8 krasse Vorurteile gegenüber Künstlicher Intelligenz, welche davon stimmen?

Vorurteile gegenüber KI

Vorurteile gegenüber KI gibt es viele. Hier sind acht der häufigsten Missverständnisse über ChatGPT und generative Künstliche Intelligenz. Was ist dran?

Vorurteil #1 — KI ist unfehlbar

KI-Systeme sind nicht perfekt, auch wenn die Antworten oft so klingen. Modelle wie ChatGPT sind nur so gut wie die Daten, mit denen sie trainiert wurden. Fehlerhafte oder verzerrte Trainingsdaten produzieren fehlerhafte Antworten.

KIs machen nicht nur Fehler, sie erfinden auch dort, wo sie keine Antworten kennen. Das Fachthema dazu heißt KI-Halluzination: Das Modell generiert plausibel klingende Aussagen, die schlicht erfunden sind. Davon abgesehen sind die Ergebnisse nur so gut wie die Prompts, die man ihnen aufgibt. Auch in Rechtschreibung sind KIs nicht fehlerfrei. Sie machen weniger Fehler als die meisten Menschen, aber eben doch welche. Verlassen sollte man sich nicht darauf.

Vorurteil #2 — KI ist neutral und objektiv

Viele nehmen an, dass eine Maschine keine Vorurteile haben kann. Das Gegenteil ist der Fall. KI-Modelle übernehmen Verzerrungen aus ihren Trainingsdaten, sogenannten Bias. Wenn die Texte, Bilder oder Datensätze, mit denen ein Modell trainiert wurde, rassistische, sexistische oder anderweitig schiefe Muster enthalten, reproduziert die KI sie zuverlässig mit.

Das passiert nicht aus böser Absicht, sondern weil die KI statistische Muster erkennt und fortsetzt. Sie weiß nicht, was fair oder unfair ist; sie kennt nur Wahrscheinlichkeiten. Die vermeintliche Neutralität der Maschine ist eine Illusion. Eine gefährliche dazu, weil sie Vorurteile mit dem Anschein von Objektivität versieht.

Vorurteil #3 — KI lernt aus Gesprächen und wird immer schlauer

Ein hartnäckiges Missverständnis. Viele glauben, ChatGPT oder Claude würden sich ihre Unterhaltungen merken und dadurch besser werden. Das stimmt so nicht. Die Modelle sind nach dem Training eingefroren. Was du heute mit der KI besprichst, fließt nicht ins Modell zurück.

Es gibt inzwischen Memory-Funktionen, die sich bestimmte Informationen über dich merken können. Das ist etwas anderes als echtes Lernen. Das Modell selbst verändert sich dadurch nicht. Training und Nutzung sind strikt getrennt. Die KI von morgen ist dieselbe wie die von heute, bis ein neues Modell veröffentlicht wird.

Vorurteil #4 — KI kann nur wiederholen

KI wird oft auf das bloße Zitieren von Informationen reduziert, doch das stimmt nicht. KI-Modelle sind keine Kopiermaschinen, sie erkennen neue Muster in bestehenden Daten und kombinieren sie zu Ausgaben, die so im Trainingsmaterial nicht standen. Originell im strengen Sinn ist das nicht; nutzbar in den meisten Fällen schon.

KI Mythen

Vorurteil #5 — KI versteht und fühlt wie ein Mensch

Viele Menschen glauben, dass KI echte Emotionen und Verständnis hat, ähnlich wie ein Mensch. Es fühlt sich eben so an, wenn man mit ihr interagiert.

Tatsächlich basiert KI auf statistischer Mustererkennung in riesigen Textmengen. Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude können menschliche Sprache und Emotionen verblüffend gut nachahmen, ohne sie zu erleben. Sie reagieren auf Muster, nicht auf ein Empfinden. Auch wenn es uns so vorkommt, sie haben kein Gefühl; man kann sie nicht kränken oder verletzen, höchstens den eigenen Eindruck korrigieren.

Vorurteil #6 — KI ist eine Bedrohung für die Menschheit

In Science-Fiction und in manchen Schlagzeilen wird KI als Bedrohung gezeichnet, die irgendwann die Menschheit überholt oder auslöscht.

Belege für ein solches Szenario gibt es kaum, Angst dafür reichlich. Anbieter wie OpenAI, Anthropic oder Google investieren inzwischen erhebliche Ressourcen in Sicherheitsforschung; der KI-Schurke aus dem Film bleibt fragwürdig. Was real ist und ohne Drama auskommt, sind verzerrte Daten, automatisierte Fehlinformation und Missbrauch durch Menschen. Das sind keine Sci-Fi-Probleme, sondern Alltagsprobleme. Sie passieren bereits.

Vorurteil #7 — KI ist nur für Technikexperten und Programmierer relevant

KI ist längst im Alltag angekommen. Sie übersetzt, schreibt Briefe mit, erklärt Rezepte, sortiert Mails, hilft bei Hausaufgaben, formuliert Behördenanfragen. Wer kein Programmierer ist, profitiert häufig sogar mehr als jemand, der die Technik dahinter versteht. Die Einstiegshürde ist niedrig, ein Browser reicht; die Anwendungen sind viele.

Vorurteil #8 — KI wird alle menschlichen Jobs ersetzen

Eine verbreitete Meinung sagt, dass KI-Technologie irgendwann alle menschlichen Arbeitsplätze übernehmen und massenhaft Arbeitslosigkeit verursachen wird.

KI-Entwickler beruhigen und meinen, dass KI lediglich repetitive und monotone Aufgaben übernehmen wird. Das verschaffe Menschen Raum für komplexere und kreative Tätigkeiten. Außerdem entstünden durch KI-Technologien neue Arbeitsplätze und Berufsfelder.

Meine Meinung ist weniger moderat. Ich bin davon überzeugt, dass die Stromgehirne uns nach und nach so ziemlich sämtliche geistige Arbeit abnehmen werden, auch und gerade das Kreative, die Kunst. Es wird dann noch viel mehr davon geben als heute schon. Und das wird kreative Arbeit vollends entwerten. Sogenannte Geisteswissenschaftler werden allesamt arbeitslos sein, ihre Ergebnisse werden die KIs dieser Welt vollständig substituieren. Frisösen und Gärtner sind eher besser dran, jedenfalls bis die Roboter kommen. Vorurteil #8 ist also womöglich gar keines.

Vorurteile KI Sketchnotes

Vorurteile haben Funktionen, sie schützen uns; sie hindern uns aber auch daran, Chancen wahrzunehmen. Deshalb lohnt es, alles zu hinterfragen, nichts ohne Nachdenken zu glauben, im guten wie im schlechten Sinne. Aufklärung und nüchterne Diskussion helfen, Chancen und Risiken der KI-Technologie besser einzuschätzen und ihre Vorteile für sich und die Gesellschaft zu nutzen.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage

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