
Stell dir vor, du lädst ein 200-seitiges PDF hoch – und fünf Minuten später hörst du zwei Leute im Podcast-Stil darüber plaudern. Oder du wirfst drei Fachartikel, ein YouTube-Video und deine eigenen Notizen in einen Topf, und die KI destilliert daraus eine Infografik. Klingt nach Zukunftsmusik? Ist es nicht. Das ist NotebookLM von Google.
Das Tool unterscheidet sich fundamental von ChatGPT und Co. Es erfindet nichts. Keine Halluzinationen, keine erfundenen Quellen. NotebookLM arbeitet ausschließlich mit dem Material, das du ihm gibst – und zitiert jede Aussage mit Verweis auf die Originalstelle. Google nennt es einen virtuellen Forschungsassistenten.
Lerne die Bildungssprache! Das praktische Handbuch schlauer Wörter unterstützt dich mit über 1.600 durchdachten Einträgen. Besser verstehen und klüger schreiben. Verständliche Erläuterungen und lebensnahe Beispiele erleichtern das Einprägen. Jetzt ansehen
Treffender wäre vielleicht: ein KI-Notizbuch, das deine Dokumente nicht nur liest, sondern versteht, verknüpft und in völlig neue Formate verwandelt.
Was NotebookLM kann
Die Bandbreite ist beeindruckend. Du lädst Quellen hoch – PDFs, Websites, YouTube-Videos, Google Docs, Audiodateien, sogar eine Short Story – und NotebookLM macht daraus, was du brauchst:
Automatisch generierte Podcasts, in denen zwei KI-Stimmen deine Inhalte diskutieren wie in einer echten Radiosendung. Infografiken, die komplexe Zusammenhänge visualisieren. Präsentationen auf Knopfdruck. Lernkarten für die Prüfungsvorbereitung. Interaktive Mindmaps. Oder schlicht: ein Chat, der deine Fragen auf Basis deiner Materialien beantwortet – mit Quellenangaben in jeder Antwort.
Das Grundprinzip ist simpel. Du erstellst ein Notebook, fügst Quellen hinzu und fragst die KI. Sie antwortet nur auf Basis deiner Materialien. Kein allgemeines Weltwissen, keine Spekulationen. Das macht NotebookLM besonders zuverlässig für Recherche, Studium und alle Situationen, in denen Genauigkeit zählt.

Diese Infografik fertigte NotebookLM aus diesen Artikel an, Datenbasis war die URL. Keine weiteren Eingriffe nötig.
Welche Quellen funktionieren?
NotebookLM akzeptiert weit mehr als nur PDFs. Google Docs und Slides lassen sich direkt aus Drive importieren. Website-URLs werden analysiert, YouTube-Videos ebenfalls – vorausgesetzt, sie haben ein Transkript. Audiodateien wie MP3s werden transkribiert und verarbeitet.
Das Interessante: Die Quellen müssen nicht »seriös« sein. Du kannst eine Short Story hochladen und analysieren lassen, einen Roman in Kapitel aufteilen, Podcast-Episoden einspeisen oder die URL deiner eigenen Website als Quelle nutzen. NotebookLM behandelt alles als gleichwertige Informationsquelle und verknüpft die Inhalte intelligent miteinander.
Audio Overviews: Podcasts auf Knopfdruck
Die Funktion, die NotebookLM berühmt gemacht hat, heißt Audio Overview. Zwei KI-Stimmen – eine weibliche, eine männliche – diskutieren deine Quellen im Podcast-Stil. Sie fassen zusammen, stellen Verbindungen her, machen Witze und nutzen Metaphern. Das Ergebnis klingt erstaunlich natürlich, fast wie ein echtes Gespräch zwischen zwei Hosts.
Die Bedienung ist simpel: Im Notebook-Leitfaden klickst du auf »Audioübersicht« und dann auf »Generieren«. Nach wenigen Minuten ist der Podcast fertig. Du kannst ihn direkt abspielen oder als MP3 herunterladen.
Die Podcast-Erstellung funktioniert inzwischen auch auf Deutsch. Um die Sprache zu wählen, klickst du vor dem Generieren auf »Anpassen« und gibst entsprechende Anweisungen ein. Dort lässt sich auch der Fokus festlegen – etwa »Erklärt es für Einsteiger« oder »Konzentriert euch auf die praktischen Anwendungen«.
Die Audio Overviews eignen sich hervorragend für auditive Lerntypen, lange Pendelstrecken oder als Alternative zum Lesen. Eine Einschränkung: Nachträgliche Bearbeitung ist nicht möglich. Wer einzelne Passagen ändern will, muss den Podcast neu generieren.
Infografiken und Slide Decks
Für viele liegt hier die eigentliche Stärke von NotebookLM: die Visualisierung trockener Inhalte. Die Infografik-Funktion verwandelt deine Quellen in visuell ansprechende Grafiken, die komplexe Zusammenhänge auf einen Blick vermitteln. Aus einem zähen Geschäftsbericht wird eine übersichtliche Darstellung der Kernzahlen. Aus einem Fachartikel ein Schaubild der wichtigsten Zusammenhänge. Das geht im Breitformat, als Quadrat oder im Hochformat.
Ein Beispiel: Die folgende Infografik hat NotebookLM aus Rilkes Gedicht »Der Panther« generiert – zwölf Zeilen Text, mehr nicht. Die KI hat die Struktur erkannt, die drei Strophen in drei Phasen übersetzt und visuell umgesetzt.

NotebookLM-Infografik zu Rilkes »Der Panther« – generiert aus zwölf Zeilen Gedicht – ohne weiteres Zutun
Slide Decks generiert NotebookLM automatisch als strukturierte Präsentationen. Die KI identifiziert die Kernpunkte, organisiert sie in einer logischen Reihenfolge und erstellt Folien mit passenden Überschriften. Die Ergebnisse sind nicht perfekt, aber als Ausgangspunkt oft besser als eine leere Folie. Für schnelle interne Übersichten oder als Diskussionsgrundlage reicht die automatische Version häufig aus.
Ein Wermutstropfen: Die generierten Infografiken, Slide Decks und PDFs enthalten häufig noch Rechtschreibfehler – auch im Beispiel oben ist »AUßENWELT« mit großem ß zu sehen. Vor der Verwendung solltest du die Ergebnisse also unbedingt gegenlesen und korrigieren.
Video Overviews
Neben Audio kann NotebookLM auch Videos erstellen. Die sogenannten Video Overviews sind keine Aufnahmen von sprechenden Menschen, sondern animierte Präsentationen mit Tonspur. Die KI generiert Folien mit den wichtigsten Punkten, fügt Diagramme und Bilder hinzu und legt eine erklärende Stimme darüber. Es gibt verschiedene Zeichenstile.
Das Ergebnis erinnert an ein automatisch erstelltes Erklärvideo. Für Schulungen, Onboarding-Materialien oder die schnelle Vermittlung komplexer Themen kann das nützlich sein. Die Qualität variiert je nach Quellmaterial – bei gut strukturierten Dokumenten fallen die Videos deutlich besser aus.
Chat mit Quellenangaben
Der quellenbasierte Chat ist das Herzstück von NotebookLM. Du stellst eine Frage, die KI durchsucht deine Materialien und antwortet mit Inline-Zitationen. Jede Aussage lässt sich zur Originalstelle zurückverfolgen – ein Klick genügt. Das schafft Transparenz und macht Faktenprüfung zum Kinderspiel.
Zusammenfassungen und Briefing-Dokumente generiert NotebookLM ebenfalls auf Knopfdruck. Lade einen 100-seitigen Bericht hoch und lass dir die Kernaussagen in wenigen Absätzen zusammenfassen. Das spart Stunden an Lesezeit.
Für Lernende besonders nützlich: die automatische Erstellung von Lernkarten und Quiz-Fragen. NotebookLM extrahiert die prüfungsrelevanten Inhalte und verwandelt sie in Karteikarten, die sich exportieren und in Anki importieren lassen. Interaktive Mindmaps visualisieren die Zusammenhänge zwischen Themen – du klickst auf einen Knotenpunkt und tauchst tiefer ein. Wer mit KI lernen will, findet hier ein mächtiges Werkzeug.
9 Anwendungsfälle für NotebookLM
Das Tool ist vielseitig einsetzbar. Hier neun Szenarien, in denen NotebookLM seine Stärken ausspielt:
- Prüfungsvorbereitung: Lade Skripte und Lehrbücher hoch, lass dir Lernkarten und Quiz-Fragen generieren, höre die Inhalte als Podcast auf dem Weg zur Uni.
- Meeting-Protokolle auswerten: Füttere NotebookLM mit Transkripten mehrerer Besprechungen und lass dir eine Übersicht der beschlossenen Maßnahmen erstellen.
- Konkurrenzanalyse: Sammle Geschäftsberichte, Pressemitteilungen und Produktseiten der Wettbewerber in einem Notebook und stelle gezielte Vergleichsfragen.
- Buchzusammenfassung: Ein ganzes Sachbuch in Kapitel aufteilen, hochladen und die Kernthesen extrahieren lassen – in Minuten statt Stunden.
- Content-Recherche: Website-URLs, Fachartikel und YouTube-Videos zu einem Thema sammeln und als Grundlage für eigene Texte nutzen.
- Onboarding-Materialien: Interne Dokumente, Prozessbeschreibungen und FAQs hochladen und einen Einführungs-Podcast für neue Mitarbeiter generieren.
- Persönlicher Wissens-Hub: Alles, was dich zu einem Thema interessiert, in einem Notebook sammeln und bei Bedarf durchsuchen.
- Kreative Projekte: Eine Short Story analysieren lassen, Charakterentwicklung und Plotstruktur verstehen, Inspiration für eigene Texte gewinnen.
- Produktpräsentationen: Technische Dokumentation und Marketingmaterial hochladen, einen Audio-Überblick für potenzielle Kunden erstellen.
So startest du mit NotebookLM
Der Einstieg ist unkompliziert. Öffne die NotebookLM-Website (Link unten) und melde dich mit deinem Google-Konto an. Auf der Startseite klickst du auf »Neu erstellen«. Ein leeres Notebook öffnet sich, in das du nun Quellen hinzufügen kannst.
Ziehe Dateien per Drag & Drop ins Fenster oder klicke auf das Plus-Symbol in der linken Seitenleiste. Wähle den Quellentyp – Datei hochladen, Google Drive, Website-URL oder YouTube-Link – und füge dein Material hinzu.
Sobald mindestens eine Quelle vorhanden ist, kannst du im Chat Fragen stellen. Die KI analysiert dein Material und antwortet mit Quellenangaben. Für die Audioübersicht navigierst du zum Notebook-Leitfaden und klickst auf »Generieren«.
NotebookLM gibt es auch als Mobile App für Android und iOS. Die Kernfunktionen sind verfügbar, inklusive Offline-Wiedergabe der Audio Overviews. Praktisch für unterwegs.
Kostenlos oder Plus?
Die Basisversion von NotebookLM ist kostenlos und für jeden mit einem Google-Konto verfügbar. Sie reicht für die meisten Anwendungsfälle völlig aus. Wer regelmäßig mit großen Materialmengen arbeitet, kann auf NotebookLM Plus upgraden – das bietet höhere Limits und zusätzliche Funktionen. Die genauen Konditionen ändern sich gelegentlich, aktuelle Infos findest du auf der Google-Hilfeseite.
Grenzen des Tools
NotebookLM ist kein Alleskönner. Bilder in PDFs werden nur teilweise verarbeitet. Wenn wichtige Informationen in Grafiken oder Tabellen stecken, kann NotebookLM diese übersehen. Reine Bilddateien lassen sich nicht direkt hochladen.
Die generierten Podcasts können nicht nachträglich bearbeitet werden. Wer eine Passage ändern will, muss neu generieren. Bei der Sprachausgabe deutscher Podcasts gibt es gelegentlich noch Stolperer, auch wenn die Qualität stetig besser wird.
Zum Datenschutz: Google betont, dass Uploads in der Workspace-Version nicht für KI-Training verwendet werden. Bei der kostenlosen Nutzung mit privatem Google-Konto gelten die üblichen Nutzungsbedingungen. Wer mit vertraulichen Daten arbeitet, sollte die Business-Variante in Betracht ziehen. Siehe auch: 10 NotebookLM-Tricks, die sofort funktionieren
Fazit
NotebookLM füllt eine Lücke, die ChatGPT und Co. offenlassen: quellenbasierte Analyse ohne Halluzinationen. Das Tool eignet sich für alle, die mit größeren Textmengen arbeiten – ob im Studium, in der Recherche oder im Berufsalltag. Die Podcast-Funktion ist mehr als ein Gimmick, die Infografiken sparen Zeit, und der Chat mit Quellenangaben schafft Vertrauen in die Ergebnisse.