1.178 Beschäftigte der führenden KI-Labore haben am 28. Juli eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Sie heißt »Pacing the Frontier« und enthält genau einen Satz als Forderung: Die US-Regierung soll eine internationale Anstrengung unterstützen, um die technischen und regulatorischen Werkzeuge zu entwickeln, mit denen sich das Tempo automatisierter KI-Entwicklung bewusst drosseln lässt. Unterschrieben haben unter anderem Anthropic-CEO Dario Amodei, OpenAI-Chefwissenschaftler Jakub Pachocki, Meta-Chefwissenschaftler Shengjia Zhao und Anca Dragan, die bei Google für KI-Sicherheit zuständig ist.
Bemerkenswert ist, wer da unterschreibt: nicht die üblichen Mahner von außen, sondern die Leute, die die Systeme bauen. Jan Leike, Chris Olah, Benjamin Mann und Jack Clark von Anthropic. Mark Chen und Wojciech Zaremba von OpenAI. John Schulman, inzwischen bei Thinking Machines. Wer unterschreiben will, muss sich mit Firmen-Mailadresse verifizieren. Organisatorisch getragen wird die Sache von zwei gemeinnützigen Organisationen, Guidelight AI Standards und Encode AI. In den persönlichen Kommentaren wird es deutlicher als im offiziellen Text. OpenAI-Mitarbeiter Leo Gao schreibt von einem »tödlichen Wettlauf« hin zu einer Intelligenzexplosion, vergleichbar mit einer außer Kontrolle geratenen nuklearen Kettenreaktion.
Der Text fordert ausdrücklich keine Pause und keine Verlangsamung im Hier und Jetzt. Es geht um »automatisierte KI-Entwicklung«, also den Punkt, an dem KI die nächste KI baut. Die Erklärung sagt sinngemäß: Wir haben derzeit gar nicht die Möglichkeit zu bremsen, selbst wenn wir wollten, und irgendwer sollte diese Möglichkeit mal bauen. Man kann das als seltenen Anfall von Ehrlichkeit lesen. Man kann es auch so lesen: Eine Branche, die dieses Jahr Modelle im Zweiwochentakt herausgeschoben hat, bittet nun freundlich die Regierung, ihr ein Bremspedal zu bauen, weil sie sich selbst nicht traut, den Fuß vom Gas zu nehmen. Das Argument im Text steht sogar so drin: Jede Firma und jedes Land stehe unter zu starkem Wettbewerbsdruck, um einseitig langsamer zu machen.
Für Nutzer ändert sich damit erst einmal nichts. Kein Modell wird zurückgezogen, keine API abgeschaltet, kein Preis steigt. Interessant wird es, falls Washington die Vorlage aufgreift. Ein Weißes-Haus-Rahmenwerk für Frontier-Modelle wird ohnehin erwartet, und eine Unterschriftenliste mit den Chefwissenschaftlern aller vier großen Labore darauf ist ein starkes Argument gegenüber Abgeordneten. Wie weit die Einschätzungen der Fachleute auseinandergehen, hat sich schon vorher gezeigt. Neu ist, dass sie sich diesmal auf einen einzigen Satz einigen konnten.
Quellen
- Pacing the Frontier: A statement from 1,178 employees of frontier AI companies
- CNN Business: Employees at the world’s biggest AI companies are calling for a slowdown in AI development
- NBC News: Top scientists at OpenAI and Anthropic ask U.S. for tools to pace AI development
- The Next Web: 1,134 AI staff ask the US for a way to pace AI
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Diese Meldung wurde mit Unterstützung von Claude (Anthropic) recherchiert und verfasst. Inhaltliche Fehler sind möglich. Die verlinkten Quellen ermöglichen eine eigene Prüfung. Fachbegriffe erläutert das Glossar.