Claude vs. ChatGPT vs. Gemini: Welche KI für wen?

Claude vs. ChatGPT vs. Gemini: Welche KI für wen?

Alle drei sehen inzwischen ähnlich aus. Chatfenster, Datei-Upload, Websuche, Projekte. Die großen KI-Assistenten haben sich gegenseitig so lange kopiert, bis die Oberflächen praktisch austauschbar wurden.

KI-News Produkt-Update Claude Code fragt ab dem 14. August nicht mehr nach vor 5 Stunden

Wer heute zwischen Claude, ChatGPT und Gemini wählt, steht vor einer seltsamen Situation. Die Features sind nahezu identisch, aber die Ergebnisse unterscheiden sich teils erheblich.

Und inzwischen wählt man ohnehin mehr als nur einen Anbieter. Man wählt auch, wie viel die Maschine nachdenken soll und ob sie überhaupt noch im Chatfenster arbeitet oder selbstständig loszieht. Es kommt drauf an, was man damit macht. Dieser Vergleich ignoriert das Marketing und schaut auf das, was beim Arbeiten auffällt. Keine Feature-Tabellen, sondern Praxiserfahrung. (Stand August 2026)

Das Wichtigste vorweg

Wer keine Zeit hat, bekommt es in drei Sätzen. ChatGPT ist der Allrounder mit dem größten Ökosystem und den großzügigsten Limits. Claude schreibt die besten Texte und denkt am sorgfältigsten. Gemini ist am stärksten, wenn Google-Dienste im Spiel sind.

Wer nur einen Dienst bezahlen will und viel nutzt, nimmt ChatGPT. Wer viel schreibt oder komplexe Aufgaben hat, sollte Claude testen. Wer tief im Google-Universum steckt, kommt an Gemini nicht vorbei. Aber so einfach ist es natürlich nicht. Es hängt von der Nutzung ab.

Und eine Sache vorweg, die inzwischen wichtiger ist als die Anbieterwahl. Alle drei lassen dich einstellen, wie gründlich sie nachdenken sollen. Wer diese Einstellung nie anfasst, verschenkt mehr, als er durch einen Anbieterwechsel gewinnen würde. Dazu unten mehr.

Die Kandidaten im Überblick

ChatGPT (OpenAI)

Der Platzhirsch. ChatGPT hat die Kategorie erfunden und dominiert sie noch immer. Das Ökosystem ist am größten. GPT Store mit Custom Bots, Bilderzeugung, Integration in Microsoft-Produkte. Seit Juli 2026 ist die Oberfläche allerdings deutlich unübersichtlicher geworden, weil neben dem Chat zwei weitere Arbeitsmodi stehen. Sora, der Videogenerator, wurde im April 2026 abgeschaltet. Die Sprachfunktion heißt inzwischen GPT-Live und hört und spricht direkt, statt Text vorlesen zu lassen.

Aktuelles Modell GPT-5.6, intern aufgeteilt in Sol, Terra und Luna. Im normalen Chatfenster bekommt man Sol, die anderen beiden tauchen vor allem in den Arbeitsmodi und in der Schnittstelle auf
Preis Kostenlose Version verfügbar, Go-Abo 8$/Monat, Plus-Abo 20$/Monat, Pro-Abo 100$ oder 200$/Monat
Unternehmen OpenAI, San Francisco

Claude (Anthropic)

Der Herausforderer aus dem akademischen Umfeld. Anthropic wurde von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet und positioniert sich als die »sichere« Alternative. Claude ist in Deutschland weniger bekannt, hat aber eine treue Anhängerschaft unter Profis, die viel mit Text arbeiten. Eine Lücke fällt sofort auf, es gibt keinen Bildgenerator. Wer nach einem Bild fragt, bekommt eine per Code gezeichnete Grafik, mit Ergebnissen zwischen brauchbar und unfreiwillig komisch.

Aktuelles Modell Claude Opus 5, seit Ende Juli 2026 (darüber das Spitzenmodell Fable 5, darunter Sonnet und Haiku als schnellere, günstigere Varianten)
Preis Kostenlose Version verfügbar, Pro-Abo ab 20$/Monat aufwärts
Unternehmen Anthropic, San Francisco

Gemini (Google)

Googles Antwort auf ChatGPT. Gemini, früher Bard, ist tief in das Google-Ökosystem integriert. Gmail, Docs, Drive, Search. Wer ohnehin alles bei Google hat, bekommt hier die reibungsloseste Integration. Die Stärke liegt in der Recherche und im Umgang mit aktuellen Informationen. Beim reinen Modellrennen ist Google zuletzt zurückgefallen, bei zwei Spezialwerkzeugen dagegen führend.

Aktuelles Modell Gemini 3.1 Pro (dazu Flash-Varianten für schnelle Aufgaben, zuletzt Gemini 3.6 Flash)
Preis Kostenlose Version verfügbar, Google AI Pro 19,99$/Monat (oft im Google One Bundle mit 2TB Speicher, teilweise im Angebot als Google One)
Unternehmen Google/Alphabet, Mountain View

Claude vs. ChatGPT vs. Gemini: Welche KI für wen?

Wo liegen die echten Unterschiede?

Textqualität und Stil

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Claude schreibt am besten. Die Texte klingen natürlicher, weniger nach Maschine. Besonders bei längeren Texten, bei Nuancen und bei deutschem Stil fällt der Unterschied auf. Claude neigt weniger zu den typischen KI-Floskeln (»Es ist wichtig zu beachten…«, »Zusammenfassend lässt sich sagen…«), die man aus ChatGPT-Texten sofort heraushört.

ChatGPT ist solide, aber erkennbar. Die Texte sind korrekt, gut strukturiert, manchmal etwas steril. Die neueren Modelle haben sich verbessert, aber der typische ChatGPT-Ton bleibt. Gut für Entwürfe, die man ohnehin überarbeitet. Prosa wird oft zu knapp, bei Bearbeitungen schrecklich, weil kürzend.

Gemini schwächelt hier am meisten. Die Texte wirken oft generisch, manchmal seltsam enthusiastisch. Bei deutschen Texten fallen gelegentlich unidiomatische Wendungen auf. Für kreatives Schreiben die schwächste Wahl. Unterm Strich Claude vor ChatGPT vor Gemini.

Komplexes Denken und Reasoning

Es geht um mehrstufige Probleme, logische Ketten, das Abwägen von Argumenten.

Claude nimmt sich Zeit. Die Antworten sind oft länger, weil Claude mehr Aspekte berücksichtigt und Einschränkungen benennt. Das kann nerven, wenn man schnelle Antworten will. Aber bei komplexen Fragen zahlt es sich aus.

ChatGPT antwortet schneller und selbstbewusster. Das ist angenehm bei einfachen Fragen, aber gefährlich bei komplexen. ChatGPT klingt auch dann überzeugend, wenn es falsch liegt.

Gemini ist unberechenbar. Manchmal brillant, manchmal daneben. Die Inkonsistenz ist das Problem. Man weiß nie, ob man sich auf die Antwort verlassen kann. Unterm Strich Claude vor ChatGPT vor Gemini.

Code und Entwickler-Tools

Alle drei können Code schreiben, erklären und debuggen. Aber hier gehen die Wege auseinander.

Eine Vorbemerkung, weil sie oft untergeht. Das Programmieren ist bei allen dreien längst aus dem Chatfenster ausgezogen. Jeder Anbieter hat dafür eine eigene Anwendung mit eigenem Namen, eigener Oberfläche und teilweise eigenem Abo. Wer im normalen Chat nach Code fragt, benutzt nicht das Werkzeug, das der Hersteller dafür gebaut hat.

Claude hat mit Claude Code ein eigenes Terminal-Tool für agentisches Programmieren. Die KI kann selbstständig Dateien anlegen, editieren und Befehle ausführen. Dazu kommt MCP (Model Context Protocol), ein offener Standard, mit dem Claude sich an externe Tools und Datenquellen anbinden lässt. Immer mehr Anwendungen unterstützen MCP inzwischen.

ChatGPT hat das größte Ökosystem für Entwickler, Canvas für Code-Editing und den längsten Track Record. Dazu kommt Codex, das inzwischen kein Nebenprodukt mehr ist, sondern eine der drei Hauptoberflächen. Im Juli wurde die Codex-App sogar zur neuen ChatGPT-Desktop-App umgebaut, die alte heißt seitdem ChatGPT Classic. Für die meisten Programmieraufgaben die sichere Wahl.

Google hat hier zuletzt am gründlichsten aufgeräumt. Auf der Entwicklerkonferenz im Mai 2026 machte der Konzern Antigravity zur einzigen Coding-Plattform, bestehend aus Desktop-App, Kommandozeilenwerkzeug und Schnittstelle für eigene Agenten. Für Privatnutzer wurden Gemini CLI und Gemini Code Assist am 18. Juni abgeschaltet, wer weitermachen will, muss umziehen. Firmenkunden sind ausgenommen. Daneben steht Jules, ein Agent, der anders funktioniert als die übrigen. Man weist ihm eine Aufgabe auf GitHub zu, er klont das Projekt in eine virtuelle Maschine, schreibt den Code, lässt die Tests laufen und legt am Ende einen fertigen Änderungsvorschlag vor. Man sieht ihm nicht zu, man kommt zurück und findet ein Ergebnis. Kostenlos sind 15 Aufgaben am Tag drin.

Eine Merkwürdigkeit am Rande. In Antigravity lassen sich auch Claude-Modelle auswählen. Google baut also die Werkstatt und überlässt es dem Nutzer, mit wessen Werkzeug er darin arbeitet.

Unterm Strich haben alle drei ernstzunehmende Werkzeuge, und die alte Einschätzung, Google sei beim Coden zweite Wahl, trägt nicht mehr. Für Einsteiger bleibt trotzdem das Chatfenster der richtige Ort. Diese Plattformen richten sich an Leute, die mit Repositories, Terminals und Pull Requests etwas anfangen können.

Mindmap Vergleich
Schnellübersicht, welche KI für welchen Zweck (Klick zum Vergrößern)

Recherche und aktuelle Informationen

Gemini hat hier den Heimvorteil. Die Integration in Google Search ist eng verzahnt, die Quellenangaben sind meist brauchbar, aktuelle Informationen fließen schnell ein. Wer Fakten sucht, ist bei Gemini am besten aufgehoben.

ChatGPT mit aktivierter Websuche funktioniert, aber die Quellen sind manchmal fragwürdig. Die Recherche-Funktion fühlt sich angeflanscht an, nicht integriert.

Claude kann ebenfalls suchen, aber Recherche ist nicht die Kernkompetenz. Für tiefgehende Analyse von Dokumenten, die man selbst hochlädt, wiederum exzellent. Wie man aus allen dreien mehr herausholt als eine hübsche Zusammenfassung, steht im Artikel zu Deep Research. Unterm Strich Gemini vor ChatGPT vor Claude.

Spezial-Tools und Extras

Jeder Anbieter hat inzwischen seine Spezialitäten.

Gemini punktet mit Gemini Notebook, das bis Mitte Juli 2026 NotebookLM hieß. Das Werkzeug arbeitet ausschließlich mit den Quellen, die man selbst hochlädt, und macht daraus Zusammenfassungen, FAQs oder Podcasts. Für Seminararbeiten und die Einarbeitung in ein neues Thema ist das nach wie vor das stärkste Einzelwerkzeug am Markt. Dazu kommt Gemini Omni, ein Videomodell, das Clips nicht nur erzeugt, sondern auch per Anweisung umbaut. Und Gemini Nano läuft direkt auf Android-Geräten, ohne Internetverbindung.

ChatGPT bietet Bildgenerierung direkt im Chat und den GPT Store mit tausenden spezialisierten Bots. Das breiteste Angebot. Beim Video ist eine Lücke entstanden, seit OpenAI Sora im April 2026 abgeschaltet hat.

Claude setzt auf Artefakte (interaktive Outputs wie Code-Previews oder Dokumente), die schon erwähnten Entwickler-Tools und Cowork, ein Werkzeug für Nicht-Programmierer, das Dateien und Aufgaben automatisiert. Bild und Video fehlen komplett.

Kontext und Gedächtnis

Wie viel merkt sich die KI innerhalb eines Gesprächs? Und über Gespräche hinweg?

Gemini arbeitet mit 1 Million Token Kontext. Das reicht für riesige Dokumentensammlungen, ein ganzes Buch samt Anhang passt hinein. Die versprochene Verdopplung auf 2 Millionen Token kommt erst mit Gemini 3.5 Pro, das mehrfach verschoben wurde.

Claude zieht mit Opus 5 auf ebenfalls 1 Million Token gleich. Die Qualität der Zusammenfassungen und Analysen ist dabei oft höher als bei der Konkurrenz.

ChatGPT hat aufgeholt und liegt mit GPT-5.6 in derselben Größenordnung. Der alte Vorsprung von Gemini ist damit dahin. Wie viel von diesen Angaben im Alltag tatsächlich nutzbar ist, steht im Artikel zum Kontextfenster in der Praxis. Unterm Strich liegt Claude bei der Qualität vorn, Gemini und ChatGPT gleichauf.

Zuverlässigkeit und Halluzinationen

Alle LLMs halluzinieren. Sie erfinden Fakten, Zitate, Quellen. Die Frage ist, wie oft und wie offensichtlich.

Claude ist am vorsichtigsten. Sagt öfter »Ich bin nicht sicher« oder »Das müsste überprüft werden«. Manche finden das nervig, aber es schützt vor falschen Gewissheiten.

ChatGPT halluziniert selbstbewusst. Das ist gefährlich, weil die falschen Antworten genauso überzeugend klingen wie die richtigen.

Gemini liegt dazwischen, tendiert aber ebenfalls zu Überconfidence. Unterm Strich Claude vorn, Gemini und ChatGPT gleichauf.

Datenschutz

Ein nerviges Thema, das viele ignorieren.

Alle drei sind US-Unternehmen. Die Server stehen überwiegend in den USA. Wer mit sensiblen Daten arbeitet, etwa Firmeninterna, personenbezogene Daten oder Mandanteninformationen, sollte die Enterprise-Versionen prüfen oder ganz auf lokale Lösungen ausweichen.

Claude speichert Gespräche standardmäßig nicht für Training (opt-out). ChatGPT tut es, sofern man nicht widerspricht. Gemini ist am intransparentesten. Die Daten fließen potenziell in das gesamte Google-Universum.

Für Nutzer in der EU und Freunde (wäre wäre es nicht?) von AI Act und DSGVO bleibt das Thema unbefriedigend gelöst. Echte Datensouveränität gibt es bei keinem der drei. Unterm Strich sind alle problematisch, Claude ist am transparentesten.

Die Denkstufe, der Regler, den fast niemand anfasst

Die Modellauswahl ist keine Modellauswahl mehr. Sie ist eine Aufwandsauswahl.

Bei ChatGPT stehen im Auswahlmenü inzwischen Begriffe wie Instant, Medium, High und Extra High. Das klingt nach vier verschiedenen Modellen, ist aber keins. Hinter Medium, High und Extra High steckt dasselbe Modell, nämlich GPT-5.6 Sol. Was sich unterscheidet, ist die Rechenzeit, die es sich nehmen darf, bevor es antwortet. Der Modellwähler ist zu einem Aufwandswähler geworden, auch wenn er noch aussieht wie vorher.

Bei Claude sitzt der Schalter neben dem Senden-Knopf. Man klickt auf den Modellnamen und schaltet das Nachdenken zu oder ab. Bei Opus 5 lässt es sich gar nicht mehr abschalten, das Modell denkt immer. Google macht die Stufen am wenigsten sichtbar und entscheidet häufiger selbst, wie viel Aufwand eine Anfrage verdient.

Warum das mehr zählt als die Anbieterfrage. Bei einer Frage nach einem Rezept oder einer Vokabel macht die Denkstufe keinen Unterschied, sie kostet nur Wartezeit und Kontingent. Bei einer mehrstufigen Rechnung, einer Argumentation oder einer Fehlersuche im Code ist der Abstand zwischen der schnellen und der gründlichen Stufe desselben Modells oft größer als der Abstand zwischen zwei Anbietern auf derselben Stufe.

Die meisten Leute, die über schlechte KI-Antworten klagen, haben nie eine andere Stufe als die Voreinstellung benutzt.

Die Denkstufe (auch Reasoning Level oder Effort) bestimmt, wie lange ein Sprachmodell rechnen darf, bevor es antwortet. Sie ist unabhängig vom Modell selbst. Ein starkes Modell auf niedriger Stufe kann schlechter abschneiden als dasselbe Modell auf hoher Stufe.

Chatfenster, Agent oder Zugriff auf deinen Rechner

Noch im Frühjahr ließ sich der Stand der Agenten in einem Satz zusammenfassen. Es wird besser, aber es bleibt holprig. Dann kam der Juli.

Am 7. Juli brachte Anthropic Cowork ins Web und auf Mobilgeräte, am 9. Juli startete OpenAI ChatGPT Work zusammen mit GPT-5.6. Zwei Tage Abstand, dieselbe Produktkategorie. Seitdem hat ChatGPT drei Oberflächen statt einer, nämlich Chat für Gespräche, Work für mehrstufige Aufgaben und Codex für Software. Bei Claude heißen die Entsprechungen Chat, Cowork und Code. Die Namen lassen sich nicht ineinander übersetzen, was die Sache nicht einfacher macht.

Praktisch gibt es drei Stufen.

Das Chatfenster. Du fragst, die KI antwortet, du kopierst das Ergebnis irgendwohin. Für den Großteil aller Aufgaben reicht das immer noch.

Der Agent auf fremdem Rechner. Work und Cowork arbeiten auf Servern des Anbieters. Du beschreibst ein Ergebnis, der Agent plant die Schritte, greift auf verbundene Dienste zu und liefert nach einer Weile etwas Fertiges. Weil das nicht auf deinem Gerät läuft, kannst du den Auftrag vom Handy starten und die App zumachen.

Der Agent auf deinem Rechner. Claude Code, Codex und Cowork im Desktop-Modus bekommen Zugriff auf deine Ordner und Dateien. Das ist die mächtigste und die riskanteste Variante. Sie lohnt sich, wenn die Arbeit tatsächlich in Dateien liegt und nicht in einem Chatverlauf.

Der Wirtschaftswissenschaftler Ethan Mollick hat beiden Systemen dieselbe Aufgabe gegeben, nämlich ein Seminar vorzubereiten und offene Mails dazu zu beantworten. Beide lieferten nach etwa zehn Minuten Material, für das ein Mensch Stunden gebraucht hätte. Ein Unterschied fiel auf. Claude legte die Antwortmail als Entwurf an, ChatGPT verschickte sie. Der Grund lag nicht am Modell, sondern an den Berechtigungen, die Mollick vorher selbst gesetzt hatte.

Das ist die eigentliche Lehre für Einsteiger. Alles, was verschickt, kauft oder löscht, bleibt auf Rückfrage gestellt, bis man dem System vertraut. Dazu kommt ein Risiko, das viele unterschätzen. Ein Agent, der Mails liest und im Web surft, trifft dort auf Text, den andere geschrieben haben. Manche dieser Texte sind darauf angelegt, ihm neue Anweisungen unterzuschieben. Prompt Injection heißt das, und gelöst ist es nicht.

Hast du schon mal eine KI eine Aufgabe komplett allein erledigen lassen?

Und der Preis. Agenten arbeiten in Schleifen, rufen Werkzeuge auf und bewerten Zwischenergebnisse. Das Kontingent eines Zwanzig-Dollar-Abos ist damit schneller aufgebraucht als in einem ganzen Monat Chatbetrieb. Warum das so ist, steht im Artikel dazu, weshalb KI-Agenten immer teurer werden.

Wann sich das stärkste Modell wirklich lohnt

Eine Regel erspart die meisten Vergleichstabellen. Es kommt darauf an, was ein Fehler kostet.

Bei niedrigem Einsatz reicht praktisch jedes Modell, auch die kostenlosen. Ein Rezept, eine Formulierungshilfe, eine Erklärung zum Nachvollziehen, eine Zusammenfassung, die man ohnehin überfliegt. Wenn die Antwort daneben liegt, merkt man es oder es ist egal. Hier lohnt sich weder ein Abo noch die höchste Denkstufe.

Bei hohem Einsatz gilt das Gegenteil. Prüfungsstoff, den man sich falsch einprägt und Monate später abruft. Eine medizinische oder juristische Frage, bei der man eine zweite Meinung sucht. Eine Bewerbung, eine Abschlussarbeit, eine Rechnung, deren Ergebnis in etwas anderes einfließt. Hier nimmt man das stärkste verfügbare Modell auf einer hohen Denkstufe und prüft trotzdem nach.

Der Unterschied liegt nicht in der Schwierigkeit der Frage. Er liegt darin, ob ein Fehler auffällt.

Das ist auch der Grund, warum die Frage nach dem besten Anbieter für Gelegenheitsnutzer überschätzt wird. Wer täglich drei Fragen stellt, wird zwischen den drei kostenlosen Versionen kaum einen Unterschied bemerken. Wer sie zum Selbststudium oder für Abgaben nutzt, merkt ihn bei jeder zweiten Antwort.

Welche KI für welchen Zweck?

Texte schreiben (Artikel, Berichte, Mails) → Claude. Bester Stil, wenigste KI-Floskeln

Kreatives Schreiben (Geschichten, Dialoge) → Claude. Mehr Nuancen, weniger Schema F

Code schreiben und debuggenalle drei. Claude Code im Terminal, Codex bei OpenAI, Antigravity bei Google

Programmieraufgabe komplett abgebenJules (Google). Nimmt ein GitHub-Issue und liefert einen fertigen Änderungsvorschlag

Schnelle Recherche und FaktencheckGemini. Beste Google-Integration, aktuellste Infos

Seminararbeit aus eigenen QuellenGemini Notebook. Arbeitet nur mit dem, was du hochlädst

Lange Dokumente analysierenClaude oder Gemini. Beide bei 1 Million Token, Claude mit der besseren Analyse

Google Workspace (Gmail, Docs, Sheets) → Gemini. Reibungslose Integration im Ökosystem

Bilder erzeugenChatGPT oder Gemini. Claude kann es schlicht nicht

Video erzeugen oder umbauenGemini (Omni). Bei OpenAI ist die Lücke seit dem Sora-Aus offen

Sprachgespräch unterwegsChatGPT (GPT-Live). Hört und spricht direkt, statt Text vorzulesen

Offline auf dem HandyGemini (Nano). Läuft ohne Internet

Mehrstufige Aufgaben abgebenClaude oder ChatGPT. Cowork für lokale Dateien, Work für verbundene Dienste

Allround für alles ein bisschenChatGPT. Größtes Ökosystem, stabilste Apps

Lernen und ErklärungenClaude. Erklärt geduldig, geht in die Tiefe. Welche Methoden dabei tatsächlich etwas bringen, ist wichtiger als die Modellwahl

Preis-Leistung – die versteckten Unterschiede

Die kostenlosen Versionen sind bei allen drei brauchbar für gelegentliche Nutzung. Wer täglich arbeitet, braucht ein Abo. Auf dem Papier kosten alle etwa gleich viel, in der Praxis nicht.

ChatGPT Plus für 20$ im Monat bringt GPT-5.6, Bildgenerierung, GPT Store und großzügige Limits. Man kann den ganzen Tag arbeiten, ohne an Grenzen zu stoßen. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Vielnutzer. Wer weniger braucht, kann mit dem Go-Abo für 8$ einsteigen, wer mehr will, seit April 2026 auch mit einem Pro-Tarif für 100$.

Claude Pro ab 20$ im Monat gibt Zugang zu allen Claude-Modellen einschließlich Opus, dazu Projekte, Claude Code und Cowork. Enge Limits. Wer intensiv arbeitet, stößt regelmäßig an die Decke und muss warten oder mehr zahlen. Der Flaschenhals ist ärgerlich, die Qualität der Outputs aber oft höher. Claude ist am teuersten.

Google AI Pro für 19,99$ im Monat ist oft im Google One Bundle enthalten, mit 2TB Speicher. Gemini Notebook hat eigene Limits, die sich schnell erschöpfen. Lohnt sich vor allem, wenn man Google One ohnehin nutzt. Jules rechnet nicht in Nachrichten, sondern in Aufgaben, kostenlos sind 15 am Tag.

Eine Warnung gilt bei allen dreien. Sobald man Agenten einsetzt, verhalten sich diese Kontingente anders als beim Chatten. Ein einziger längerer Auftrag kann so viel verbrauchen wie ein Tag normaler Nutzung. Wer wissen will, was am Ende zusammenkommt, findet die aktuellen Tarife im Preisvergleich und die Stellschrauben im Artikel darüber, wo das Geld hinfließt.

Wer viel und lange arbeitet, bekommt bei ChatGPT am meisten für sein Geld. Wer weniger, aber anspruchsvoller arbeitet, nimmt die Claude-Limits in Kauf.

Die richtige KI für dich

Es gibt keine beste KI für alles. Aber es gibt die richtige KI für dich.

Du schreibst viel und legst Wert auf Stil? Claude.

Du brauchst einen Allrounder ohne Überraschungen? ChatGPT.

Du lebst im Google-Universum? Gemini.

Ich nutze alle drei, je nach Aufgabe. Das ist auch die ehrliche Empfehlung. Die kostenlosen Versionen testen, schauen, was für den eigenen Workflow funktioniert. Die Unterschiede werden kleiner, aber sie existieren noch. Und alle drei werden in rasantem Tempo besser. Was heute gilt, kann in ein paar Monaten schon wieder anders aussehen.

Wobei die wichtigere Frage inzwischen woanders liegt. Nicht welche der drei, sondern wie viel Aufwand man ihnen für die konkrete Aufgabe zugesteht. Wer das einmal begriffen hat, wechselt den Anbieter seltener. (lk)

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Der Autor

Sven Edmund Lennartz ist seit 25 Jahren Fachautor und Gründer mehrerer Online-Unternehmen, wie Dr. Web (Webdesign), Conterest (Bloggen), Sternenvogelreisen (Sprache) und Smashing Magazine (Webdesign & Entwicklung). Autorenhomepage

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