Totgesagte programmieren länger

KI-News: Coder-Jobs, +15%, Claude Code

»Programmierer sind die Ersten, die die KI wegautomatisiert.« Diese Prophezeiung geistert seit zwei Jahren durch jede zweite Schlagzeile. Die Zahlen sagen etwas anderes. Laut dem Indeed Hiring Lab sind die Stellenausschreibungen für Softwareentwicklung in den USA seit dem Start von Claude Code Ende Februar 2025 um fast 15% gestiegen, während der Gesamtmarkt im selben Zeitraum um 7% schrumpfte. Ausgerechnet der Beruf, der zuerst an die Wand sollte, zieht wieder an.

Der Aufschwung hat einen Haken, und der ist saftig. 71% des Zuwachses zwischen Mai 2025 und Mai 2026 entfallen auf Seniorstellen, 37% auf Ausschreibungen, die KI direkt im Jobtitel führen. Wer die Werkzeuge dirigiert, wird gesucht. Wer gerade das Studium beendet hat, weniger. Und insgesamt liegen die Softwarejobs immer noch rund 27,5% unter dem Niveau vor der Pandemie. Das ist kein Boom, das ist ein Krankenbett, aus dem sich jemand langsam aufrichtet. Kleiner Seitenhieb für die heimische Leserschaft: Deutschland ist unter den großen Industrieländern das einzige, wo der Anteil weiter fällt.

Für alle, die täglich mit KI arbeiten, ist das die interessantere Geschichte hinter den Untergangsschlagzeilen. Die KI ersetzt nicht pauschal, sie verschiebt. Erfahrene Entwickler, die Claude Code und Co. steuern, sind wertvoller denn je. Berufseinsteiger stehen im Regen, das bestätigen auch Studien aus Harvard und Stanford. Wer sich fragt, ob sich Lernen im KI-Zeitalter überhaupt noch lohnt, findet hier die unbequeme Antwort: ja, aber anders. Indeeds Chefökonomin Svenja Gudell bringt es nüchtern auf den Punkt, es gebe »sicher etwas Jobzerstörung und definitiv etwas Jobschöpfung«.

Vorsicht bleibt trotzdem angebracht. Korrelation ist keine Kausalität, und Gudell betont das selbst. Dass die Softwarejobs ihren Tiefpunkt zufällig genau im Februar 2025 erreichten, als Claude Code startete und das Wort Vibecoding die Runde machte, kann Zufall sein. Eine LSE-Studie führt einen guten Teil des Einbruchs bei Berufseinsteigern ohnehin eher auf die Rückkehr zur Remote-Arbeit zurück als auf KI. Die ehrliche Zusammenfassung lautet also: Die Coder-Apokalypse ist ausgeblieben. Nur wer jung ist und einsteigen will, merkt vom Aufschwung bisher wenig.

Quellen

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Diese Meldung wurde mit Unterstützung von Claude (Anthropic) recherchiert und verfasst. Inhaltliche Fehler sind möglich. Die verlinkten Quellen ermöglichen eine eigene Prüfung. Fachbegriffe erläutert das Glossar.

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