37 englische Begriffe, die überraschenderweise zur Bildungssprache zählen

Englische Begriffe, die überraschenderweise zur Bildungssprache gehören

Common Sense, Understatement, Dandy – manche englische Wörter sind so selbstverständlich ins Deutsche eingewandert, dass wir ihre Herkunft kaum noch bemerken. Andere klingen nach einer Zeit, in der man noch Five o’Clock Tea sagte und Dandys die Boulevards bevölkerten.

Was viele nicht wissen: Etliche dieser Begriffe gehören zum Kanon der Bildungssprache. Sie kamen größtenteils vor den beiden Weltkriegen ins Deutsche, als die britische Kultur in den gebildeten Schichten Europas hohes Ansehen genoss. Manche sind längst Allgemeingut geworden, andere wirken heute fast exotisch – und gerade deshalb reizvoll.

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Diese Liste versammelt 37 englische Begriffe, die zur deutschen Bildungssprache zählen. Keine Anglizismen aus der Tech-Welt, kein Business-Sprech. Sondern Wörter mit Geschichte, Klang und einer gewissen Eleganz.

Die Liste

  1. Appeal – Reiz, Anziehungskraft. Ein Film hat Appeal, ein Argument auch. Der Begriff transportiert mehr als das deutsche »Anziehung«, er enthält eine Nuance von Charisma.
  2. Background – der soziale, kulturelle oder persönliche Hintergrund einer Person. Oft verwendet, wenn es um Herkunft und Prägung geht.
  3. charming – charmant, bezaubernd. Im Deutschen als Adjektiv gebraucht, wenn »charmant« zu französisch klingt.
  4. Common Sense – gesunder Menschenverstand. Der Ausdruck wirkt prägnanter als sein deutsches Pendant und wird gern in Debatten eingesetzt.
  5. Dandy – jemand, der sich durch extravagante Kleidung und bewusst kultivierte Manieren auszeichnet. Mehr als ein Geck – ein Lebensstil.
  6. Downshifting – die bewusste Reduzierung von Arbeitszeit oder Verantwortung zugunsten einer besseren Lebensqualität. Ein Gegenentwurf zur Karriereleiter.
  7. Drive – Antrieb, Tatendrang. Wer Drive hat, bewegt Dinge. Kompakter und dynamischer als »Motivation«.
  8. Egghead – ein Intellektueller, manchmal liebevoll, manchmal spöttisch gemeint. Im Deutschen gelegentlich als »Eierkopf« übersetzt.
  9. Elder Statesman – ein erfahrener, älterer Politiker oder Staatsmann, der über die Tagespolitik hinaus Einfluss und Ansehen genießt.
  10. Everybody’s Darling – jedermanns Liebling. Klingt harmlos, ist aber meistens ironisch gemeint: Wer allen gefallen will, hat kein Profil.
  11. fashionabel – modisch-elegant, dem guten Geschmack entsprechend. Ein Wort, das selbst ein wenig fashionabel klingt.
  12. Five o’Clock Tea – die britische Teestunde am späten Nachmittag. Als Begriff steht er für eine ganze Kultur der Zivilisiertheit.
  13. Ghostwriter – jemand, der im Auftrag und im Namen einer anderen Person schreibt. In der Politik und bei Prominenten verbreiteter, als man denkt.
  14. Happy Few – die wenigen Glücklichen. Geht auf Shakespeare zurück (»Henry V«) und meint eine kleine, privilegierte Gruppe.
  15. Highbrow – intellektuell anspruchsvoll, hochkulturell. Das Gegenteil: Lowbrow. Wird gern in Feuilletons verwendet.
  16. last, not least – zu guter Letzt, aber keineswegs unwichtig. Eine der meistgebrauchten englischen Wendungen im Deutschen.
  17. Lobby – eine Interessengruppe, die politischen Einfluss ausübt. Ursprünglich die Vorhalle eines Parlaments, in der Abgeordnete angesprochen wurden.
  18. Midlifecrisis – die Lebenskrise in der Lebensmitte. Existenzielle Fragen nach Sinn und verpassten Chancen, oft zwischen 40 und 55.
  19. Namedropping – das beiläufige Erwähnen bekannter Namen, um den eigenen Status aufzuwerten. Eine Kunst, die schnell durchschaut wird.
  20. New Look – ein neuer modischer Stil oder Trend. Geprägt durch Christian Diors revolutionäre Kollektion von 1947.
  21. Nobility – Adel, im übertragenen Sinn auch Vornehmheit und Edelmut.
  22. Nonfiction – Sachliteratur, im Gegensatz zu Fiction (erzählende Literatur). In der Verlagswelt ein Standardbegriff.
  23. Outcast – ein Ausgestoßener, jemand, der aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurde. Stärker als »Außenseiter«.
  24. Outlaw – ein Gesetzloser. Im übertragenen Sinn: jemand, der sich bewusst außerhalb gesellschaftlicher Normen stellt.
  25. Outsider – der Außenseiter. Weniger hart als Outcast, weniger romantisch als Outlaw. Jemand, der nicht zur Mehrheit gehört.
  26. overdressed – zu schick oder zu formell gekleidet für den Anlass. Das Gegenteil: underdressed.
  27. Pidgin-English – eine vereinfachte Form des Englischen, die als Verständigungssprache zwischen Sprechern verschiedener Muttersprachen entstanden ist.
  28. Rollback – die Rücknahme einer Entscheidung oder Entwicklung. In Politik und Wirtschaft gebräuchlich, wenn etwas rückgängig gemacht wird.
  29. Showdown – die entscheidende Auseinandersetzung, der finale Konflikt. Aus dem Western in die Alltagssprache gewandert.
  30. Smalltalk – leichte, unverbindliche Konversation. Eine soziale Fertigkeit, die unterschätzt wird.
  31. sophisticated – kultiviert, raffiniert, auf hohem Niveau. Eines der wenigen englischen Adjektive, die im deutschen Bildungsbürgertum heimisch geworden sind.
  32. Splendid Isolation – die »glorreiche Isolation«. Ursprünglich ein Begriff für die britische Außenpolitik des 19. Jahrhunderts, heute allgemein für bewusste Abschottung.
  33. Tycoon – ein mächtiger Industriemagnat oder Geschäftsmogul. Das Wort stammt ursprünglich aus dem Japanischen (taikun, großer Herrscher).
  34. Underdog – derjenige, dem man wenig zutraut, der in einer ungünstigen Position startet. Häufig in Sport und Politik.
  35. underdressed – zu lässig oder nicht formell genug gekleidet für den Anlass. Das Gegenstück zu overdressed.
  36. Underground – der Untergrund, sowohl wörtlich als auch im Sinne subkultureller Bewegungen. Kunst, Musik, Widerstand – alles, was unter der Oberfläche brodelt.
  37. Understatement – die bewusste Untertreibung. Typisch britisch, wirkt elegant und lässt Raum für eigene Schlüsse.

Sprache ist durchlässig. Was im 19. Jahrhundert als feines Englisch in die deutschen Salons kam, wirkt heute manchmal altmodisch, manchmal erstaunlich aktuell. Wer diese Begriffe kennt und gezielt einsetzt, bereichert seinen Wortschatz um eine Schicht, die weder alltäglich noch übertrieben ist. Mehr zur Bildungssprache aus anderen Sprachen gibt es in den Artikeln über lateinische Phrasen und französische Begriffe in der Bildungssprache.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage

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