
Zitate über die griechische Mythologie gibt es reichlich. Denker, Schriftsteller und Künstler haben sich über Jahrhunderte an den alten Geschichten abgearbeitet, und etliche von ihnen haben dabei Sätze formuliert, die selbst fast mythisch geworden sind.
Hier sind 18 davon. Sortiert nach dem, was sie über die griechische Mythologie sagen, nicht nach Wichtigkeit der Autoren. Das wäre ohnehin fragwürdig.
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Philosophen und Denker
Friedrich Nietzsche: »Die Griechen waren die ersten, die den Blick ins Chaos wagten und nicht verzweifelten, die ersten, die die Götter aus dem Chaos schmiedeten.«
Nietzsche sah in der griechischen Mythologie kein hübsches Beiwerk, sondern den Kern westlicher Kultur. Die Griechen schauten hin, wo andere wegschauten. Das beeindruckte ihn.
Friedrich Nietzsche: »Die griechische Heiterkeit ist nur ein Zwischenspiel zwischen zwei Tragödien.«
Gleicher Autor, andere Perspektive. Die Griechen waren nicht heiter trotz der Tragödie, sondern mittendrin. Wer die Philosophen der griechischen Antike kennt, versteht, warum Nietzsche so fasziniert war.
Carl Jung: »Die griechische Mythologie ist voll von Beispielen psychologischer Einsicht.«
Knapp und präzise. Jung fand in den Mythen Archetypen, die das Unbewusste prägen. Der Ödipuskomplex ist nur das bekannteste Beispiel.
Joseph Campbell: »Die Mythen sind die öffentlichen Träume, Träume sind die privaten Mythen.«
Campbell hat mit »Der Heros in tausend Gestalten« gezeigt, dass alle Mythologien im Kern dieselben Geschichten erzählen. Die griechische ist dabei die, die am gründlichsten überliefert wurde.
Jean-Pierre Vernant: »Die Mythen des alten Griechenlands sind wie Fenster, die uns einen Blick in die tiefsten Aspekte des menschlichen Bewusstseins und der sozialen Ordnung gewähren.«
Vernant war Historiker und Anthropologe. Für ihn waren die Mythen keine Unterhaltung, sondern ein Schlüssel zur antiken Gesellschaft.
Dichter und Klassiker
Johann Wolfgang von Goethe: »Alles, was uns von der Antike überliefert wird, ist uns ein Testament, ein Befehl der Bildung, der Tätigkeit und der Kunst.«
Goethe sah in der Antike das Maß aller Dinge. Seine eigenen Werke sind voll von antiken Bezuegen, von der Iphigenie bis zum Faust.
Victor Hugo: »Die Griechen sind die Ersten, die gesagt haben: Der Mensch ist schön, und die Welt ist schön, und ihre Götter sind die Verkörperung dieser Schönheit.«
Hugo bringt auf den Punkt, was die griechische Mythologie von vielen anderen unterscheidet: Ihre Götter sind keine fernen Wesen, sondern Spiegelbilder menschlicher Schönheit und menschlicher Schwächen.
Thomas Mann: »Der Mythos ist das stehende Wunder der Menschheit, die ewige Wiederkunft des Bedeutungsvollen.«
Die ewige Wiederkunft. Mann kannte seinen Nietzsche.
Albert Camus: »Ich liebe die griechischen Götter. Sie waren keine moralischen Götter, sie waren menschliche Götter, die die menschlichen Schwächen lebten und sie zu etwas Göttlichem machten.«
Camus, der den Sisyphos-Mythos zum Kern seiner Philosophie machte, schätzte an den griechischen Göttern ihre Fehlbarkeit. Sie waren nicht perfekt. Das machte sie plausibel.
Kazantzakis Nikos: »Ich sagte zu dem Alten Mann: ›Zähle mir die Lehrer auf, die du hattest.‹ Er sagte: ›Die größten Lehrer sind die griechischen Dichter. Von ihnen lernte ich, dass der Mensch, wenn er leidet, tiefer lebt und sich weiter entwickelt.‹«
Der Autor von »Alexis Sorbas« wusste, wovon er sprach. Die griechischen Dichter der Antike haben das Leid nicht beschoenigt, sondern zum Thema gemacht.
Moderne Stimmen
Edith Hamilton: »Die griechische Mythologie beginnt mit Homer, der den Olymp vorstellt als einen Ort der Vollkommenheit und Ruhe, bewohnt von Göttern, die über menschliche Schwächen und Sorgen erhaben sind.«
Hamilton schrieb 1942 das Standardwerk »Mythology«, das bis heute in amerikanischen Schulen gelesen wird. Ihr Blick auf die Mythologie war warmherzig und klar.
James Joyce: »Die griechische Mythologie ist voll von Geschichten von Menschen, die versuchen, den Göttern nahe zu sein, und dadurch in alle Arten von Schwierigkeiten geraten.«
Joyce hat mit dem »Ulysses« einen ganzen Roman auf der Odyssee aufgebaut. Er wusste, dass die alten Geschichten auch im modernen Dublin funktionieren.
Roberto Calasso: »Die Mythen Griechenlands sind kein bloßes Ornament des Geistes. Sie sind die dramatische Darstellung einer ständigen geistigen Aktivität, die das Fundament unserer Zivilisation bildet.«
Calassos »Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia« ist womoeglich das schönste Buch über die griechische Mythologie, das je geschrieben wurde.
Richard P. Martin: »Die griechische Mythologie lehrt uns, dass die Götter uns vielleicht ähneln und unsere Gebete hören, aber sie werden immer ihre eigenen, unergründlichen Wege gehen.«
Martin ist Altphilologe in Stanford. Sein Punkt: Die Götter sind nicht für uns da. Sie haben ihre eigenen Pläne. Das macht die Geschichten der griechischen Mythologie so unberechenbar.
Neil Gaiman: »Die griechischen Mythen sind voller Schönheit, Tragödie, menschlicher Schwäche; sie erzählen uns, dass die Götter, so mächtig sie sind, genauso fehlbar sind wie wir.«
Gaiman hat mit »Nordische Mythologie« bewiesen, dass sich alte Göttergeschichten noch immer erzählen lassen, ohne verstaubt zu klingen.
Madeline Miller: »In der griechischen Mythologie sind die Geschichten nicht nur Geschichten, sondern auch eine Art, die Welt und unseren Platz darin zu verstehen.«
Miller hat mit »Circe« und »Das Lied des Achill« zwei der erfolgreichsten Mythologie-Romane der letzten Jahre geschrieben.
Margaret Atwood: »Die griechische Mythologie bietet uns eine Linse, durch die wir die unveränderlichen Muster menschlichen Verhaltens und menschlicher Emotionen betrachten können.«
Atwood hat mit »Die Penelopiade« die Odyssee aus der Perspektive von Penelopes erzählt. Ihr Blick auf die alten Geschichten war immer auch ein feministischer.
J.K. Rowling: »Ich habe immer gedacht, dass die griechische Mythologie die dunkelste und zugleich die faszinierendste von allen war; sie hat sicherlich meinen eigenen Schreibstil beeinflusst.«
Wer bei Harry Potter genauer hinsieht, findet Cerberus (Fluffy), den Phönix und reichlich antike Namensgeber.
Wie verlässlich sind diese Zitate?
Ein Hinweis zur Ehrlichkeit: Nicht alle dieser Zitate lassen sich zweifelsfrei auf eine konkrete Quelle zurückführen. Bei Nietzsche, Goethe und Thomas Mann ist die Zuordnung gesichert. Bei anderen, insbesondere bei lebenden Autoren, kursieren im Internet zahlreiche Zuschreibungen, die sich nicht immer belegen lassen. Ich habe die Zitate nach bestem Wissen ausgewählt. Wenn du eine exakte Quellenangabe brauchst, lohnt sich eine Gegenprüfung im jeweiligen Werk.
Was bleibt: Die griechische Mythologie bewegt Menschen seit fast dreitausend Jahren. Die Geschichten ändern sich nicht. Die Deutungen schon.
