. Lies, schau Videos, arbeite dich ein – klassisches Lernen also. Dann kommt der entscheidende Schritt: Erklären. Stell dir vor, du müsstest das Thema einem Zwölfjährigen erklären. Nutze einfache Worte, vermeide Fachbegriffe. Schreib deine Erklärung auf oder sprich sie laut aus. Dabei wirst du zwangsläufig an Stellen stocken – und genau das ist der Punkt. Diese Lücken markierst du und gehst zurück zum Material, um sie zu schließen. Danach wiederholst du die Erklärung, bis sie flüssig läuft.
15 konkrete Hacks für die Feynman-Methode
Hier kommen praktische Wege, wie du die Methode im Alltag umsetzen kannst:
- Erkläre es einem imaginären 12-Jährigen: Stell dir vor, du müsstest das Thema einem 12-jährigen Kind erklären. Nutze einfache Worte und Beispiele aus seiner Lebenswelt.
- Erstelle eine visuelle Zusammenfassung: Reduziere das Thema auf eine Seite mit Skizzen, Diagrammen und kurzen Stichworten. Dieser Überblick hilft dir, den roten Faden zu sehen.
- Halte einen Mini-Vortrag: Stelle dich vor einen Spiegel und erkläre das Thema laut, als würdest du einen 5-minütigen Vortrag halten. Achte auf eine klare Struktur und verständliche Formulierungen.
- Simuliere einen Dialog: Schreibe einen fiktiven Dialog, in dem du das Thema einer anderen Person erklärst und sie Rückfragen stellt. Das deckt Lücken in deinem Verständnis auf.
- Finde plastische Analogien: Überlege dir bildhafte Vergleiche, die das Thema greifbar machen. Beispiel: »Ein neuronales Netz funktioniert ähnlich wie das menschliche Gehirn.«
- Zerlege das Thema in Kernkonzepte: Identifiziere die zentralen Ideen und Prinzipien des Themas. Konzentriere dich zunächst auf diese Essenz, bevor du dich in Details verstrickst.
- Schreibe eine Zusammenfassung für Laien: Verfasse eine kurze, leicht verständliche Zusammenfassung des Themas für jemanden ohne Vorkenntnisse.
- Nutze KI als Lernpartner: Lass dir von ChatGPT oder Claude Fragen zum Thema stellen und beantworte sie schriftlich. Die KI gibt dir Feedback zu deinen Antworten – siehe Abschnitt unten.
- Erstelle eine Concept Map: Visualisiere die Zusammenhänge zwischen den Schlüsselbegriffen in einer Art Mindmap. Nutze Pfeile, um Verbindungen zu zeigen.
- Drehe ein Erklärvideo für Anfänger: Plane und drehe ein kurzes Video (3-5 min), in dem du die Grundlagen des Themas prägnant und anschaulich vor der Kamera erklärst. Handy reicht.
- Löse Anwendungsaufgaben: Suche nach Übungen und Problemen, bei denen du dein neues Wissen praktisch anwenden musst. Erst durch Transfer zeigt sich echtes Verständnis.
- Vergleiche mit bekannten Konzepten: Überlege, was du schon über ähnliche Themen weißt und stelle Bezüge her. Das hilft dir, das neue Wissen in dein bestehendes Wissensgebäude zu integrieren.
- Belohne dich für Erklär-Erfolge: Gönn dir etwas, wenn du einem Laien das Thema erfolgreich erklärt hast. Ob Bier oder Pralinen, diese positive Verstärkung pusht deine Motivation.
- Analysiere deine Erklärungen: Schaue kritisch auf deine eigenen Erklärversuche: Wo hast du dich unklar ausgedrückt, wo hatte dein Gegenüber Verständnisprobleme? Arbeite gezielt an diesen Schwachpunkten.
- Erkläre es wieder und wieder: Wiederhole den Prozess mit variierenden Erklärungen und Beispielen. Je öfter du erklärst, desto tiefer geht das Verständnis.
Powertipp zum Schluss: Werde selbst zum Lehrer! Inoffiziell und aushilfsweise versteht sich. Biete einem Kommilitonen oder Kollegen an, ihm das Thema zu erklären. Durch das Lehren lernst du selbst am besten. Mit der Feynman-Methode und deiner neuen Lehrer-Rolle wächst du zum wahren Experten auf deinem Gebiet!

Die Feynman-Methode mit KI: 7 Prompts für tiefes Verstehen
KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude eignen sich hervorragend als Lernpartner für die Feynman-Methode. Sie hören zu, stellen Rückfragen und geben Feedback – ohne dass du jemanden nerven musst. Hier sind konkrete Prompts, mit denen du die Methode digital anwenden kannst:
Der Erklärungs-Check
Du erklärst, die KI bewertet:
Ich werde dir jetzt [THEMA] erklären, als würde ich es einem 12-Jährigen beibringen. Bitte bewerte danach: Wo war meine Erklärung unklar? Welche Fachbegriffe habe ich benutzt, ohne sie zu erklären? Welche wichtigen Aspekte habe ich ausgelassen? Gib mir konkretes Feedback, damit ich mein Verständnis verbessern kann.
Hier ist meine Erklärung: [DEINE ERKLÄRUNG]
Der Nachfrage-Modus
Die KI spielt den neugierigen Laien:
Ich möchte mein Verständnis von [THEMA] testen. Stell mir bitte nacheinander einfache Warum- und Wie-Fragen dazu, wie ein neugieriger Laie es tun würde. Beginne mit grundlegenden Fragen und werde schrittweise spezifischer. Warte nach jeder Frage auf meine Antwort, bevor du die nächste stellst.
Der Analogie-Finder
Gemeinsam bessere Vergleiche entwickeln:
Ich lerne gerade [THEMA] und versuche, es mir mit Alltagsvergleichen verständlich zu machen. Hier ist meine Analogie: [DEINE ANALOGIE]. Ist dieser Vergleich treffend? Wo hinkt er? Kannst du mir 2-3 alternative Analogien vorschlagen, die das Konzept vielleicht noch besser greifbar machen?
Der Lücken-Detektor
Wissenslücken systematisch aufspüren:
Ich glaube, ich verstehe [THEMA] ziemlich gut. Stelle mir bitte 5 Verständnisfragen dazu – keine Faktenfragen, sondern Fragen, die zeigen, ob ich das Konzept wirklich durchdrungen habe. Beginne einfach und steigere den Schwierigkeitsgrad. Nach jeder Antwort sag mir ehrlich, wo mein Verständnis noch Lücken hat.
Der Vereinfacher
Komplexes runterdampfen:
Erkläre mir [THEMA] in drei Stufen: Erst für einen Grundschüler (maximal 50 Wörter), dann für einen interessierten Laien (100 Wörter), dann für jemanden mit Grundkenntnissen (150 Wörter). Verzichte in allen Versionen auf Fachbegriffe – oder erkläre sie sofort, wenn sie unvermeidlich sind.
Der Dialog-Simulator
Ein Gespräch durchspielen:
Simuliere ein Gespräch: Du bist mein Freund, der von [THEMA] noch nie gehört hat. Du bist neugierig, aber ungeduldig – wenn ich zu kompliziert werde, unterbrichst du mich und fragst nach. Ich erkläre dir jetzt das Thema, und du reagierst authentisch mit Nachfragen, Verwirrung oder Aha-Momenten.
Der Feynman-Coach
Die komplette Methode durchlaufen:
Führe mich durch die Feynman-Methode für [THEMA]. Schritt 1: Lass mich dir erklären, was ich darüber weiß. Schritt 2: Identifiziere Lücken und unklare Stellen in meiner Erklärung. Schritt 3: Hilf mir, diese Lücken zu schließen. Schritt 4: Lass mich nochmal erklären und prüfe, ob es jetzt besser ist. Beginne mit Schritt 1 – ich erkläre dir gleich.
Warum die Feynman-Methode funktioniert
Die Methode zwingt dich, zwei Arten von Wissen zu unterscheiden: oberflächliches und echtes Verstehen. Wer etwas auswendig gelernt hat, kann Definitionen runterrattern und Formeln hinschreiben. Aber sobald jemand fragt: »Und warum ist das so?«, wird klar, ob das Wissen trägt. Die Feynman-Methode macht genau diese Prüfung – nur mit dir selbst als strengstem Kritiker.
Durch das wiederholte Erklären wandert der Stoff ins Langzeitgedächtnis. Du baust ein neuronales Netz aus Informationen auf, das neue Sachverhalte schneller einordnen kann. Das ist kein Auswendiglernen mehr, sondern echtes Durchdringen.
Ein ähnlicher Ansatz zur Förderung des tiefen Verständnisses findet sich in der Sokratischen Methode. Diese Methode, benannt nach dem griechischen Philosophen Sokrates, beruht auf dem systematischen Stellen von Fragen, um Denkanstöße zu geben und die zugrunde liegenden Annahmen und Überzeugungen zu hinterfragen.