Sokratische Methode trifft KI: 15 smarte Lernhacks & Prompts, die dein Lernen revolutionieren

Sokratische Methode trifft KI: 15 Lernansätze und Prompts

Die sokratische Methode ist über 2.400 Jahre alt und funktioniert noch immer: Durch gezieltes Fragen zum tieferen Verständnis gelangen. Was Sokrates mit seinen Schülern auf der Agora praktizierte, lässt sich heute mit KI fortführen.

Die folgenden 15 Ansätze zeigen, wie man die Fragetechnik mit ChatGPT, Claude & Co. kombiniert. Am Ende findest du fertige Prompts zum Kopieren.

  1. Die KI als Sokrates: Die KI bitten, Gegenfragen zu stellen, Annahmen zu hinterfragen und zum Nachdenken anzuregen. Statt einfacher Antworten entsteht ein Dialog, der kritisches Denken fördert und tiefer in die Materie führt.
  2. Drei Stufen des Verstehens: Das Verständnis systematisch vertiefen. Stufe 1: Fragen zum Basiswissen. Stufe 2: Zusammenhänge erklären lassen. Stufe 3: Komplexe Sachverhalte diskutieren. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf.
  3. Frage-Antwort-Ketten: Eine Frage stellen, die Antwort hinterfragen, die KI elaborieren lassen. Dieser Wechsel erzeugt einen sokratischen Dialog, bei dem sich das Verständnis schrittweise vertieft.
  4. Annahmen prüfen: Die KI Behauptungen aufstellen lassen und Gegenargumente finden. Je mehr man hinterfragt, desto klarer werden die Grundlagen eines Arguments – und seine Schwachstellen.
  5. Einfach erklären: Wer ein Thema wirklich verstanden hat, kann es auch einem Kind erklären. Die KI stellt Fragen, man antwortet in einfachen Worten. Was man nicht einfach erklären kann, hat man noch nicht verstanden.
  6. Fehler aufspüren: Auch KI macht Fehler. Das Aufspüren von Ungereimtheiten in ihren Antworten trainiert die Aufmerksamkeit fürs Detail und festigt das eigene Wissen.
  7. Mit Analogien arbeiten: Analogien helfen, Neues zu verstehen. Die KI bitten, Analogien zu komplexen Konzepten zu liefern. Umgekehrt: fragen, welches Konzept sich hinter einer Analogie verbirgt. So entstehen Brücken zwischen Bekanntem und Unbekanntem.
  8. Eselsbrücken generieren: Die KI kreative und ungewöhnliche Merkhilfen erfinden lassen. Je absurder die Eselsbrücke, desto besser bleibt sie im Gedächtnis haften.
  9. Die Warum-Kette: Eine Frage stellen und jede Antwort dreimal mit »Warum?« hinterfragen. So gelangt man zum Kern einer Sache – oder entdeckt, dass der Kern noch nicht erreicht ist.
  10. Ungewöhnliche Perspektiven: Die KI eine These aufstellen lassen und ungewöhnliche Argumente dafür oder dagegen finden. Je ausgefallener die Perspektive, desto mehr wird das Denken herausgefordert.
  11. Strukturen freilegen: Komplexe Inhalte haben oft eine verborgene Struktur. Immer weiter nach der übergeordneten Ordnung fragen, bis das Skelett eines Themas sichtbar wird.
  12. Den Experten simulieren: Die KI als Fachexperten ansprechen und ihr die Fragen stellen, die man einem echten Experten stellen würde. Das zwingt dazu, die richtigen Fragen zu formulieren – was oft der schwierigste Teil ist.
  13. Gedankenexperimente: Mit der KI spekulieren, was passieren würde, wenn eine Voraussetzung nicht mehr gälte. »Was wäre, wenn es keine Schwerkraft gäbe?« Solche Experimente trainieren vernetztes Denken.
  14. Lückentexte erstellen: Die KI einen Lückentext zum Lernstoff generieren lassen. Statt passiv zu lesen, muss man aktiv nachdenken. Anschließend die Lösungen prüfen lassen.
  15. Wissen spiegeln lassen: Die KI in regelmäßigen Abständen fragen, was man schon alles über ein Thema weiß. Sie spiegelt das Wissen zurück und zeigt, wo noch Lücken bestehen.

Einige dieser Ansätze – wie Eselsbrücken oder Lückentexte – gehen über die klassische sokratische Methode hinaus. Sie nutzen aber dasselbe Prinzip: aktives Lernen durch Fragen statt passives Aufnehmen von Informationen.

Promptsammlung

Die folgenden Prompts lassen sich direkt in ChatGPT oder Claude kopieren. Ersetze »[Thema]« durch dein Lerngebiet.

Lass uns über [Thema] diskutieren, als wären wir Sokrates und sein Schüler. Stelle mir tiefgründige Fragen, hinterfrage meine Annahmen und fordere mich heraus, meine Ansichten zu begründen. Hilf mir, durch diesen Dialog ein tieferes Verständnis zu erlangen.
Ich möchte mein Verständnis von [Thema] in drei Stufen vertiefen: beginnend mit Grundlagenfragen, über die Erklärung von Zusammenhängen bis zur Diskussion komplexer Sachverhalte. Führe mich durch diese Stufen.
Ich stelle dir eine Frage zu [Thema], du antwortest. Dann hinterfrage ich deine Antwort und du vertiefst sie. Wir machen so lange weiter, bis ich das Gefühl habe, die Thematik wirklich durchdrungen zu haben.
Stelle mir Fragen zu [Thema] und ich werde versuchen, sie zu beantworten, als würde ich einem Zehnjährigen die Sache erklären. Gib mir Feedback, ob meine Erklärungen einfach und verständlich genug sind.
Erfinde kreative Eselsbrücken und Analogien, die mir helfen, [Thema/Fachbegriff] zu verstehen und zu merken. Je ungewöhnlicher, desto besser.
Ich stelle dir eine Einstiegsfrage zu [Thema]. Du beantwortest sie und ich hinterfrage deine Antwort dreimal mit »Warum?«. So kommen wir zum Kern der Sache.
Hilf mir, die Struktur von [Thema] freizulegen. Gib mir eine Einstiegsfrage und wir fragen dann immer weiter nach der übergeordneten Ordnung, bis wir das Grundgerüst erreicht haben.
Du bist ein führender Experte für [Thema]. Ich darf dir alle Fragen stellen, die ich schon immer über das Thema wissen wollte. Welche Einsichten kannst du mir geben?
Lass uns Gedankenexperimente zu [Thema] machen. Was wäre, wenn [Annahme/Voraussetzung] nicht mehr gelten würde? Wozu würde das führen?
Erstelle einen Lückentext zu [Thema], bei dem die wichtigsten Fachbegriffe fehlen. Ich fülle die Lücken und du sagst mir, ob es richtig war.

Diese Prompts sind Ausgangspunkte. Sie lassen sich an das jeweilige Thema und den eigenen Lernstil anpassen. Die sokratische Methode lebt vom Experimentieren – das gilt auch für ihre moderne Variante mit KI.

Sokratische Methode trifft KI: smarte Lernhacks & Prompts, die dein Lernen revolutionieren

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage