KI Bewerbungen – 17 hilfreiche Erkenntnisse aus der Praxis

KI Bewerbungen – 17 hilfreiche Erkenntnisse aus der Praxis

KI Bewerbungen? Na klar. Das klingt nach der Lösung für alles, was an Bewerbungen schreiben nervt: das ständige Anpassen, Schleifen, Formulieren, Präsentieren. Und dann? Meistens: Funkstille.

Ich wollte wissen, ob KI das besser kann – oder wenigstens leichter. Also habe ich ChatGPT, Claude, ein paar Tools und viel Geduld losgelassen auf Anschreiben, Lebenslauf und Bewerbungsstrategie.

Hier sind 17 Dinge, die ich gefunden habe. Nicht alles davon ist schön. Aber nützlich war es trotzdem.

Lebenslauf und Anschreiben mit KI verbessern

1. Lebenslauf aufpolieren. Gib der KI deinen bestehenden Lebenslauf und lass sie die Formulierungen schärfen. Aus »zuständig für Kundenkontakt« wird »Betreuung eines Kundenstamms von 120 Geschäftskunden«. Konkreter, messbarer, besser. Die ausführliche Anleitung dafür steht in einem eigenen Artikel.

2. Anschreiben anpassen. Das Anschreiben auf jede Stelle einzeln zuschneiden – das macht niemand gern. Die KI schon. Gib ihr die Stellenanzeige und deinen Lebenslauf, und sie baut dir einen Entwurf, der auf die konkreten Anforderungen eingeht. Du musst danach trotzdem draufschauen. Aber der erste Entwurf in drei Minuten statt drei Stunden ist ein Gewinn.

3. Stellenanzeigen dekodieren. Stellenanzeigen sind oft in HR-Deutsch verfasst. Die KI kann sie analysieren und dir sagen, welche Anforderungen wirklich zählen und welche Floskeln sind. Prompt: »Analysiere diese Stellenanzeige und markiere die drei wichtigsten Anforderungen, auf die ich im Anschreiben eingehen sollte.«

4. Rechtschreibung und Grammatik prüfen. Klingt banal, aber Tippfehler in Bewerbungen sind erstaunlich häufig. Die KI findet sie zuverlässig. Besser als die eingebaute Rechtschreibprüfung, weil sie auch stilistische Holperer erkennt.

Vorbereitung aufs Gespräch

5. Vorstellungsgespräch simulieren. Lass die KI die Rolle des Personalers übernehmen und dich interviewen. Das ist unbequem, aber genau deshalb nützlich. Prompt: »Führe ein realistisches Vorstellungsgespräch mit mir für die Position [Jobtitel]. Stelle mir eine Frage nach der anderen und warte jeweils auf meine Antwort. Gib danach Feedback.«

6. Typische Fragen vorbereiten. »Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?« – auf solche Fragen kann man sich vorbereiten. Die KI generiert die zwanzig häufigsten Interviewfragen für deine Branche und schlägt Antworten vor. Nicht zum Auswendiglernen, aber als Denkansatz.

7. Stärken und Schwächen reflektieren. Die Frage nach Schwächen kommt in fast jedem Gespräch. Die KI hilft, ehrliche Antworten zu formulieren, die nicht nach auswendig gelerntem Ratgeber klingen. Wer »Ich bin zu perfektionistisch« sagt, hat schon verloren.

8. Cultural Fit recherchieren. Gib der KI den Namen des Unternehmens und lass sie Werte, Kultur und öffentliche Aussagen zusammenfassen. Dann weißt du, ob du im Gespräch eher »agiles Mindset« oder »solide Strukturen« betonen solltest.

Strategie und Selbstbild

9. Weiterbildungen identifizieren. Die KI kann anhand deines Profils und der Zielbranche vorschlagen, welche Zertifikate oder Kurse deine Bewerbung aufwerten würden. Nicht alles davon lohnt sich, aber manchmal reicht ein Wochenend-Onlinekurs, um eine Lücke zu schließen.

10. Aus Absagen lernen. Unternehmen geben aus rechtlichen Gründen selten ehrliches Feedback. Aber du kannst der KI deine Unterlagen geben und fragen: »Was könnte ein Personaler an dieser Bewerbung auszusetzen haben?« Die Antworten sind manchmal unangenehm. Meistens aber hilfreich.

11. Motivationsschreiben personalisieren. Für manche Stellen braucht man neben dem Anschreiben ein separates Motivationsschreiben. Die KI hilft, es auf das Unternehmen und die Stelle zuzuschneiden, statt dasselbe generische Dokument für alle zu verwenden.

12. Projektportfolio zusammenstellen. Gerade in kreativen und technischen Berufen zählt das Portfolio mehr als der Lebenslauf. Die KI kann helfen, Projekte zu beschreiben, Ergebnisse zu quantifizieren und das Ganze in eine lesbare Struktur zu bringen.

Die Kehrseite der KI Bewerbungen

13. KI-Bewerbungen erkennt man. Das ist die wichtigste Erkenntnis. Laut einer Greenhouse-Umfrage unter 4.100 Personen haben 65 Prozent der Hiring Manager Bewerber bei KI-gestützter Täuschung erwischt (Stand 01/2025). Der glänzende, fehlerfreie ChatGPT-Stil ist mittlerweile ein Warnsignal, kein Pluspunkt. Die KI liefert den Entwurf, du lieferst die Substanz.

14. Das Wettrüsten hat begonnen. Bewerber nutzen KI, um aufzufallen. Unternehmen nutzen KI, um KI-Bewerbungen auszusortieren. Bewerber passen sich an. Die Filter werden schärfer. Der politische Schliff, die fehlerfreie Formulierung, das perfekt zugeschnittene Anschreiben – alles einst Zeichen von Kompetenz, heute Zeichen von gar nichts mehr. Einige große Unternehmen führen deshalb wieder Präsenzinterviews ein, weil die digitale Ebene als Vertrauensbasis ausgefallen ist.

15. Soft Skills lassen sich nicht simulieren. Die KI kann dir helfen, deine sozialen Kompetenzen in Worte zu fassen. Aber im Gespräch merkst du schnell, ob jemand wirklich teamfähig ist oder das nur aufgeschrieben hat. KI macht den Text besser, nicht den Menschen.

16. Bewerbungsfotos per KI sind heikel. Es gibt Dienste, die aus ein paar Selfies ein professionelles Bewerbungsfoto generieren. Die Ergebnisse sehen manchmal gut aus, manchmal uncanny. Und die ethische Frage bleibt: Wie viel darf ein Foto von dir abweichen, bevor es eine Lüge ist? Die Süddeutsche Zeitung hat den Prozess beschrieben – lesenswert.

17. Die KI ersetzt keine Strategie. Die beste Bewerbung hilft nichts, wenn du dich auf die falschen Stellen bewirbst. Die KI kann bei der Analyse helfen – welche Branchen suchen, welche Qualifikationen gefragt sind, wo du realistisch Chancen hast. Aber die Entscheidung, was du willst, bleibt bei dir.

Was bleibt

KI macht Bewerbungenen nicht automatisch besser. Sie macht den Prozess schneller und nimmt dir die lästigen Teile ab: Formulieren, Prüfen, Anpassen, Recherchieren. Was sie nicht liefert: Persönlichkeit, echte Erfahrungen, den Funken, der dich von den anderen unterscheidet.

Das eigentliche Problem ist größer: Wenn alle KI nutzen, hebt sie niemanden mehr hervor. Dann gewinnt, wer nach der KI-Überarbeitung noch klingt wie ein Mensch mit einer eigenen Geschichte. Der beste Ansatz bleibt deshalb: Die KI als Werkzeug nutzen und dann alles überarbeiten, bis es nach dir klingt. Nicht nach Maschine.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage