
Okeaniden waren in der griechischen Mythologie die Töchter des Okeanos und der Tethys. Zwei Titanen, die gemeinsam die Gewässer der Welt personifizierten. Okeanos galt als der Gott des großen Flusses, der die Erde umfließt, Tethys war seine Schwester und Gemahlin.
Die Okeaniden repräsentierten die personifizierten Geister von Flüssen, Quellen, Bächen und anderen Gewässern. Sie gehörten zur großen Familie der Nymphen und waren mit Fruchtbarkeit, Reinigung und der Ernährung der Erde verbunden.
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Inhaltsverzeichnis
Die Verbindung zum heutigen Wort Ozean
Dass wir heute von Ozeanen sprechen, liegt an Okeanos. Sein griechischer Name (Ὠκεανός) wurde über das Lateinische »Oceanus« in die europäischen Sprachen übernommen. Aus dem titanischen Gott des Weltflusses wurde ein Allgemeinbegriff für die großen Salzwassermassen des Planeten.
Die etymologische Entwicklung spiegelt, wie so vieles in unserer Sprache, die Übernahme griechischer Mythologie durch die Römer und später durch ganz Europa wider. Vom personifizierten Fluss zum geographischen Begriff. Im Kern eine typische Bedeutungsverschiebung.
Okeanos, der Titan
Okeanos wird in den antiken Quellen als mächtige, ältere Gestalt beschrieben, manchmal mit langem Bart und Haaren, die die Fließbewegung des Wassers andeuten sollen. In der Kunst trägt er häufig Attribute, die seine Herrschaft über das Wasser symbolisieren: eine Krone, ein Zepter mit Meeresmotiven. Eine besondere Eigenheit sind Fisch- oder Schlangenschwänze als Unterkörper.
Detaillierte Beschreibungen seines Aussehens sind allerdings selten. Okeanos gehörte nicht zu den Protagonisten der griechischen Mythen. Er war eher Kulisse, die stille Macht im Hintergrund. Während Zeus und Poseidon sich Schlachten lieferten, floss Okeanos einfach weiter.

Okeanos
Liste bekannterer Okeaniden
Die Zahl der Okeaniden variiert je nach Quelle. Hesiod nennt 41 mit Namen, spricht aber von insgesamt 3.000. Hier sind die bekanntesten:
- Metis verkörperte Weisheit und Klugheit. Sie war die erste Gemahlin des Zeus, der sie verschlang, als er erfuhr, dass ihr Sohn ihn stürzen würde. Aus seinem Kopf entsprang daraufhin Athene.
- Styx personifizierte den gleichnamigen Fluss der Unterwelt. Bei ihrem Wasser schwören die Götter ihre heiligsten Eide. Wer einen solchen Schwur brach, verlor für neun Jahre die Stimme.
- Doris war mit den reichen Fischgründen des Meeres verbunden. Zusammen mit dem Meeresgott Nereus brachte sie die fünfzig Nereiden hervor.
- Eurynome galt als Göttin der Anmut. Mit Zeus zeugte sie die drei Grazien, die Chariten.
- Asia wurde manchmal als Personifikation des Kontinents Asien angesehen. Die Namensherkunft ist allerdings umstritten.
- Dione gilt in einigen Quellen als Mutter der Aphrodite durch Zeus.
- Elektra war Mutter von Iris, der Göttin des Regenbogens, und in einigen Erzählungen auch der Harpyien.
- Kallirrhoe trägt einen sprechenden Namen: »die Schönfließende«. Sie war mit einem Fluss oder einer Quelle verbunden.
- Klymene war in einigen Mythen die Mutter des Prometheus und des Epimetheus durch den Titanen Iapetos.
- Perseis war Mutter von Kirke und Aietes, was ihre Verbindung zur Zauberei unterstreicht.
- Pleione brachte die Plejaden hervor, die sieben Schwestern, die als Sternbild bekannt sind.
Die Liste ist nicht vollständig. Zahlreiche weitere Okeaniden personifizieren weniger bekannte Flüsse, Quellen und natürliche Phänomene.

Doris
Was blieb von den Okeaniden?
Die Geschichten über die Okeaniden variieren je nach lokaler Tradition und literarischer Quelle. In der antiken Kunst traten sie häufig als Begleiterinnen anderer Götter und Göttinnen auf, darunter Artemis und Hera. Das sagt womöglich weniger über die Okeaniden als über die kulturelle Bedeutung des Wassers in der antiken griechischen Gesellschaft.
Wasser war für die Griechen nicht einfach eine Ressource. Es war heilig, gefährlich, belebt. Jede Quelle hatte einen Namen, jeder Fluss eine Geschichte. Dass sie 3.000 Okeaniden erfanden, um das alles zu personifizieren, ist im Grunde konsequent.
Die KI-generierten Abbildungen in diesem Artikel stammen von DALL-E und Bing. Was darin abgebildet ist, existiert in der realen Welt nicht.