Google Cloud hat am 12. Juni das Open Knowledge Format vorgestellt, kurz OKF, einen offenen Standard dafür, wie Firmenwissen für KI-Systeme abgelegt wird. Die große Antwort auf das Kontext-Problem der Branche besteht aus, festhalten, einem Ordner voller Markdown-Dateien mit einem kleinen YAML-Kopf obendrauf. Kein neues Laufzeitsystem, kein Pflicht-SDK, keine Plattform. Nur Dateien, die man in jedem Texteditor öffnen kann.
Jede Wissenseinheit, eine Tabelle, eine Kennzahl, ein Runbook, ist eine Datei. Verpflichtend ist genau ein Feld, nämlich type. Dazu kommen optionale Felder wie Titel, Beschreibung, Tags und Zeitstempel, der Rest ist normales Markdown. Die Dateien verlinken sich gegenseitig mit gewöhnlichen Markdown-Links und ergeben so einen Wissensgraphen. Die komplette Spezifikation passt laut Google auf eine einzige Seite. Mitgeliefert werden ein Agent, der ein BigQuery-Dataset abläuft und für jede Tabelle ein OKF-Dokument schreibt, ein HTML-Visualizer und drei fertige Beispiel-Bundles. Wer schon mal mit Obsidian gearbeitet hat oder eine CLAUDE.md im Projekt liegen hatte, erkennt das Muster sofort. Google gießt es nur in eine Norm.
Der Sinn dahinter ist handfest. Heute kramt jeder KI-Agent seinen Kontext jedes Mal neu aus Wikis, Code-Kommentaren, Metadaten-Katalogen und den Köpfen einzelner Entwickler zusammen, und jeder Anbieter kocht dabei sein eigenes Süppchen mit eigenem Format. OKF sagt, das Problem sei kein fehlender Dienst, sondern ein fehlendes Format, das jeder schreiben und jeder lesen kann, ohne Integration. Für alle, die KI in Firmen einbauen, heißt das im besten Fall, dass dasselbe Wissen nicht mehr fünfmal in fünf Werkzeugen gepflegt werden muss. Im schlechtesten Fall ist es ein weiterer Standard mehr.
Es ist Version 0.1, ausdrücklich »ein Startpunkt, kein fertiger Standard«. Und es bleibt die alte Frage, ob ein von Google herausgegebenes »offenes« Format von der Konkurrenz mitgetragen wird oder am Ende doch nur das eigene Ökosystem füttert. Immerhin kostet das Mitmachen diesmal nichts außer einem Texteditor.
Quellen
- Google Cloud Blog: Introducing the Open Knowledge Format
- GitHub: GoogleCloudPlatform/knowledge-catalog, OKF Spezifikation und Beispiele
- The Decoder: Google Cloud’s Open Knowledge Format turns scattered docs into Markdown files for AI agents
- heise online: Open Knowledge Format, AI Knowledge as Markdown Files
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