Die Schlacht bei Marathon: Wie Athen einst die Perser bezwang

Die Schlacht bei Marathon, Darstellung der Phalanx

Die Schlacht bei Marathon im Jahr 490 v. Chr. war der Moment, in dem sich Athen gegen das Perserreich behauptete. Eine Handvoll Hopliten gegen die Streitmacht eines Weltreichs. Der Ausgang war alles andere als sicher.

Zehn Jahre später folgten die Thermopylen und Salamis, die bekannteren Schlachten der Perserkriege. Aber Marathon war der Anfang. Hier zeigte sich zum ersten Mal, dass die Griechen auf eigenem Boden bestehen konnten. Das hatte vorher niemand für möglich gehalten. Jedenfalls fast niemand.

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Warum die Perser kamen

Alles begann mit dem Ionischen Aufstand. Um 500 v. Chr. rebellierten griechische Städte an der Westküste Kleinasiens gegen die persische Herrschaft. Athen und die kleine Stadt Eretria auf Euböa schickten Schiffe zur Unterstützung. Der Aufstand scheiterte, aber Dareios I., der persische Großkönig, vergaß die Einmischung nicht.

Der antike Historiker Herodot berichtet, Dareios habe sich von einem Diener täglich dreimal an die Athener erinnern lassen. Ob das stimmt oder spätere Ausschmückung ist, sei dahingestellt. Die Strafexpedition kam jedenfalls. 490 v. Chr. setzte ein persisches Heer unter den Feldherren Datis und Artaphernes über die Ägäis, zerstörte Eretria und landete in der Ebene von Marathon, rund 40 Kilometer nordöstlich von Athen.

An Bord war auch Hippias, der frühere Tyrann von Athen, der auf seine Rückkehr an die Macht hoffte. Man könnte sagen: Die Perser brachten gleich den Ersatz-Herrscher mit.

Griechische Hopliten in der Phalanx, Schlacht bei Marathon

Die Schlacht bei Marathon im Verlauf

Die Athener standen vor einer einfachen Rechnung: Ihr Heer umfasste etwa 9.000 bis 10.000 Hopliten, dazu rund 1.000 Verbündete aus dem kleinen Platäa. Die persische Streitmacht war deutlich größer, die Schätzungen gehen auseinander, Herodot nennt keine exakte Zahl. Moderne Historiker rechnen mit 20.000 bis 30.000 Persern.

Sparta hatte man um Hilfe gebeten. Ein Bote namens Pheidippides lief die knapp 250 Kilometer nach Sparta in zwei Tagen. Die Spartaner sagten zu, könnten aber wegen eines religiösen Fests erst nach dem nächsten Vollmond aufbrechen. Die Athener mussten allein kämpfen.

Der athenische Stratege Miltiades, der die Perser aus seiner Zeit in Thrakien kannte, entwickelte den Angriffsplan. Er verstärkte die beiden Flügel seiner Phalanx und nahm in Kauf, dass das Zentrum dünner besetzt war. Als das Signal kam, stürmten die Athener im Laufschritt auf die persischen Linien zu, eine ungewöhnliche Taktik, die den Beschuss durch Bogenschützen minimierte.

Im Zentrum drängten die Perser die Athener zurück. Aber die verstärkten Flügel überflügelten die persischen Linien, schwenkten nach innen und schlossen die persische Mitte ein. Die Formation brach zusammen, die Perser flohen zu ihren Schiffen. Laut Herodot fielen 6.400 Perser, die Athener verloren 192 Mann, darunter den Polemarch Kallimachos. Sieben persische Schiffe wurden erbeutet.

Das sind Herodots Zahlen, und sie sind womöglich überlieferungsbedingt verzerrt. Aber selbst wenn man sie relativiert: Die Verluste waren extrem asymmetrisch.

Wer bei Marathon kämpfte

NameSeiteRolle
MiltiadesAthenStratege, Architekt des Schlachtplans
KallimachosAthenPolemarch (Kriegsherr), fiel in der Schlacht
Dareios I.PersienGroßkönig, ordnete die Expedition an (nicht persönlich anwesend)
DatisPersienFeldherr, leitete den Angriff
ArtaphernesPersienZweiter Feldherr, Neffe des Dareios
HippiasPersienEhemaliger Tyrann Athens, Berater der Perser
PheidippidesAthenBote nach Sparta (und Namensgeber einer Legende)

Im Kern war Marathon eine Sache der Athener. Nur die kleine Stadt Platäa schickte Truppen. Die Spartaner kamen zu spät, trafen erst nach der Schlacht ein und konnten nur noch die Toten besichtigen.

Die Legende vom Marathonlauf

Hier wird es kompliziert. Die Geschichte, die jeder kennt, geht so: Ein Bote rannte die rund 40 Kilometer von Marathon nach Athen, rief »Wir haben gesiegt!« und brach tot zusammen. Diese Erzählung inspirierte den modernen Marathonlauf, der seit 1896 Teil der Olympischen Spiele ist.

Nur: Herodot, die wichtigste Quelle, erwähnt diesen Lauf nicht. Er berichtet von Pheidippides, der vor der Schlacht nach Sparta lief, nicht nach der Schlacht nach Athen. Erst Plutarch, rund 600 Jahre später, schreibt von einem Boten, der nach dem Sieg nach Athen rannte und mit den Worten »Chairete, nikômen« (Χαίρετε, νικῶμεν, »Freut euch, wir siegen!«) zusammenbrach.

Historisch plausibel ist eher, dass das athenische Heer nach dem Sieg im Eilmarsch zurück nach Athen zog, weil die persische Flotte die Stadt direkt angreifen konnte. Was vermutlich auch passierte. Als die Perser vor Athen ankamen, stand dort bereits die Phalanx. Sie segelten ab.

Die Legende ist trotzdem schön. Und sie funktioniert seit über 2.500 Jahren.

Was nach Marathon geschah

Miltiades, der Held von Marathon, fiel schnell in Ungnade. Ein Jahr später führte er einen gescheiterten Feldzug gegen die Insel Paros, wurde verwundet, in Athen angeklagt und zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Er starb kurz darauf an seiner Wunde. Athen war nicht sentimental mit seinen Generalen.

Die Perser kamen zehn Jahre später zurück. Dareios‘ Sohn Xerxes brachte diesmal ein Heer, das die griechische Welt in ihrer Existenz bedrohte. Es folgten die Thermopylen, Salamis und Platäa. Marathon war womöglich die wichtigste dieser Schlachten, weil sie den Griechen zeigte, dass ein Sieg möglich war. Zehn Jahre früher hätte das kaum jemand geglaubt.

Griechische Krieger bei Marathon

Griechische Krieger. KI-generierte Illustration.

Warum Marathon bis heute nachwirkt

Die Schlacht bei Marathon wurde schon in der Antike zum Gründungsmythos überhöht. Die Athener stilisierten sie zum Beweis, dass ihre Demokratie der persischen Monarchie überlegen sei. Ob das als Analyse trägt, ist eine andere Frage. Aber als Erzählung hat es funktioniert.

Das Grab der 192 gefallenen Athener, der Soros, ist heute noch in der Ebene von Marathon zu sehen. Ein Hügel, rund zehn Meter hoch. Normalerweise wurden die Toten nach Athen gebracht. Dass man sie am Ort der Schlacht bestattete, zeigt, welche Bedeutung man dem Sieg beimaß.

Wer sich für die Feldherren und Krieger der griechischen Antike interessiert, findet eine ausführliche Übersicht auf dieser Seite. Und wer die Nachwirkungen des antiken Griechenland insgesamt verstehen will, wird dort fündig.

Was Herodot nicht erzählt

Herodots Bericht ist die mit Abstand wichtigste Quelle, aber er schrieb Jahrzehnte nach den Ereignissen und verfolgte eigene Absichten. Einige Details, die in seinem Bericht fehlen oder unklar bleiben:

Das genaue Datum. Üblicherweise wird der 12. September 490 v. Chr. genannt, aber das ist eine Rekonstruktion aus späteren Quellen. Der tatsächliche Tag lässt sich nicht sicher bestimmen, es war vermutlich irgendwann zwischen Ende August und Mitte September.

Die persische Reiterei. Herodot erwähnt sie praktisch nicht, obwohl sie eine der Stärken des persischen Heeres war. Spätere Autoren behaupten, die Kavallerie sei bereits auf den Schiffen verladen gewesen, als die Athener angriffen. Ob Miltiades das wusste und seinen Angriff darauf abstimmte, ist Spekulation.

Und dann ist da die Frage, warum die Athener überhaupt angriffen, statt in ihrer sicheren Position zu bleiben. Die Quellen widersprechen sich. Eine spekulative Frage, die sich durchaus lohnt.

Persische und griechische Krieger bei Marathon

Persische und griechische Krieger. KI-generierte Illustration.

Marathon und die Olympischen Spiele

Der Marathonlauf als sportliche Disziplin existierte in der Antike nicht. Er wurde 1896 für die ersten modernen Olympischen Spiele in Athen erfunden, inspiriert von der Pheidippides-Legende. Die Distanz von 42,195 Kilometern wurde erst 1921 offiziell festgelegt.

Dass eine Schlacht zu einer Sportart führt, ist im Grunde absurd. Aber es zeigt, wie tief Marathon im kulturellen Gedächtnis verankert ist.

Szene aus der Schlacht bei Marathon

Szene aus der Schlacht. Surreale KI-generierte Illustration.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage

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