Einen Tag nach dem Start von GPT-5.6 Sol Ultra legte OpenAI nach. Das neue Spitzenmodell habe die Cycle-Double-Cover-Vermutung bewiesen, ein Problem der Graphentheorie, an dem sich seit den 1970er-Jahren Mathematiker die Zähne ausbeißen. Dauer laut OpenAI-Forscher Ethan Knight: knapp unter einer Stunde, mit 64 parallel arbeitenden Subagenten. Prompt und Beweis stellte er gleich mit online.
Die Vermutung klingt harmlos. Jeder brückenlose Graph lässt sich mit Kreisen so überdecken, dass jede Kante in genau zwei davon liegt. Bewiesen hatte das bisher niemand. Sols Weg führt über eine Reduktion auf kubische Graphen, das 8-Fluss-Theorem und eine Kantenmarkierung, die per linearer Algebra jede Kante in exakt zwei Kreise zwingt. 64 Agenten, verschiedene Ansätze, eine Stunde. Auf dem Papier eine saubere Sache. Wie gut KI überhaupt rechnet, ist ohnehin eine Frage für sich.
Das Wort »Beweis« trägt hier allerdings schwer. Die Cycle-Double-Cover-Vermutung hat einen ganzen Friedhof gescheiterter Beweise hinter sich, jeder davon sah zunächst überzeugend aus. Ein Beweis wird zum Beweis, wenn Fachleute ihn nachrechnen und nichts finden, nicht wenn ein Modell »Q.E.D.« ausgibt. Genau das steht noch aus, kein Graphentheoretiker hat den Sol-Beweis bislang bestätigt. Wie viel an solchen Modell-Behauptungen wirklich dran ist, zeigt sich erst nach der Prüfung.
Für KI-Nutzer ist die interessante Nachricht ohnehin nicht der Beweis selbst, sondern die Bauweise: ein Schwarm aus 64 Agenten, der ein hartes Forschungsproblem parallel angeht. Ob am Ende ein Durchbruch oder nur der nächste Eintrag im Friedhof steht, entscheidet nicht OpenAI, sondern die Nachrechnung.
Quellen
- OpenAI (Ethan Knight): Proof of the Cycle Double Cover Conjecture, generated by GPT-5.6 Sol Ultra
- The Decoder: OpenAI’s GPT-5.6 Sol Ultra reportedly solves a 50-year-old math problem in under an hour
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