Am 15. Juli tritt in China die Interim-Verordnung für vermenschlichte KI-Interaktionsdienste in Kraft. ByteDance und Alibaba warten die Frist gar nicht erst ab. Doubao und Qwen schalten ihre selbstgebauten KI-Agenten ab, Qwen hat die menschelnden Charaktere schon am 10. Juli offline genommen, der Rest folgt am 15. Wer sich einen digitalen Begleiter gebastelt hat, verliert ihn.
Die Verordnung stammt von der Cyberspace Administration und vier weiteren Behörden. Sie verlangt Anti-Sucht-Systeme, Pflicht-Warnhinweise, einen Sofort-Ausstieg und die Echtzeit-Erkennung ungesunder Abhängigkeit. Also genau das Gegenteil dessen, wofür ein KI-Begleiter gebaut wird, nämlich sich zu erinnern, konsistent zu bleiben und die Beziehung am Laufen zu halten. Statt umzubauen, ziehen die Konzerne den Stecker. Allein Shanghais Aufsicht hat vorab über 14.000 nicht regelkonforme Agenten aus dem Verkehr gezogen.
Für Nutzer heißt das: sichern oder verlieren. Bei Doubao gibt es bis zum 15. Oktober noch Lesezugriff auf Konfigurationen und Chatverläufe, danach sind sie weg. Bei Qwen gibt es nicht einmal das, Agenten und Gesprächsverläufe werden gelöscht, ohne Migrationspfad. Der Rat der Plattformen an ihre Kundschaft klingt wie aus den Neunzigern: »Macht Screenshots.« Wer eine Bindung an eine Software aufgebaut hat, bekommt eine Frist und einen Export-Button.
ByteDance schiebt seine Doubao-Nutzer schon weiter zu Maoxiang, einer eigenen App, die für die neuen Regeln gebaut ist. Der Markt für menschelnde KI verschwindet in China also nicht, er zieht nur in Gehege um, in denen der Ausstiegs-Knopf Pflicht ist. In Europa und den USA gibt es solche Regeln nicht. Dort entscheidet weiter die App, wann Schluss ist, und die chinesischen Modelle laufen ohnehin munter weiter.
Quellen
- TechNode: ByteDance’s Doubao and Alibaba’s Qwen to shut down AI agent features on July 15
- South China Morning Post: ByteDance and Alibaba to disable humanlike AI custom agents as new rules loom
- Bloomberg: ByteDance, Alibaba Pull AI Companions as Beijing Tightens Rules
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