
Die christliche Kirche gibt es seit 2000 Jahren, entsprechend umfangreich ist ihr Vokabular. Kirchliche Fremdwörter sind reich an Gräzismen und Latinismen, also an Ausdrücken, die aus dem Griechischen und Lateinischen stammen.
Hier ist eine Liste von Fachbegriffen dieses Kalibers, alphabetisch sortiert. Kein abgeschlossenes Theologiestudium? Papst bist du auch nicht? Dann wirst du viel Neues kennenlernen.
Die Liste ist kein Nachschlagewerk, sondern eine komprimierte Übersicht für interessierte Leser. Viele dieser Wörter sind dem Kirchenlaien vollkommen fremd. Dabei geht es nicht um den Glauben, sondern um das Wort. War das jetzt doppeldeutig?
Liste kirchlicher Fremdwörter
Eine Auswahl, zu der auch wenig bekannte Wörter gehören. Die meisten stammen aus dem Griechischen. Das hat Gründe, dazu gleich mehr.
Liturgie bezeichnet die festgelegte Ordnung eines Gottesdienstes, also die Abfolge von Gebeten, Lesungen, Gesängen und Handlungen. Das Wort kommt vom griechischen leiturgia und meinte ursprünglich einen öffentlichen Dienst am Gemeinwesen, nicht am Altar. Jede christliche Konfession hat ihre eigene Liturgie.
- Agape (gr.) – Liebesmahl. Frühe christliche Zusammenkunft, die sowohl ein gemeinsames Mahl als auch die Feier der Eucharistie umfasste.
- Agnostizismus (gr.) – Weltanschauung der Unerkennbarkeit bezüglich der Existenz Gottes.
- Anachoret (gr.) – Eine Person, die sich aus religiösen oder spirituellen Gründen in die Einsamkeit zurückzieht, um ein Leben in Askese und Gebet zu führen.
- Anamnese (gr.) – Erinnerung, insbesondere im liturgischen Kontext der Eucharistiefeier.
- Anaphora (gr.) – Das eucharistische Gebet, zentraler Teil der Liturgie in den meisten christlichen Traditionen.
- Antidoron (gr.) – Brot, das als Segensgeste nach der Eucharistie verteilt wird. Wörtlich: »statt der Gabe«.
- Apokatastasis (gr.) – Lehre der Wiederherstellung aller Dinge am Ende der Zeiten.
- Apologetik (gr.) – Verteidigung des christlichen Glaubens gegen Kritik.
- Charisma (gr.) – Gnadengabe, besondere, vom Heiligen Geist verliehene Fähigkeit. Im heutigen Sprachgebrauch stark verweltlicht.
- Cherubikon (gr.) – Hymne in der byzantinischen Liturgie, die während des Großen Einzugs gesungen wird. Benannt nach den Cherubim.
- Dikaiosyne (gr.) – Gerechtigkeit. In theologischem Kontext oft im Sinne von Gottes Gerechtigkeit verstanden.
- Dogma (gr.) – Unumstößliche Glaubenslehre.
- Doxa (gr.) – Ruhm, Ehre. In theologischem Kontext oft verwendet im Sinne von Gottes Herrlichkeit.
- Doxologie (gr.) – Lobpreis, kurze Hymne zur Ehre Gottes.
- Ekklesiologie (gr.) – Lehre von der Kirche.
- Epiklese (gr.) – Herabrufung des Heiligen Geistes, insbesondere im Zusammenhang mit der Eucharistie.
- Episkopat (gr.) – Bischofsamt oder die Gesamtheit der Bischöfe.
- Eschatologie (gr.) – Lehre von den letzten Dingen, etwa dem Jüngsten Gericht.
- Exegese (gr.) – Auslegung und Interpretation religiöser Texte.
- Gnosis (gr.) – Erkenntnis, speziell geistige oder mystische Einsicht.
- Hagiographie (gr.) – Das Schreiben von Heiligenviten oder die Heiligenverehrung.
- Häresie (gr.) – Lehre, die von den offiziellen Glaubenssätzen abweicht.
- Hesychasmus (gr.) – Mystische Tradition der ostkirchlichen Spiritualität, die sich auf innere Stille und das Jesusgebet konzentriert.
- Homilie (gr.) – Predigt, besonders während der Liturgie.
- Ikone (gr.) – Religiöses Bildwerk in der orthodoxen Tradition.
- Ikonoklasmus (gr.) – Bildersturm. Die Ablehnung und Zerstörung von Bildern, insbesondere in religiösen Kontexten.
- Kanon (gr.) – Offiziell anerkannte Sammlung von Schriften. Das Wort kennt man auch von der Bildungssprache.
- Katakombe (gr.) – Unterirdischer Friedhof, insbesondere die frühchristlichen Begräbnisstätten in Rom.
- Kephale (gr.) – Haupt, Kopf. In theologischen Diskussionen oft im Zusammenhang mit der Autorität Christi als Haupt der Kirche verwendet.
- Kerygma (gr.) – Verkündigung der christlichen Botschaft.
- Koinobitentum (gr.) – Mönchsleben in einer Gemeinschaft.
- Kyrielle (lat.) – Litaneiartige, repetitive Anrufungen in der Liturgie.
- Lektor (lat.) – Person, die in der Liturgie die Lesungen (außer dem Evangelium) vorträgt.
- Liturgie (gr.) – Festgelegte Ordnung der Gottesdienstfeier.
- Mandylion (gr.) – Bezeichnung für das nicht von Menschenhand geschaffene Bild Christi.
- Martyrium (gr.) – Blutzeugnis. Tod um des Glaubens willen.
- Metanoia (gr.) – Buße, Sinnesänderung. Eine grundlegende Umkehr im christlichen spirituellen Leben.
- Neophyt (gr.) – Neubekehrter, Neugläubiger.
- Ökumene (gr.) – Bestrebungen zur Einheit aller christlichen Kirchen. Auch: die bewohnte Welt, die Gesamtheit der Christenheit.
- Pantokrator (gr.) – Allmächtiger. Bezeichnung für Christus, oft dargestellt in byzantinischen Kirchenkuppeln.
- Parochie (gr.) – Gemeindebereich einer Kirche, Pfarrgemeinde.
- Perichoresis (gr.) – Gegenseitige Durchdringung, verwendet, um die Beziehung der Personen der Heiligen Dreifaltigkeit zu beschreiben.
- Pneumatologie (gr.) – Lehre vom Heiligen Geist.
- Proselyt (gr.) – Neubekehrter zu einem Glauben. Im christlichen Kontext ein zum Christentum Bekehrter.
- Sakrament (lat.) – Heiliger Ritus, etwa Taufe oder Eucharistie.
- Skapulier (lat.) – Teil des Mönchsgewandes, ein breites Band aus Stoff, das über die Schultern getragen wird und Brust sowie Rücken bedeckt.
- Soteriologie (gr.) – Lehre von der Erlösung.
- Synaxis (gr.) – Versammlung, insbesondere die liturgische Versammlung der Gläubigen zur Eucharistiefeier.
- Synode (gr.) – Versammlung von Geistlichen und oft auch Laien zur Beratung kirchlicher Fragen.
- Theodizee (gr.) – Rechtfertigung Gottes angesichts des Bösen in der Welt. Womöglich die schwierigste aller theologischen Fragen.
- Theophanie (gr.) – Göttliche Erscheinung, insbesondere die sichtbare Manifestation Gottes in der biblischen Geschichte.
- Transfiguration (lat.) – Verklärung, insbesondere die Verklärung Jesu auf einem Berg.
- Transsubstantiation (lat.) – Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi in der katholischen Messe.
- Triklinium (lat.) – Dreiseitig umschlossener Speisesaal in alten Klöstern.
- Trinität (lat.) – Lehre von der Dreieinigkeit Gottes.
- Troparion (gr.) – Kurzer Hymnenvers in der byzantinischen Liturgie, der Heilige, Feste oder biblische Ereignisse thematisiert.
Wer bei den Wortbausteinen ansetzen will statt bei den fertigen Begriffen, findet in den 63 Präfixen aus dem Lateinischen und Griechischen den schnelleren Weg.
Warum stammen so viele dieser Wörter aus dem Griechischen?
Die Ursprungstexte des Neuen Testaments und die Septuaginta waren auf Griechisch verfasst. Das prägte die theologische und liturgische Sprache des Christentums von Anfang an. Die frühchristlichen Zentren lagen im östlichen Mittelmeerraum, wo Griechisch die vorherrschende Sprache war. Später spielte das Byzantinische Reich eine zentrale Rolle in der Verbreitung und Entwicklung des Glaubens.
Die Septuaginta ist die älteste griechische Übersetzung des Alten Testaments, entstanden ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. in Alexandria. Der Name geht auf die Legende von 72 Übersetzern zurück. Für die frühen Christen war sie die Bibel, denn Hebräisch lasen die wenigsten von ihnen.
Entstanden ist sie in Alexandria, im Umfeld der Bibliothek von Alexandria, dem größten Wissensspeicher der antiken Welt. Ohne diese Stadt sähe das christliche Vokabular vermutlich anders aus.
Dazu kommt die philosophische Präzision des Griechischen. Begriffe wie Hypostase, Ousia, Logos oder Prosopon waren im Kern philosophische Werkzeuge; für theologische Haarspaltereien eigneten sie sich hervorragend. Das Lateinische übernahm später vieles davon, aber die griechischen Wurzeln blieben. Wer sie kennt, erkennt sie auch im heutigen Alltagsdeutsch wieder.
Jedenfalls erklärt das, warum selbst in der westlichen, lateinisch geprägten Kirche so viele Fachbegriffe griechisch geblieben sind. Die Sprache kam schlicht zuerst.