
Microsoft Copilot ist Microsofts KI-Assistent, eingebaut in Windows, Edge und die Office-Programme. Wer einen Windows-Rechner benutzt, hat den Assistenten womöglich schon gesehen, ohne ihn bewusst geöffnet zu haben. Je nach Version taucht er in der Taskleiste auf, im Browser, in Word und Excel. Ob man ihn braucht, ist eine andere Frage.
Was ist Microsoft Copilot?
Microsoft Copilot ist ein KI-Assistent, der auf den Sprachmodellen von OpenAI basiert. Im Kern steckt GPT-5.2, seit Dezember 2025 das Standardmodell für Microsoft 365 Copilot. Aber Microsoft kombiniert OpenAI-Modelle inzwischen auch mit eigenen Systemen und routet Anfragen je nach Aufgabe an unterschiedliche Modelle. Statt einer eigenständigen App gibt es Copilot als Funktion innerhalb des Microsoft-Ökosystems.
Das klingt zunächst nach einem Vorteil. Und in manchen Fällen ist es das auch. Copilot kann direkt in Word einen Text zusammenfassen, in Excel eine Formel vorschlagen oder in Outlook einen E-Mail-Thread auf drei Sätze eindampfen. Er hat Zugriff auf die eigenen Dateien, Mails und Chats, sofern man die entsprechende Lizenz besitzt. Wichtig dabei: Copilot greift nur auf Daten zu, für die der jeweilige Nutzer ohnehin Berechtigung hat. Es werden keine neuen Zugänge geschaffen, alles läuft über das bestehende Rechtemanagement von Microsoft 365.
Es gibt allerdings nicht den einen Copilot. Microsoft verwendet den Namen für eine ganze Familie von Produkten: den kostenlosen Copilot im Browser, den Copilot in Windows 11, den Copilot in Microsoft 365 für Unternehmen und den Copilot Pro für Privatpersonen. Die Unterschiede sind nicht ganz trivial.
Was kostet Microsoft Copilot?
Die Basisversion ist kostenlos. Man öffnet copilot.microsoft.com im Browser oder klickt auf das Copilot-Symbol in Windows 11, tippt eine Frage ein und bekommt eine Antwort. Funktioniert, ist brauchbar, hat Grenzen.
Wer mehr will, zahlt. Copilot Pro kostet 22 Euro im Monat und schaltet die KI-Funktionen in Word, Excel, PowerPoint und Outlook frei. Für Unternehmen gibt es Microsoft 365 Copilot ab 30 Dollar pro Nutzer und Monat, wobei eine bestehende Microsoft 365 Lizenz Voraussetzung ist. Rechnet man beides zusammen, landen Unternehmen schnell bei deutlich mehr als 30 Dollar pro Person. (Stand 04/2026)
Wichtig zu wissen: Ab dem 15. April 2026 entfernt Microsoft die kostenlose Copilot-Chat-Integration aus Word, Excel, PowerPoint und OneNote für Business-Kunden ohne bezahlte Copilot-Lizenz. In Outlook bleibt die KI-Unterstützung weiterhin verfügbar. Wer den Assistenten direkt in den Office-Apps nutzen will, braucht dann eine kostenpflichtige Lizenz. Die Webversion bleibt kostenlos.
Microsoft Copilot in Word, Excel und PowerPoint
Die Integration in die Office-Programme ist das, was Copilot von ChatGPT unterscheidet. In der Theorie jedenfalls. Man markiert einen Absatz in Word und lässt ihn umformulieren. Man fragt in Excel nach einer Formel. Man lässt sich in PowerPoint einen Foliensatz aus einem Dokument generieren.
In der Praxis funktioniert das unterschiedlich gut. Die E-Mail-Zusammenfassung in Outlook ist plausibel, das sagen auch kritische Tests bei heise online. Wer täglich dutzende Mails bekommt, spart tatsächlich Zeit. Auch die Meeting-Zusammenfassungen in Teams funktionieren ordentlich: Transkript im Hintergrund, danach eine Liste mit Aufgaben und Zuständigkeiten.
Bei Word und PowerPoint wird es durchwachsener. Copilot kann Texte entwerfen und Folien bauen, aber die Ergebnisse brauchen fast immer Nacharbeit. Wer erwartet, dass ein fertiger Artikel oder eine präsentationsreife Folie herauskommt, wird enttäuscht. Wer Copilot als Ausgangspunkt nimmt und selbst weiterarbeitet, kommt eher auf seine Kosten. Das gilt übrigens genauso für KI-generierte Dokumente aus anderen Systemen.
Excel ist ein Sonderfall. Copilot schlägt Formeln vor und erstellt Diagramme auf Zuruf. Das funktioniert bei einfachen Datensätzen gut, bei komplexeren Strukturen weniger. Wer sich mit Excel auskennt, ist oft schneller als der Assistent. Wer sich nicht auskennt, bekommt immerhin einen Startpunkt.
Microsoft Copilot für Schüler und Studenten
Microsoft investiert gerade massiv in den Bildungsbereich. Copilot Chat mit Unternehmensdatenschutz ist kostenlos für Lehrkräfte, Mitarbeiter und Studenten ab 13 Jahren, sofern die Einrichtung eine Microsoft-365-Education-Lizenz (A1, A3 oder A5) besitzt und die IT-Abteilung den Zugang freigeschaltet hat. In den USA bietet Microsoft darüber hinaus ein kostenloses 12-Monats-Abo für Microsoft 365 Personal an, das auch KI-Funktionen enthält.
Relativ neu ist »Study and Learn«, ein KI-Tutor, der beim Lernen helfen soll. Microsoft betont, dass er kritisches Denken fördern soll, nicht einfach Antworten liefern. Ob das in der Praxis funktioniert, hängt vermutlich davon ab, wie die Studenten ihn nutzen. Wer gute Prompts schreibt, bekommt auch bessere Ergebnisse.
Für Schulen ist das Angebot interessant, weil es innerhalb des Microsoft-Sicherheitsrahmens läuft. Die Daten bleiben im Schul-Tenant, werden nicht für Modelltraining verwendet und unterliegen den Compliance-Regeln der jeweiligen Einrichtung. Das ist ein echtes Argument gegenüber ChatGPT, wo die Datenlage für Bildungseinrichtungen komplizierter ist.
Microsoft Copilot oder ChatGPT?
Die Frage kommt ständig. Und die ehrliche Antwort lautet: kommt drauf an.
Copilot ist besser, wenn man tief im Microsoft-Ökosystem steckt. Wer Outlook, Teams und SharePoint täglich nutzt, profitiert von der Integration. Die KI liest mit, was im eigenen Arbeitsumfeld passiert, und kann darauf reagieren. Das kann ChatGPT so nicht. In diesem Sinne ist Copilot kein »besseres Denken«, sondern besserer Zugriff auf vorhandenes Wissen.
ChatGPT ist bei kreativen Aufgaben, beim Schreiben längerer Texte und bei Recherche außerhalb der eigenen Daten oft stärker. Auch Claude von Anthropic und Gemini von Google spielen in dieser Liga mit. Die Unterschiede zwischen den Modellen sind allerdings kleiner geworden. Wer es genauer wissen will, findet einen ausführlichen Vergleich der drei großen KI-Assistenten hier auf der Seite.
Ein nüchterner Vergleich: ChatGPT Plus kostet 20 Dollar im Monat, eigenständig, ohne Voraussetzungen. Microsoft Copilot braucht eine bestehende Microsoft-365-Lizenz und kostet dann nochmal extra. Für Privatpersonen, die einfach einen guten KI-Assistenten wollen, ist ChatGPT oft die schlankere Wahl. Für Organisationen mit Microsoft-Infrastruktur kann sich Copilot lohnen, wenn die Teams es tatsächlich nutzen.
Und genau dort liegt das Problem. Laut aktuellen Nutzungszahlen zahlen nur etwa 3% der Microsoft-365-Kunden für Copilot extra. Viele Unternehmen kaufen Lizenzen, ohne dass die Mitarbeiter sie regelmäßig einsetzen. Das Pilotprojekt-Problem: Lizenz gekauft, Schulung vergessen, Nutzung eingeschlafen.
Was Copilot gut kann und was nicht
Copilot glänzt bei Routineaufgaben innerhalb von Microsoft 365. E-Mails zusammenfassen, Meetings protokollieren, einfache Formeln in Excel vorschlagen, einen ersten Entwurf in Word erstellen. Das sind keine Wunder, aber solide Zeitersparnisse im Arbeitsalltag. Wer sich für das Thema Produktivität mit KI interessiert, findet dort weiterführende Erfahrungen.
Weniger überzeugend ist Copilot bei allem, was Kreativität, Tiefe oder spezifisches Fachwissen erfordert. Die generierten Texte sind korrekt, aber generisch. Die PowerPoint-Folien sehen aus, als hätte man eine Vorlage mit zufälligem Inhalt befüllt. Und bei nuancierten Fragen liefert der Assistent gelegentlich Antworten, die technisch stimmen, aber am eigentlichen Punkt vorbeigehen.
Auch der Datenschutz ist ein Thema. Der kostenlose Copilot im Browser funktioniert im Kern wie eine Suchmaschine mit Chatfunktion. Er nutzt öffentliche Webdaten über Bing, hat aber keinen Zugriff auf persönliche Dateien. Allerdings verarbeitet auch die Webversion die Eingaben des Nutzers. Erst mit einer kostenpflichtigen Lizenz öffnet sich der Zugang zu den eigenen Daten, und dann gelten die Compliance-Regeln des jeweiligen Microsoft-365-Mandanten.
Microsoft Copilot ist kein schlechtes Produkt. Aber es ist auch nicht das Wunderwerkzeug, als das es vermarktet wird. Wer bereits mit Microsoft 365 arbeitet und den Assistenten für Routineaufgaben einsetzt, spart womöglich tatsächlich ein paar Stunden pro Woche. Wer erwartet, dass die KI das Denken übernimmt, wird feststellen, dass das mit keinem der aktuellen Assistenten funktioniert. Nicht mit Copilot, nicht mit ChatGPT, nicht mit Claude. Jedenfalls noch nicht.