Die Europäische Kommission hat am 30. Juli die offizielle Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken eröffnet. Gemeint sind Rechenzentren mit Spezialchips, groß genug, um Sprachmodelle der obersten Klasse von Grund auf zu trainieren. Bewerben können sich Konsortien aus Firmen, öffentlichen Stellen und Investoren, auch länderübergreifend. Bewerbungsschluss ist der 12. November 2026, der Bau soll Anfang 2027 beginnen, in Betrieb gehen sollen die Anlagen bis Mitte 2028. Zehn Länder haben Interesse an einem Standort angemeldet: Deutschland, Italien, Frankreich, Polen, Tschechien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Portugal und Spanien.
Interessanter als die Zahl sieben ist das Geld. Ursula von der Leyen hatte im Februar 2025 auf dem Pariser AI Action Summit 20 Milliarden Euro angekündigt, mit der Ansage, so etwas wie ein CERN für KI zu bauen. Übrig sind davon rund fünf Milliarden aus Brüssel plus fünf Milliarden aus den Mitgliedstaaten, dazu sollen etwa 20 Milliarden privat dazukommen. Der öffentliche Anteil ist also auf ein Drittel geschrumpft, und aus dem laufenden Haushalt kann die Kommission davon genau eine Milliarde fest zusagen. Der Rest hängt am nächsten mehrjährigen Finanzrahmen, der noch verhandelt wird. Ein Kommissionsvertreter sagte dazu, man könne die Entscheidungen über den nächsten Finanzrahmen nicht vorwegnehmen. Man schreibt hier also eine Infrastruktur aus, deren Finanzierung zu neunzig Prozent noch Absichtserklärung ist.
Dazu kommt die Pointe, die dem Souveränitätsvokabular den Boden entzieht. Für die Chips hat die Kommission Absichtserklärungen mit Nvidia, AMD und Qualcomm unterzeichnet, alle drei amerikanisch. Europäische Rechenhoheit auf fremder Hardware also, was die Abhängigkeit von einem einzigen Chipkonzern nicht auflöst, sondern mit öffentlichem Geld einkauft. Immerhin zählt zu den Vergabekriterien, wie gut ein Angebot Lock-in-Effekte vermeidet. Wer die Debatte länger verfolgt, kennt das Muster aus der deutschen KI-Strategie. Souveränität wird angekündigt, dann verhandelt, dann relativiert.
Für Nutzer hierzulande heißt das erstmal wenig, denn Rechenleistung aus diesen Anlagen gibt es frühestens 2028. Der öffentliche Anteil an der Rechenzeit soll dann an Forschungseinrichtungen, Behörden und KI-Labore gehen, die Betriebskosten tragen die privaten Partner über eigene kommerzielle Dienste. 76 Konsortien hatten vorab Interesse bekundet, weshalb die Kommission ihren ursprünglichen Plan von vier bis fünf Standorten auf sieben aufgestockt hat. Bis Mitte 2028 sind allerdings noch ein paar Modellgenerationen unterwegs.
Quellen
- Europäische Kommission: AI Gigafactories
- Euronews: EU opens call for seven gigafactories to train next-generation AI technologies
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