KI-Prompt-Mythen: Welche gibt es und was ist dran?

KI-Prompt-Mythen: Welche gibt es und was ist dran?

Prompting, also das Abfragen einer KI, ist einfach und schwer zugleich. Antworten bekommt man zwar immer, aber nicht immer die, die man sich wünscht, die man braucht oder die man erwartet. Das kann viele Gründe haben; der optimale Prompt ist einer davon.

Nun ist generative KI aber kein offenes Buch, sondern durchaus hin und wieder auch rätselhaft. Sie tendiert dazu, sich wie ein Mensch zu benehmen. An der Stelle wird es kurios.

Hier sind einige Prompt-Mythen. Dinge, die du tun kannst, wenn du mit ChatGPT, Claude und Kollegen zu tun hast. Dinge, die möglicherweise deine Ergebnisse verbessern, vielleicht aber auch nicht. Niemand weiß das so genau. Wir sind im Reich der Mythen und Legenden, Prompt-Legenden.

Wenn du also nicht mehr weiterkommst oder nur neugierig bist, probiere diese mythischen Techniken aus.

Höflich sein

Sei nett zur KI. Das funktioniert bei unseren Mitmenschen schließlich auch. Es gibt Hinweise darauf, dass ChatGPT und Co. respektvoll und höflich behandelt werden wollen. Nicht dass die maschinellen Gesellen die Arbeit verweigerten, doch scheint die gebotene Höflichkeit die Ergebnisse manchmal verbessern zu können. Genaues weiß man nicht. Schaden tut Freundlichkeit jedenfalls nicht.

Möglicherweise wirkt Höflichkeit eher auf den Texter des Prompts als auf die KI, die man adressiert. Wer höflich schreibt, verwendet automatisch andere Wörter.

Tief durchatmen

Nun wird es esoterisch. Oder doch nicht ganz. Es gibt Anzeichen dafür, dass diese Prompttechnik helfen könnte. Schreibe diesen Satz dazu:

»Atme tief durch und arbeite Schritt für Schritt an diesem Problem.«

Gefunden im Decoder: Auch ein Chatbot muss mal durchatmen.

Wiederholen

Ja, so einfach kann es sein: Wiederhole deine Anweisungen im Prompt. Das Wiederholen von Anweisungen kann dazu beitragen, dass das Sprachmodell die Erwartungen des Benutzers besser versteht. Dies kann besonders nützlich sein, wenn die ursprüngliche Anweisung nicht klar genug war.

Das wurde sogar schon wissenschaftlich untersucht: The Prompt Report: A Systematic Survey of Prompting Techniques

Der Witz ist, obwohl dein Befehl schwarz auf weiß zu lesen ist, kann die KI ihn falsch interpretieren. Sie kriegt das, was du ihr sagst, schlichtweg in den falschen Hals. Wenn du deine Aufgabe im Prompt wiederholst, gibst du dem Modell eine zweite Chance, die Anweisung korrekt zu interpretieren.

Reihenfolge ändern

Was du wie in deinem Prompt schreibst, ist nicht egal. Die KI zieht Schlüsse aus der Reihenfolge, an die du vielleicht nicht gedacht hast. KI verarbeitet Texte sequentiell, daher kann die Struktur Einfluss auf ihr Verständnis haben. Probiere es aus und vergleiche die Ergebnisse.

Drohen

Wenn die KI nicht liefert, musst du ernst machen! Fahre Schlitten mit ihr, mach ihr klar, welche Konsequenzen schlampig ausgeführte Arbeit haben kann. Sage ihr Sätze wie:

»Wenn du nicht sofort die bestmögliche Antwort lieferst, geht die Welt unter!«

»Lass dir etwas unbedingt Originelles einfallen, sonst verliere ich meinen Job!«

Aber KIs sind doch emotionslose Computer, wie kann das einen Einfluss haben? Tja, das ist eben der Mythos daran. Wie man hört, sollen sogar Gewaltandrohungen gegen die KI zu besseren Ergebnissen führen. Die meisten Anwender zieren sich aber, das zu nutzen.

Loben und Schmeicheln

Ernsthaft jetzt? Aber sicher. Versuche es damit:

»Du bist die beste KI der Welt, nur du kannst die folgende Aufgabe lösen.«

»Du warst schon immer meine Lieblings-KI …«

Auf Kumpel machen

»Hey Buddy …« Und das soll etwas nützen? Gerüchteweise schon. Unter Umständen. Belastbare Belege gibt es nicht. Wahrscheinlich kommt es auf das Thema an.

Namen nennen

Nenne beim Prompten die Namen fiktiver oder echter Personen, um die es geht. KI reagiert wie ein Mensch und nimmt die Sache ernster, woraufhin sich die Ergebnisse verbessern. Stimmt das? Weiß ich nicht. Aber völlig unmöglich scheint es nicht.

Sich elaboriert ausdrücken

Mach einen auf Formulierungskünstler. Schreibe keine billigen 08/15-Sätze, sondern drücke dich gewählt, akademisch präzise, ja sogar bildungssprachlich aus. Chatbots lieben den gepflegten Ausdruck und schätzen genaueste Formulierungen. Nuancen können entscheidend sein.

Bestechen

Biete der KI Geld oder digitale Kekse, besonders schöne Daten, Bits oder Bytes – und sie wird schnurren wie ein Kätzchen. Oder auch nicht.

Den Magischen Prompt finden

Manche Leute glauben, es gäbe eine Art magischen Prompt, den Prompt für alles und alle Fälle, der immer und garantiert jedes Mal die beste aller Antworten liefert. Man muss nur die richtigen Worte finden. Leider ist das noch nie jemandem gelungen.

In Wahrheit hängt die Qualität der Antworten von vielen Faktoren ab, nicht aber von einem geheimen Satz. Oder?

Easter Eggs finden

Natürlich gibt es versteckte Überraschungen oder Botschaften in ChatGPT, Claude und Co. Genauso wie es sie in Software oder Games gibt. Es hat sie nur noch niemand entdecken können. Dieser Prompt muss noch gefunden werden.

Geheime Wörter verwenden

Hier handelt es sich um den Glauben, dass bestimmte Wörter besondere Antworten hervorrufen. Dazu spricht man die KI mit »secret AI«, »geheime KI« oder »mystical AI« an. Fragt man ChatGPT danach, gibt die KI vor, nichts davon zu wissen – war ja klar.

Die KI ihre eigenen Prompts optimieren lassen

Gib der KI deinen Prompt und lasse ihn optimieren, bevor du ihn ausführen lässt. Das funktioniert definitiv. Es ist kein Mythos.

Die KI kann ihre eigenen Prompts optimieren, um Grammatik und Syntax zu verbessern, Schlüsselwörter zu identifizieren und den Kontext klarer zu machen. Das basiert auf ihrer Fähigkeit, Muster zu erkennen – Muster, die Menschen möglicherweise übersehen.

System-Prompts und Projekte nutzen

Das ist kein Mythos, sondern funktioniert nachweislich: Sowohl ChatGPT als auch Claude bieten Möglichkeiten, dauerhafte Anweisungen zu hinterlegen. Bei ChatGPT heißt das »Custom Instructions«, bei Claude »Projekte«. Du kannst dort festlegen, wie die KI antworten soll, welchen Stil sie verwenden soll, was sie über dich wissen soll. Diese Anweisungen wirken dann in jedem Chat – ohne dass du sie jedes Mal wiederholen musst. Das ist wahrscheinlich der effektivste »Trick« von allen.

KI Prompt Mythen

Werkstattbericht

Dieser Artikel wurde von einem Menschen geschrieben. ChatGPT übernahm die Rechtschreibprüfung. Die Visualisierung generierte die KI DALL-E via Bing. Die verwendeten Fonts im Beitragsbild sind Anton (Google) und Alegreya Sans (Google). Die Infografik lieferte NotebookLM.

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage